Landeskunde Baden-Württemberg

 

Immer auch schon eine Städtelandschaft

Einer der bedeutendsten Automobilzulieferer der Welt ist die Zahnradfabrik Freidrichshafen (ZF), 1915 gegründet. Mit mehr als 60 000 Beschäftigten weltweit, davon 40 000 in Deutschland, ist die Firma der Heimat verbunden geblieben. Die Titelseite einer Autozeitschrift von 1940 zeigt nicht nur das Ausgangsprodukt Zahnrad und die "Kundschaft" Automobil , sondern auch die Heimatstadt Friedrichshafen mit Bodensee und Alpenpanorama. Die ZF gehört zu fast 100 Prozent der Zeppelin-Stiftung, die sich wiederum im Besitz der Stadt Friedrichshafen befindet. Foto: ZF Friedrichshafen AG

Von den 51 Freien Reichsstädten am Ende des Alten Reichs lagen 25 im heutigen Baden-Württemberg. Sieben davon findet man in Oberschwaben (Biberach, Buchau, Buchhorn/ Friedrichshafen, Isny, Leutkirch, Ravensburg, Wangen), fünf weitere im unmittelbaren Umfeld (Memmingen, Lindau, Ulm, Pfullendorf, Überlingen). Die vorderösterreichischen „Donaustädte“ einschließlich Ehingen hatten annähernd reichsstadtähnlichen Charakter (Mengen, Munderkingen, Riedlingen, Saulgau, Waldsee). Den Reichsstädten wird eine strukturelle Affinität zur Reformation nachgesagt, doch in Oberschwaben sind lediglich Isny und Leutkirch protestantische Reichsstädte – dem Ursprung nach, denn da das Umland katholisch ist, ist die Bevölkerungsmehrheit längst katholisch. Biberach und Ravensburg sind paritätische Reichsstädte, in denen Protestanten und Katholiken gleichberechtigt waren.

Wirtschaftsgeschichtlich gesehen waren und sind die Reichsstädte Wirtschaftsmotoren und kulturelle Zentren, in der Vergangenheit wie auch heute. Hier ist die Bevölkerung wendig und erfindungsreich – und sie weiß zu leben. Längst ist Oberschwaben im Zuge der Industrialisierung ein moderner Wirtschaftsstandort geworden. So zieht sich von Ulm her über Laupheim, Biberach, Bad Waldsee, Weingarten, Ravensburg bis hin nach Friedrichshafen, dabei immer wieder auf die Dörfer und kleinen Städte im Umland (wie z. B. Laupheim, Ochsenhausen, Schwendi) ausgreifend, ein Band wichtiger Industriebetriebe, die nicht selten Global Players sind, mit teilweise hohen Marktanteilen. Attraktiv ist dieses Land geblieben, dank seiner guten Wirtschaftsstruktur, ziemlich gesunden Umwelt und einem hohen Freizeitwert.

Reichsstädte sind wirtschaftliche und kulturelle Zentren, bis heute. Das gilt auch für Biberach an der Riss. Einzug hielt die Moderne mit der Südbahn, um die sich die Städte intesiv bemühten. Sie verband schon 1850 Stuttgart mit Ulm, Biberach, Ravensburg und Friedrichshafen. Der Stich von Eberhard Emminger von 1865 zeigt voller Stolz die Eisenbahn (rechts im Bild), als Statussymbol und Zeichen der neuen Zeit. Heute ist Biberach der Sitz internationaler Firmen wie Böhringer Ingelheim, Liebherr, KaVo und Handtmann. Foto: Museum Biberach