Landeskunde Baden-Württemberg

 

Die drohende Einverleibung durch Württemberg

Dessen ungeachtet nehmen in der Zeit der Weimarer Republik und dann im "Dritten Reich" die Verknüpfungen Hohenzollerns mit Württemberg ständig zu. So bildete Hohenzollern mit Württemberg bei den Reichstagswahlen einen Wahlbezirk. Die zur Wahl stehenden Parteien wurden damit zu Bindestrichparteien Württemberg-Hohenzollern. Da die Nationalsozialisten ihre Organisation nach Wahlbezirken ausrichteten, entstand der GAU Württemberg-Hohenzollern, der in Stauttgart seinen Sitz hatte.

Gegen die drohende Einverleibung durch Württemberg führten die Hohenzollern jedoch immer wieder ihre Eigenart ins Feld. Es entstand allmählich ein hohenzollerischer Partikularismus. 1926 wurde der heilige Fidelis von Sigmaringen auf Betreiben der hohenzollerischen Geistlichkeit zum Landespatron erhoben. Mächtigen Auftrieb erfuhren im Lande die Erforschung der Geschichte und die Pflege der Zeugnisse der Vergangenheit. So wurde beispielsweise die Hohenzollerische Landesversammlung, in der die Exponate des Landes von der Vor- und Frühgeschichte bis in die Neuzeit enthalten waren, 1921 auf die Burg Hohenzollern verbracht und dort in zwei Räumen des Wehrturms systematisch für die interessierte Öffentlichkeit präsentiert. 1928 erfolgte die Gründung der Hohenzollerischen Heimatbücherei Hechingen. 1940 wurde die Landeskundliche Forschungsstelle geschaffen, deren Leitung vom Leiter des Staatsarchivs Sigmaringen wahrgenommen wurde.

Die Einverleibung Hohenzollern in Württemberg fand nicht statt. Als der Sigmaringer Regierungspräsident Wilhelm Dreher 1943 der vorgeschlagenen Stilllegung der Regierung in Sigmaringen und der Übertragung ihrer Funktion auf entsprechende württembergische Oberbehörden zustimmte, wurde dieses Vorhaben im Dezember 1944 vom Reichsinnenministerium im Hinblick auf die Kriegssituation zurückgewiesen.

Schloss Sigmaringen, der Sitz des Fürstenhauses Hohenzollern-Sigmaringen. Die Stadt Sigmaringen wurde nach dem Übergang an Preußen Sitz des Regierungspräsidenten und des Landeskommunalverbandes einschließlich Kommunallandtag als Selbstverwaltungskörperschaft. Nach dem Aussterben der Hechinger Linie 1869 war Sigmaringen alleiniger Sitz der Hohenzollernfürsten. Im Bild: Hohenzollernschloss in Sigmaringen 1997, Blick von Osten über die Donau im Abendlicht. Foto: LMZ Baden-Württemberg, Eberhard Spaeth