Landeskunde Baden-Württemberg

 
Der schwarze Adler, das preußische Hoheitszeichen der Hohenzollernschen Lande

Horst des Preußenadlers

Den Zeitgenossen wurde der Übergang der Fürstentümer an Preußen als ein auf alten Erbverträgen fußender, normaler dynastischer Vorgang vermittelt. So enthielt der Zuspruch des Königs an seine neuen Landeskinder vom 12. März 1850 denn auch die Worte „Ihr seid schon bisher Meinem Hause und Meinem Herzen nicht fremd gewesen“, die dann auch vom Hechinger Stadtschultheiß bei der Begrüßung des Monarchen am 21. August 1851 an den Anfang seiner Rede
gestellt wurden. In seiner Ansprache bei dem Erbhuldigungsakt führte der König schließlich aus: „Dieser Fels, dieses Land und Volk und das hier entsprossene Herrscher-Geschlecht haben, so lange die Geschichte von ihnen weiß, nur einen und denselben Namen geführt. Nun, meine Herren, so bleibts Gottlob! in Zukunft auch.“ Über die in den Verfassungen der beiden Fürstentümer enthaltenen Bestimmungen, dass im Falle einer Änderung der Staatszugehörigkeit die Bevölkerung hätte gefragt werden müssen, sind die
Akteure kurzerhand hinweggegangen.

Entscheidend für die Übernahme der angebotenen Fürstentümer war für den König das Argument seines Zeremonienmeisters Rudolf Freiherr von Stillfried, dass im Falle des Ausschlagens des Übernahmeangebots der hohenzollerischen
Fürsten die Stammburg der Hohenzollerndynastie unweigerlich in fremde Hände gelangen würde.

Dass die Rettung des Horsts des „Schwarzen Adlers“ das Hauptmotiv bei der Übernahme der Fürstentümer Hohenzollern darstellte, wurde auch bei der am Tag der Erbhuldigung erfolgten Stiftung des Königlich Hohenzollernschen
Hausordens deutlich. Diesem gab Friedrich Wilhelm IV. die Devise „Vom Fels zum Meer“, um ihn „dem Andenken an den Ursprung und die Ausbreitung Unseres Königlichen Hauses [zu] widmen, welches unter dem Beistande Gottes des Allmächtigen von der Felskuppe des Hohenzollern seine Herrschaft
ausgebreitet hat bis zu dem Baltischen Meer und über das Stromgebiet der Nordsee“. Mit dem von der „Vom-Fels-zum-Meer-Ideologie“ überlagerten Huldigungsakt auf der Burg Hohenzollern wurde die Glanzzeit der Sonderentwicklung Hohenzollerns im deutschen Südwesten eingeleitet, die
bis in die Gegenwart Nachwirkungen zeitigt.