Landeskunde Baden-Württemberg

 

Der Zweite Weltkrieg im Südwesten

Aufräumarbeiten nach Bombenangriff auf Stuttgart 1943. Foto: LMZ Baden-Württemberg
Aufräumarbeiten nach Bombenangriff auf Stuttgart 1943. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Die Wehrmacht war 1939 und 1940 von Sieg zu Sieg geeilt und hatte sogar den „unbezwingbaren Erzfeind“ Frankreich in nur sechs Wochen geschlagen. In diesem Siegestaumel erschien die militärische Leistungsfähigkeit unbegrenzt und auch ein aufgrund seiner territorialen Größe übermächtiger Gegner wie Sowjetrussland schien den Verantwortlichen militärisch besiegbar.

Elsass und Lothringen wurden nun zu besetzten Gebieten unter deutscher Verwaltung. Aufgrund der Grenznähe zu Baden wurde Robert Wagner zum Interimsverwalter des Elsass bestimmt. Seine „Kulturpolitik“ bestand aus einer Germanisierung des Elsass: Verbot der französischen Sprache, Namen mussten eingedeutscht werden, Klöster wurden geschlossen, viele Badener, vor allem Lehrer, wurden ins Elsass versetzt.

In Natzweiler wurde das Konzentrationslager Struthof Gefängnis vieler Süddeutscher und von noch mehr französischen Staatsbürgern. Auch die eigene Bevölkerung wurde nicht geschont. Im Elsass wohnende Deutsche, die 1918 nicht „Heim ins Reich“ kehren wollten, wurden ebenfalls interniert. Der Sieg im Frankreichfeldzug machte die militärische Führung blind und ließ sie irrational handeln: Die verlorene „Schlacht um England“ führte zu keinem Umdenken, sondern der Generalstab ging nun davon aus, dass England durch die ihm zugeführten Zerstörungen über kurz oder lang aus dem Krieg ausscheiden würde. Erst mit der Schlacht um Stalingrad und der damit verbundenen Einsicht, den Krieg gegen Sowjetrussland zu verlieren, änderte sich die Stimmung in der Bevölkerung. Gleichzeitig waren seit 1940 die Kriegsfolgen auch ins Deutsche Reich zurückgekehrt.

Die Luftangriffe der Alliierten zunächst auf badische Städte wie Karlsruhe und Mannheim, dann der sich aufgrund technischer Fortentwicklung („Radar“) ständig ausweitende Bombenkrieg trafen vor allem die zivile Bevölkerung. Bis 1943 hatte die starke Luftabwehr in Süddeutschland und Täuschungsmanöver wie die Scheinanlage des Stuttgarter Hauptbahnhofs in Lauffen am Neckar sowie der Nebel in den Flusstälern effektive Angriffe vermieden. Die Rüstungsindustrie war mittlerweile bombensicher in Eisenbahntunneln oder anderen sicheren Orten untergebracht worden, so dass sich die meisten Angriffe gegen die Infrastruktur wie Brücken, Straßen, Bahnhöfe und Eisenbahnlinien richteten. Württemberg wurde erst ab Mitte 1944 – als sich die Front nahe genug an die Reichsgrenzen verschoben hatte – verstärkt Ziel der alliierten Angriffe. Im Juli zerstörten Angriffe Stuttgart, besonders schwer sollte es Pforzheim und Heilbronn treffen. Hier sind die Opfer- und Zerstörungsraten durchaus mit denen in Hamburg oder Dresden zu vergleichen.

Der Krieg hatte aber bereits kurz nach dem Polenfeldzug sein wahres Gesicht gezeigt, als trotz aller Siegesmetaphorik schon die rigorose Bewirtschaftung von Lebensmitteln und anderer Güter des täglichen Bedarfs eingeführt wurden. Der Krieg war also schon sehr früh auf dem Tisch zu spüren. Hunger wie im Ersten Weltkrieg musste als Lehre aus dem Ersten Weltkrieg durch das Regime unbedingt vermieden werden, was auch größtenteils gelang. Gehungert wurde in Deutschland erst nach der Kapitulation.

Zerstörter Rondellplatz in Karlsruhe 1946. Foto: LMZ Baden-Württemberg
Zerstörter Rondellplatz in Karlsruhe 1946. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Nachdem die Wehrmacht in der Ardennenschlacht im Westen geschlagen worden war und im Osten die Rote Armee vorrückte, zeichnete sich das militärische Ende des Zweiten Weltkrieges auf europäischem Boden ab. In letzter Verzweiflung und Größenwahn organisierten die Gauleiter den „Volkssturm“. Alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren sollten sich dem „Feind“ entgegenstellen. Miserabel ausgerüstet und kaum ausgebildet war der „Volkssturm“ nur eines: Kanonenfutter für die heranrückenden alliierten Armeen. In diesen „letzten Tagen im April“ wurde in Stadt und Land heftig um das weitere Vorgehen gerungen. Die Funktionäre der NSDAP flüchteten vor der herannahenden Front. Durch die Ausführung des „Nerobefehls“, also das eigenhändige Zerstören wichtiger örtlicher Infrastruktur von Brücken und Straßen über die Wasserversorgung bis hin zu den Fabriken, sollte den Alliierten nach Vorstellungen Hitlers nur „verbrannte Erde“ bleiben. Vielerorts widersetzten sich Mutige diesem Befehl und bezahlten mit ihrem Leben: In Brettheim wurden der Bauer Friedrich Hanselmann, der die für den Volkssturm vorgesehenen Panzerfäuste im Dorfteich versenkte, zusammen mit dem Bürgermeister und dem Ortsgruppenleiter durch Max Simon, dem Kommandeur des XIII. SS-Armeekorps, standrechtlich erschossen. In Heilbronn ließ der Kreisleiter Roland Drauz diejenigen erschießen, die die weiße Flagge als Zeichen der Kapitulation hissten.

Die Besetzung Südwestdeutschlands

Vereinzelt leisteten Verbände der Wehrmacht und der Waffen-SS verbissen sinnlosen Widerstand: Besonders bekannt sind die Schlachten um Oedheim im Kochertal, um Waldenburg, der Kampf ums Bottwartal und die Schlacht um Crailsheim, das die schnell vorrückenden amerikanischen Truppen aufgrund der heftigen Verteidigung sogar für einige Tage aufgeben mussten, bis ausreichend Truppen nachgeführt waren. Nachdem die letzten deutschen Truppen in diesen Kämpfen aufgerieben waren, konnten die amerikanischen Truppen rasch ins restliche Württemberg vorstoßen. Bereits vier Tage nach der zweiten Schlacht um Crailsheim standen sie in Ulm. Aus Westen näherten sich die französischen Truppen: Anfang April waren Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg besetzt. Die Grenzlandlage machte eine Verteidigung Badens gegen die Alliierten fast unmöglich, weshalb es hier – bis auf die Stellungen im Schwarzwald – zu keinen nennenswerten Kämpfen kam.

Freiburg: kriegszerstörte Altstadt mit Münster Luftbild 1946. Foto: LMZ Baden-Württemberg
Freiburg: kriegszerstörte Altstadt mit Münster Luftbild 1946. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Nachdem die französischen Truppen Mühlacker eingenommen hatten, stellten sich ihnen – ähnlich wie bei den Amerikanern – deutsche Truppen (das 64. Armeekorps) im Nordwesten Württembergs entgegen. Nach einem dreiwöchigen Kampf ergaben sich die letzten deutschen Truppen. Der Schwarzwald war zu diesem Zeitpunkt besetzt. Nun stießen die Franzosen von Norden her nach Stuttgart vor und weiter über Tübingen nach Hohenzollern rasch nach Süden, wo sie Friedrichshafen als letzte württembergische Stadt am 27. April 1945 besetzten. Nach dem Selbstmord Hitlers im Führerbunker und der Besetzung ganz Deutschlands kapitulierte die deutsche Armeeführung am 8. Mai 1945 bedingungslos. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende.

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Besetzung Baden-Württembergs

 

Landkarte der militärischen Besetzung Baden-Württembergs 1945. Quelle: LMZ Baden-Württemberg

 

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Literaturhinweis

 

Abmayr, Hermann G.: Stuttgarter NS-Täter. Vom Mitläufer bis zum Massenmörder. Verlag Hermann Abmayr und Schmetterling-verlag, Stuttgart 2009. 384 Seiten. ISBN 978-3-89657-136-6. EUR 19,80.


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Geschichte der Landesministerien während der Nazizeit

 

Das Portal dokumentiert aktuell die Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts “Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus“. Die dafür eingesetzte Historikerkommission hat sich zum Ziel gesetzt, eine umfassende kulturgeschichtliche Aufarbeitung des Selbstverständnisses und der Handlungsprinzipien der damaligen Ministerialverwaltung sowie des Wechselverhältnisses zwischen Bürokratie und politischer Entscheidungsfindung vorzunehmen. Im Fokus der Recherchen stehen die Biographien der badischen und württembergischen Ministerialbeamten, die in unterschiedlichen Funktionen auch an der NS-Repressionspolitik beteiligt waren.

http://ns-ministerien-bw.de/