Landeskunde Baden-Württemberg

 

Sprüche, Lieder, Witze - Formen der Auseinandersetzung

Ein Schwabenlied mit vergleichbaren antibadischen Varianten gibt es bezeichnenderweise nicht. Allerdings wird manchmal – nicht in Fußballstadien, aber bei feierlichen Anlässen und vor allem in locker gehobener Stimmung – Preisend mit viel schönen Reden als traditionelles Bekenntnis zu Württemberg angestimmt. Und da es auch ein Hohenzollernlied gibt, war das in den 1980er-Jahren von Regierungsmitgliedern und den Rundfunkanstalten betriebene Unterfangen, eine Art Landeshymne zu kreieren, von vornherein zum Scheitern verurteilt, ganz abgesehen davon, dass der Wettbewerb zwar viele, aber nur dürftige Einsendungen brachte.

Zur Aktivierung des Schwabenspotts braucht es aber nicht unbedingt große Szenerien. Wenn Badener an benachbarten Wirtshaustischen schwäbische Töne hören oder auch wenn nur irgendwie die Rede auf die östlichen Nachbarn kommt, kann das ein Anlass für eine lange Sequenz von Schwabenwitzen sein, die – manchmal feinsinnig, aber meistens eher grob – den Schwaben allerlei Mängel andichten. Die so attackierten Schwaben haben zwar auch manchen Gegenspott parat; aber wiederum ist festzuhalten, dass es die entsprechende Parallele, also Badenerwitze, als feste Bezeichnung und als regelrechte Erzählgattung nicht gibt.

Sprüche, Lieder, Witze – das sind ausgeprägte Formen der Auseinandersetzung. Aber auch hinter ganz unauffälligen Äußerungen kann eine Tendenz zur Abgrenzung stehen. In den alemannischen Mundarten ist die Verkleinerungssilbe „-li“, in den schwäbischen „-le“; und es gibt eine Übergangszone, in der man beides hören kann. Dies war im Umkreis von Villingen-Schwenningen der Fall.

Nach der Vereinigung, die dort ja unmittelbar die beiden Städte betraf, beobachtete man eine präzisere Trennung: In Villingen galt nun fast uneingeschränkt das „-li“. Und bei einer Dialektuntersuchung im nördlichen Schwarzwald stellte man fest, dass sich Dialektgrenzen, die früher unabhängig von der Landesgrenze verlaufen waren, jetzt mit dieser decken. Im alltäglichen Reden wird also eine Abgrenzung vorgenommen, die es vorher so nicht gab.