Landeskunde Baden-Württemberg

 
Konfessionelles Brauchtum: Blutritt in Weingarten 1972. Foto: LMZ Baden-Württemberg, Hans Steinhorst

Der Blutritt zeigt Oberschwabens Identität

Zusammengefasst zeigt der Blutritt die prägende Macht von Kirche und Bauerntum für Oberschwabens Identität. Der Adel als weiterer grundlegender Bestandteil Oberschwabens ist, wie sich am Blutritt zeigt, eher ein Randphänomen, wenngleich ein einflussreiches, ja mächtiges. Der Adel reitet nicht mit, bekommt aber einen privilegierten Platz: Seine Mitglieder sitzen am Blutfreitag allenfalls im Chorgestühl des Weingartner Münsters, wie andere Honoratioren auch, auf der Tribüne, jedoch kaum auf dem Balkon des Rathauses.

Oberschwaben ist der Prägung nach nicht nur ein katholisches Bauernland. Oberschwaben ist auch ein Städteland, mit einer Fülle ehemaliger Reichsstädte. Sie sind beim Blutritt außen vor. Städte haben andere Feste, über die sie sich definieren, ihre Identität pflegen: so das Biberacher Schützenfest (der „Schützen“) oder das Ravensburger Rutenfest. Auch hier finden Umzüge statt, die die Stadtgeschichte legitimatorisch präsentieren.