Landeskunde Baden-Württemberg

 
Zu den bedeutendsten Adelsfamilien Oberschwabens gehören die Waldburger, mit den heute hier noch bestehenden Linien Waldburg-Wolfegg-Waldsee und Waldburg-Zeil-Trauchburg. Die einstigen Herrscher wurden durch die Mediatisierung 1806 württembergische Untertanen, behielten jedoch ihren Besitz. Insgesamt 33 solcher Standesherren gab es zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Württemberg. Bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918 hatte sich ihre Zahl auf 18 nahezu halbiert. Das Bild von 1798 zeigt einen Wappenbaum der Familie Wolfegg, mit der Waldburg in der Mitte und den beschützenden Hausheiligen oben. Foto aus der Kunstsammlung der Fürsten zu Waldburg-Wolfegg

Auch eine Adelslandschaft

Oberschwaben ist auch eine Adelslandschaft, mit alteingesessenen Herrschergeschlechtern wie den Waldburg-Zeil, Waldburg- Wolfegg (und noch weiteren Linien) und den Königsegg. Durch die Säkularisation kamen weitere Adelsgeschlechter ins Land, so die Quadt-Wyckradt und die Thurn und Taxis, die sich hier ausdehnen konnten. Selbst der Landesherr, das Haus Württemberg, wurde – und blieb – in Oberschwaben ansässig: im Deutschordensschloss zu Altshausen und im Priorat Hofen des Klosters Weingarten in Friedrichshafen. Da die durchweg katholischen Adelsfamilien ihre Mediatisierung als grobes Unrecht empfanden, waren sie dem württembergischen Staat und seinen liberalen Beamten gegenüber durchaus feindlich gesonnen, und verständlicherweise auch antiliberal.

Die württembergische Politik musste ein Bündnis zwischen katholischem Adel und katholischer Landbevölkerung fürchten, was die Integration Oberschwabens ernsthaft gefährden konnte. Von daher rührt eine gezielte Gleichbehandlungspolitik von Protestanten und Katholiken, verbunden mit überaus freundlichen Gesten der württembergischen Könige Wilhelm I. und Karl gegenüber dem katholischen Bevölkerungsteil. Ein Kulturkampf wie in Baden konnte so vermieden werden. Für die Politik hilfreich war zudem das Spannungsverhältnis zwischen Adel und Landbevölkerung, die teilweise Unter-Untertanen adeliger Familien war, bis dann im Zuge der Revolution von 1848/49 die Privilegien der Standesherren abgeschafft wurden.