Landeskunde Baden-Württemberg

 
Im Inneren geht es zur Sache: Das Deckengemälde in St.Georg(Isny) zeigt, wie der Strahl der Monstranz, vermittelt über den Spiegel der heiligen Kirche, den protestantischen Prediger trifft, der darauf mit all seinen Büchern in die Hölle stürzt (links unten im Bild). Das Motiv ist auch eine Anspielung auf die Prädikantenbibliothek im Turm der benachbarten protestantischen Nikolaikirche. Im Deckengemälde der katholischen Friedhofskirche wird das Thema wiederholt. Foto: Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn; Wolf-Christian von der Mühlbe

Eine Sakrallandschaft

Oberschwaben präsentiert sich äußerlich sichtbar als Sakrallandschaft: mit Kirchen, Klöstern, Wallfahrtsstätten, Kapellen und Wegkreuzen, die das Land markieren, als katholisch und barock-gegenreformatorisch. Die katholische Abwehrstrategie gegen den eindringenden Protestantismus setzte auf alle Sinne, um den Kampf um die Seelen zu gewinnen. Aus diesem Geist entstanden die prächtigen Barockkirchen und -klöster, Gesamtkunstwerke aus Architektur, Stuck, Skulpturen, Ausmalungen, verstärkt durch gewaltige Orgeln, prachtvolle Gottesdienste, die durchweg gefeiert wurden, mit kostbaren Gewändern, mit ausgeklügelten Riten, mit Weihrauch.

Die Thematik der Bildprogramme sollte deutlich machen, was die katholische Konfession von der protestantischen unterscheidet: die Realpräsenz Christi im Altarsakrament in Gestalt der Monstranz, die Verehrung Mariens, insbesondere auch deren leibliche Aufnahme in den Himmel, und der Glaube an die heilende Mittlerfunktion der vielen Heiligen. Der kirchliche Barock ist Kunst gewordene Ideologie, wobei beide Wortbestandteile zu betonen sind. Gelegentlich wurden die Protestanten im Bildprogramm direkt angegriffen, wenn, wie in Kißlegg, der an seiner Halskrause erkennbare protestantische Prediger, vom Gnadenstrahl getroffen, mit all seinen Büchern in die Hölle stürzt. Massiver wirkt dieses Bildprogramm in Isny, wo die Klosterkirche St. Georg in unmittelbarer Nähe zur reichsstädtischen protestantischen Nikolaikirche steht. Dort im Turm befindet sich bis heute eine einzigartige Prädikantenbibliothek, die der theologischen (Fort-)Bildung der protestantischen Geistlichkeit diente. Der Bezug war klar.

In der katholischen Friedhofskirche wird dieses Thema noch einmal aufgegriffen, wobei die Menschen in Isny im protestantischen Prediger, der mitsamt seiner Bücher in die Hölle stürzt, die Züge Martin Luthers sehen wollten. Die insgesamt prachtvolle Präsentation des Glaubens in der Kunst wurde ergänzt durch die Pflege der Volksfrömmigkeit mit Heiligenverehrung, Wallfahrten und vielerlei Bräuchen, wozu eben auch der Weingartner Blutritt gehört. Es war so eine Sakrallandschaft entstanden: außen wie im Inneren der Menschen, als Seelenlandschaft.