Landeskunde Baden-Württemberg

 

Kontrastbilder durch Vereinigung

Ganz sicher handelt es sich bei der einseitigen Zuweisung übertriebener Sparsamkeit an die Schwaben um ein Klischee, aber ebenso sicher ist "etwas dran" - wie bei den meisten Klischees. Ein gewisser Unterschied zwischen Badenern und Württembergern in diesem Punkt lässt sich weniger entlang der Grenze festmachen, wo ja ähnliche klimatische und wirtschaftliche Beziehungen herrschten. Aber es lässt sich ein Gegensatz konstatieren zwischen dem kargen, auf jeden Grashalm angewiesenen Leben im Altwürttembergischen und den großzügigeren Möglichkeiten vor alle in der Rheinebene. Und für das alte Württemberg kann auch die puritanische Gesinnung herangezogen werden, die den Bürgern und Bauern über ein strenges Kirchenregiment eingepflanzt wurde.

Der Unterschied hängt also eigentlich an größeren Teilregionen der alten Länder, und man wird unterstellen dürfen, dass sie sich inzwischen abgeschliffen hat durch neue Wirtrschaftsstrukturen, durch die verbreitete Konsumhaltung und auch durch den Zuzug von Menschen aus anderen Landschaften und Nationen. Trotzdem aber werden immer wieder munter kontrastive Charakterologien entworfen. Die Schwaben sind dann meistens eng und streng in ihrer Gesinnung, abweisend und mürrisch in ihrem Verhalten, die Badener offen und heiter, umgänglich und freundlich. Manchmal werden Beweise angeführt wie die ungleiche Verteilung von kulinarischen Auszeichnungen - aber ein nüchterner Blick wird überwiegend Gemeinsamkeiten entdecken. Nur: Dieser nüchterne Blick scheint nicht gefragt, sondern das einprägsame Kontrastbild. Und zwar nicht trotz der Vereinigung der Länder, sondern eher wegen dieser Vereinigung.