Landeskunde Baden-Württemberg

 

Das Entstehen einer hohenzollerischen Identität

Fidelisprozession vor dem Prinzenbau in Sigmaringen im Jahr 1929. In der Mitte tragen Männer die Prozessionsstatue des Heiligen Fidelis, des Patrons der Stadt Sigmaringen und von Hohenzollern. Foto: Staatarchiv Sigamringen

Trotz aller Bemühungen und seinen Erfolgen bei der Erschließung und Entwicklung des Landes ist es Preußen nicht gelungen, das Land ganz zu integrieren. Einem echten Zusammenwachsen standen vor allem mentale und konfessionelle Barrieren entgegen. Die Bevölkerung der ehemaligen Fürstentümer Hohenzollern, die 1852 zum Regierungsbezirk der Hohenzollernschen Lande zusammengeschlossen wurden, waren Schwaben und in ihrer überwiegenden Mehrheit katholisch. Besonders in klerikalen Kreisen mochte die Bildung der evangelischer Kirchengemeinden in Sigmaringen, Hechingen, Haigerloch, Dettingen und Gammertingen, die 1898 eine Kreissynodalordnung erhielten, als pure Provokation empfunden worden sein. Die Repressionen der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen im Kulturkampf taten ein Übriges.

Hohenzollern wurde zu einer Hochburg des katholischen Zentrums und ist dies bis zur „Machtergreifung“ 1933 auch geblieben. Bei der Bildung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern 1867 beriefen sich die Gründer „auf das Selbstbewusstsein des Landes und auf seine eigene Geschichte“, so der renommierte Historiker und Hohenzollernkenner Fritz Kallenberg.

Das Streben der Bevölkerung Hohenzollerns nach Eigenständigkeit fand auch beim angestammten Fürstenhaus eine Stütze. Fürst Karl Anton, seit dem Erlöschen der Hechinger Linie 1869 Chef der schwäbischen Hohenzollern, vermochte trotz Abtretung seiner Souveränitätsrechte seinem Haus eine eigene Stellung zu verschaffen. So wurde sein zweitgeborener Sohn Karl 1866 als Carol I. zum Fürsten und 1881 zum König von Rumänien proklamiert. Erbprinz Leopold wurde die Krone Spaniens angetragen, ein Ereignis, das bekanntlich zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 geführt hat.

1871 kehrte Fürst Karl Anton von Hohenzollern nach einer großen Karriere in preußischen Diensten – er war von 1858 bis 1862 als unmittelbarer Vorgänger Bismarcks preußischer Ministerpräsident – nach Sigmaringen zurück. Aufgrund seiner Leistungen, seiner Privilegien, seines großen Vermögens und nicht zuletzt der Anhänglichkeit der hohenzollerischen Bevölkerung spielte er im Land die erste Geige; der Regierungspräsident musste sich mit dem zweiten Platz begnügen. Diese außerordentliche Stellung konnten auch die Nachfolger Karl Antons weitgehend behaupten. Die Sigmaringer errichteten vielsagend nicht ihren Königen und Kaisern, sondern ihren Fürsten Denkmäler. Das Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I. in Sigmaringen hatte Fürst Leopold von Hohenzollern gestiftet.