Landeskunde Baden-Württemberg

 

Unterzeichnung in Karlsruhe

Vereinbarung zum Gedenken an deportierte Juden. Drei Bundesländer wollen künftig gemeinsam Gräberpflege in Südfrankreich leisten.

Gräber in Gurs
Foto: Friedensrat Markgräflerland

 Stefan Jehle

Das einstige Lager Gurs in den französischen Pyrenäen steht stellvertretend für viele der Gräueltaten in der Zeit der NS-Diktatur. Ende Oktober 1940 wurden in einer konzertierten Aktion mehr als 6600 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet dorthin verschleppt. Seit 1963 besteht in Gurs ein Gedenkfriedhof mit 1073 Gräbern. Um diese Gedenkstätte, und weitere etwa 1000 Gräber im Süden von Frankreich, wollen sich künftig drei Bundesländer gemeinsam kümmern.

Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland unterzeichneten Anfang September im Karlsruher Rathaus einen entsprechenden Vertrag. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann begrüßte die Vereinbarung. Dies sei wichtig in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder an Präsenz in der Gesellschaft gewinne. Das Kuratorium zur Grabmalpflege soll in Stuttgart angesiedelt werden und mit Haushaltsmitteln aus den drei Bundesländern ausgestattet werden. Allein Baden-Württemberg beteiligt sich mit 120.000 Euro im Jahr.

Die Vereinbarung trägt den Titel "Gedenken an die nach Frankreich deportierten Juden". Die Erinnerungsarbeit solle auch für künftige Generationen sichergestellt werden. Angestrebt werde, sagte der Rheinland-pfälzische Kultusminister Konrad Wolf, auch eine noch engere Kooperation der Jugendbildungsarbeit. Dafür sei es wichtig "an authentischen Orten" zu gedenken. 

Besatzungszonen in Frankreich während des 2. Weltkriegs
Besatzungszonen in Frankreich während des 2. Weltkriegs
Karte: Eric Gaba, CC BY-SA 4.0, Wikimedia

Der 1963 eröffnete Gedenkfriedhof auf dem einstigen Lagergelände von Gurs ist auf eine Initiative der Stadt Karlsruhe und des damaligen Nachkriegs-Oberbürgermeisters Günther Klotz zurückzuführen. Andere badische Großstädte schlossen sich später an. Mittlerweile kümmern sich 16 badische Städte und pfälzische Gebietskörperschaften um die Gedenkstätte.

"Die Versorgung des Friedhofs im südfranzösischen Gurs ist in den vergangenen Jahrzehnten auf kommunaler Basis erfolgt und teils nur mit Ach und Krach möglich gewesen", hatte Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Unterzeichnung der Vereinbarung wissen lassen. Er ist stellvertretend für die Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs beteiligt.

Gurs, Foto: Friedensrat Markgräflerland
Barackenfeld auf dem Lagergelände von Gurs
Barackenfeld auf dem Lagergelände von Gurs
Foto: Stadt Karlsruhe

Mit der jetzt getroffenen Drei-Länder-Vereinbarung, bei deren Unterzeichnung in Karlsruhe auch der deutsche Botschafter in Paris, Nikolaus Meyer-Landrut, zugegen war, sollen auch weitere Grabstätten auf über 30 Friedhöfen in Südfrankreich - von Bordeaux bis Perpignan - gepflegt und erhalten werden. Aktuell wird beispielsweise auf dem kommunalen Friedhof von Portet-sur-Garonne, südlich von Toulouse, am Erhalt von 246 Gräbern gearbeitet - diese werden neu gestaltet und mit hochwertigen Granitplatten versehen.

Karlsruhes Rathauschef Frank Mentrup kündigte die Errichtung eines neuen Dokumentations-Zentrums in Gurs an. Das werde aber wohl 2020 noch nicht fertiggestellt werden können. Hans-Christian Jasch von der Berliner Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannseekonferenz", berichtete zudem von einer Wanderausstellung zum 80.Jahrestag der Deportationen nach Gurs, die ab Oktober 2020 gezeigt werden soll. Viele der Deportierten starben dort oder in weiteren Lagern. Wer die Strapazen zunächst überlebte, wurde später in Vernichtungslager gebracht.

Gräberfeld in Noé
Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
Gräber in Perpignan
Gräber in Perpignan
Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
Gräber in Portet-sur-Garonn
Gräber in Portet-sur-Garonne
Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
 

Drei der weiteren Friedhöfe, beispielhaft:

  • Noé - südlich von Toulouse, im Département Haute-Garonne
  • Portet-sur-Garonne - südlich von Toulouse, im Département Haute-Garonne
  • Perpignan - Stadt nahe der Mittelmeerküste und der Grenze zu Spanien.