Landeskunde Baden-Württemberg

 
Wie die Feldzeichen zweier feindlicher Heere stehen sich in Isny die beiden Zwiebeltürme der Nikolaikirche und der Klosterkirche St. Georg gegenüber. Der eine steht für die evangelische Reichsstadt, der andere für die katholische Klosterherrschaft.

Entstehung einer oberschwäbischen Identität

Die neu ins Land gekommene württembergische Beamtenschaft trat gegenüber den neuen Untertanen paternalistisch auf. Ihre Vertreter sahen in diesem Landstrich eher einen „schwarzen Kontinent“, rückständig, mit malerischen Bräuchen wie Fasnacht und Blutritt, ein Land, das es zu missionieren galt, im Sinne des altwürttembergischen „Way of Life“. Die Betroffenen sahen darin einen Angriff auf ihr Wertesystem und ihre Lebensgewohnheiten. Die Folge: Die ehemaligen Untertanen der vielen an sich durchaus heterogenen Herrschaftsgebiete solidarisierten sich, besannen sich auf das Gemeinsame, und das war die katholische Konfessionszugehörigkeit. Unterstützt wurde dies organisatorisch noch durch die Gründung eines eigenen württembergischen Bistums mit Sitz in Rottenburg (1821).

So konnte sich – gegen die neuen Herren in Stuttgart – eine neue gemeinsame oberschwäbische Identität bilden. Als dieser neue Regionalismus in Gestalt der Zentrumspartei sich politisierte, wurde die Stimme für das Zentrum bei Wahlen zugleich ein Bekenntnis zu Religion und Region. Von diesem Erbe hat die CDU bis heute zu profitieren vermocht. Auch hierauf beruht ihre strukturelle Mehrheit in Baden-Württemberg.

Die Entstehung von Oberschwaben als Region, mit eigener Identität, hat eine sich mit der Zeit überlagernde württembergische Identitätsbildung nicht verhindern können – die Überlagerung als typisches Phänomen und als typischer Prozess in der Identitätsbildung, einmal gesamtstaatlich-württembergisch ausgerichtet, einmal regional bestimmt. Damit war die einheitliche „Suevia superior“ durchbrochen, Oberschwaben im heutigen Sinne hatte sein Profil gewonnen.