Landeskunde Baden-Württemberg

 

Bräuche im Wandel der Zeit

Im Zuge der Aufklärung wurden diese Bräuche strikt verboten, wodurch sich die aufgeklärten katholischen Pfarrherren nicht gerade Freunde machten. Die Bräuche waren längst Teil der bäuerlichen Lebenswirklichkeit. Das Hagelläuten, der Wettersegen, die Flurumritte sollten Menschen, Tiere und Ernte vor Schäden bewahren, die Anrufung von Heiligen sollte vor Krankheiten schützen.

Als die katholische Kirche unter dem Trauma der Französischen Revolution – mit ihrer Profanierung von Kirchen, der blutigen Verfolgung von Priestern und Ordensleuten – eine strikte Wende gegen die Moderne vollzog, sich als ultramontaner Kampfverband formierte, quasimilitärisch organisiert, mit der Geistlichkeit als Offizierscorps, den Bischöfen als Generälen und dem Papst als Oberbefehlshaber unangreifbar im fernen Rom jenseits der Alpen („ultra montes“), wurde die Volksfrömmigkeit, wenngleich strikt kontrolliert, reaktiviert und ergänzt. Sie war emotionaler Kitt für eine sich ausbildende katholische Subkultur. So lebten Wallfahrten und auch der Blutritt wieder auf. Er wurde ergänzt durch die Lichterprozession zum Kreuzberg am Abend vorher.