Landeskunde Baden-Württemberg

 

Eugen Bolz (1881-1945)

Bild: LMZ

Als konsequenter Gegner des NS-Regimes, langjähriger Landtagsabgeordneter und letzter württembergischer Staatspräsident vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten gehörte Eugen Bolz zu den prägenden Persönlichkeiten der südwestdeutschen Landespolitik zwischen den Weltkriegen. Er war Mitglied der Zentrumspartei, trat für christlich-humanistische Werte ein und war in maßgeblicher Weise an der landesbezogenen Stabilisierung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im Nachfeld des Ersten Weltkrieges beteiligt. Als Doppelmandatar war er zudem Mitglied des Reichstags und auch über die württembergischen Landesgrenzen hinaus engagiert.

Eugen Anton Bolz wurde am 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen, Berlin und Bonn engagierte er sich in der Zentrumspartei und wurde als Abgeordneter in den württembergischen Landtag und den Reichstag gewählt. In der Zeit der Weimarer Republik war er zunächst als württembergischer Justizminister und danach zehn Jahre lang als Innenminister tätig. 1928 wurde er schließlich zum Staatspräsidenten Württembergs gewählt. In dieser Funktion weihte er im Jahre 1930 das neu erbaute „Haus auf der Alb“ in Urach ein, das heute Tagungszentrum der Landeszentrale für politische Bildung ist.

Ablehnung des Nationalsozialismus


Aufgrund seiner offenen Ablehnung der NSDAP avancierte er in der Folgezeit zu einem der landesinternen Hauptgegner der nationalsozialistischen Bewegung. Wenige Wochen nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurde er im März 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten aus seinem Amt gedrängt. Kurz darauf folgte er – trotz offen dargelegter Gewissenskonflikte – dem Fraktionszwang der Zentrumsfraktion und stimmte dem Ermächtigungsgesetz im Reichstag zu. Aufgrund seiner öffentlichen Ablehnung des neuen Regimes wurde er noch im selben Jahr festgenommen und mehrere Wochen lang inhaftiert.

Nach seiner Entlassung zog er sich anfangs zurück, kam aber bald mit dem Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler in Kontakt und engagierte sich aktiv an den Planungen für einen Umsturz. Kurze Zeit nach dem gescheiterten Attentatsversuch vom 20. Juli 1944 wurde Bolz erneut verhaftet und noch Ende des Jahres zum Tode verurteilt. Am 23. Januar 1945 wurde er in einem Berliner Zuchthaus hingerichtet.


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