Landeskunde Baden-Württemberg

 

Katholische Profilierung in protestantischem Umfeld

Gruppenbild von den Zöglingen des Fideliskonvikts mit Rektor Volm und Präfekt Abberger aus dem Jahr 1948. Im Hintergrund der 1933 eingeweihte Neubau des Konvikts am Schönenberg in Sigmaringen. Foto: Staatsarchiv Sigmaringen

Die liberalen Kirchenartikel der preußischen Verfassung befreiten die katholische Kirche in Hohenzollern von den Fesseln des Staatskirchentums und verhalfen den Kräften der kirchlichen Erneuerung zum Durchbruch. Das Aufblühen des kirchlichen Lebens, das durch die Furcht vor dem protestantischen Preußen eine ungeheuere Dynamik erhielt, fand in der Schaffung zahlreicher Ordensniederlassungen, Bildungsanstalten und karitativer Einrichtungen sichtbaren Ausdruck.

So entstanden unter Mitwirkung von Pfarrer Thomas Geiselhart 1852 ein Jesuitenkloster in Gorheim und 1863 auf Betreiben der beiden Brüder Maurus und Placidus Wolter und mit der Unterstützung der verwitweten Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen das Benediktinerkloster Beuron. 1862 ließen sich in Stetten bei Hechingen Franziskaner nieder. 1856 eröffnete Geiselhart in dem ehemaligen Gasthof „Krone“ in Sigmaringen, das nach der Tradition als das Geburthaus des Heiligen Fidelis galt, ein Knabenseminar für den Priesternachwuchs, das er „Seminarium Fidelianum“ nannte. 1861 bezog Geiselhart das „Waisenhaus Nazareth“ auf dem Brunnenberg in Sigmaringen. Unter maßgeblicher Mitwirkung Geiselharts konnte eine Vereinbarung über die Gründung einer Mädchenschule, das spätere Marien-Lyzeum, unter der Leitung der Schwestern der christlichen Liebe aus Paderborn getroffen werden. In den karitativen Einrichtungen des Landes wirkten Vinzentinerinnen, Franziskanerinnen und Schwestern vom Heiligen Kreuz in Ingenbohl.