Landeskunde Baden-Württemberg

 

Landtag beschließt Bauzuschuss für Lernort auf Areal des ehemaligen badischen KZ Kislau

Kislau Außengelände
Zeichnung: LZW, Katja Reichert

Der Verein „Lernort Zivilcourage und Widerstand“ ist bei angestrebter Co-Finanzierung weiterhin mit Überzeugungsarbeit gefordert. Auch die Region muss Farbe bekennen.

Stefan Jehle

Der Verein „Lernort Zivilcourage & Widerstand“ ist seinem Ziel, auf dem Areal des ehemaligen badischen Konzentrationslagers Kislau (Bad Schönborn) im Norden des ehemaligen Landes Baden eine Lern- und Gedenkstätte zu errichten, einen Schritt näher gekommen. Die Fraktionen der Parteien Grüne, CDU, SPD und FDP im Landtag haben sich darauf geeinigt, das Projekt im Doppelhaushalt 2020/21 des Landes zu unterstützen. Allerdings fordern die Haushaltspolitiker eine Co-Finanzierung des Vorhabens aus der Region heraus.

Die Entscheidung im Finanzausschuss bestätigte auf Anfrage eine Sprecherin der Grünen. Der Bruchsaler Landtagsabgeordnete Uli Hockenberger (CDU) sieht in der Entscheidung „eine Anerkennung des Landes für die engagierten Bemühungen des Vereins“. Die tatsächliche Höhe der Landesmittel für den Bau wird sich allerdings nun daran bemessen, welche Summen bei Dritten eingeworben werden können. Damit bleibt der Landtag deutlich hinter dem Antrag des gemeinnützigen Trägervereins „Lernort Zivilcourage & Widerstand“ (LZW), der seinen Sitz in Karlsruhe hat, zurück.

Bereits 2016 hatte der Verein einen Architektenwettbewerb ausgelobt. In der Jury damals saß auch der Bürgermeister von Bad Schönborn. Das erarbeitete Konzept sieht die Schaffung von Räumen vor, in denen Vermittlungsarbeit für Schulklassen und Gruppen erfolgen soll. Der Verein LZW hatte ursprünglich ein Neubau-Projekt für drei Millionen Euro konzipiert, anschließend dann aber eine etwas abgespeckte Variante für 1,5 Millionen Euro ins Spiel gebracht. Für einen Neubau würde das Land ein Grundstück vor den Toren des Schlossgebäudes zur Verfügung stellen.
Nach langen Diskussionen haben nun die Abgeordneten der vier Fraktionen beschlossen, das angestrebte Bauprojekt mit einer Investition von bis zu 750000 Euro zu bezuschussen. Damit kann nun eine im vergangenen Sommer präsentierte kleinere, abgespeckte Lösung realisiert werden. Mit seiner Entscheidung dokumentiere der Landtag „immerhin den Willen, Verantwortung für diese wichtige historische Stätte zu übernehmen, und eröffnet eine Chance, in Kislau keinen bloßen ‚Gedenkpoint‘ zu schaffen“, teilen Vorstand und Geschäftsstelle des Karlsruher Vereins jetzt mit. Das eröffne die Möglichkeit für „einen zeitgemäßen Lernort, an dem die Vermittlung badischer Demokratie- und Diktaturgeschichte der Jahre 1918 bis 1945 mit einem Wertedialog verknüpft wird“. Bis dahin sei es freilich dann noch ein weiter Weg.

Die Auszahlung der Summe aus dem Landeshaushalt wird an die Bedingung geknüpft, dass von den Kommunen und Landkreisen rund um Kislau nochmals dieselbe Summe aufgebracht wird. Erst dann sollen auch die bereitgestellten Landesmittel fließen. Der Landtagsbeschluss stellt den Verein vor die schwierige Aufgabe, allein für den Bau Komplementärmittel im hohen sechsstelligen Bereich einzuwerben. Hinzu kommen Mittel für Innenausstattung. Der Abgeordnete Hockenberger würde es begrüßen, „wenn die Raumschaft und Region jetzt ebenfalls verbindlich finanzielle Unterstützung zusagen würden, damit das Vorhaben realisiert werden kann“, wie er mitteilt. 

Anders als im Fall des Ende 2018 in Stuttgart eröffneten Geschichtsorts Hotel Silber oder des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg in Ulm gibt es mit Blick auf Kislau als dem einzigen badischen Konzentrationslager nicht nur einen einzigen kommunalen Ansprechpartner. Seit dem Jahr 2017 wird der in Karlsruhe ansässige Verein „Lernort Zivilcourage & Widerstand“ auch institutionell gefördert, mit einem fixen jährlichen Betrag. Die Einigung der vier Fraktionen, die sich im November abzeichnete, wurde als gemeinsamer Antrag in den Finanzausschuss des Landtags eingebracht.

Mit der jetzt für das Bauvorhaben beschlossenen Co-Finanzierung wird noch weitere Überzeugungsarbeit notwendig sein. Auch die Region muss nun Farbe bekennen. Mit einem öffentlichen Aufruf hatten sich zuletzt auch eine Gruppe von Historikern, sowie Gedenkstätten- und Museumsfachleuten, an die Fraktionen gewandt um die Schaffung von Räumlichkeiten für den Lernort Kislau zu ermöglichen. Die Schaffung ortsnaher und ‚niederschwelliger‘ historisch-politischer Bildungsangebote sei heute wichtiger denn je nach 1945 – und gerade auch der Lernort Kislau könne „einen relevanten Beitrag zur Demokratievermittlung liefern und dabei Strahlkraft in die ganze Region entfalten“, heißt es von Seiten des Vereins „LZW“.

 

Kislau

 

In dem ehemaligen Schloss Kislau befand sich von 1933 bis 1939 das einzige badische Konzentrationslager. Seit 1948 ist in Kislau, das zu Bad Schönborn (Kreis Karlsruhe) gehört, eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal untergebracht – als einer von den nur zwei JVA’s im Land, die – neben der JVA Ulm – seit 1997 ausschließlich mit dem offenen Vollzug arbeiten (Eine offene Justizvollzugsanstalt ist die JVA Ulm mit 150 Haftplätzen im offenen Vollzug und die Außenstelle Kislau der Justizvollzugsanstalt Bruchsal mit 169 Haftplätzen).

Der Verein LZW im Netz: link

Sein Geschichtsportal: link

Info zur Auslobung Architektenwettbewerb 2016: link