
- Foto: LMZ Baden-Württemberg
Strukturwandel und Wirtschaftssektoren
Dr. Reinhold Weber
Die Dienstleistungswirtschaft hat in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich zur wirtschaftlichen Leistung und vor allem zur Beschäftigung in Baden-Württemberg beigetragen. Inzwischen entfallen auf den Dienstleistungssektor deutlich über sechzig Prozent der Wertschöpfung und der Beschäftigung.
Im Zuge des Strukturwandels bewegt sich die sektorale Wirtschaftsstruktur Baden-Württembergs mehr und mehr auf eine Dreiteilung zwischen Industrie, unternehmensbezogenen Dienstleistern und personen- bzw. konsumorientierten Diensten hin. So trägt etwa der Bereich der überwiegend wissensintensiven und unternehmensnahen Dienstleistungen (Forschung und Entwicklung, DV-Dienste und Softwareentwicklung, Information und Kommunikation, Beratungsdienstleistungen, Ingenieur- und Architekturdienstleistungen, Werbung sowie Finanzdienstleistungen, Kreditwirtschaft, Versicherungen u. a.) mit über 28 Prozent beinahe ebensoviel zur Wertschöpfung im Land bei wie die Industrie (31 Prozent). Fast 34 Prozent steuern die überwiegend personen- und konsumorientierten Dienste bei (v. a. Handel, Verkehrsdienstleistungen, Gastgewerbe, Freizeitwirtschaft, Gesundheit, Kultur, Bildung u. a.).
Dennoch liegen – auch historisch bedingt – die Anteile von Wertschöpfung und Beschäftigung im Dienstleistungsbereich niedriger als im Bundesdurchschnitt. Die kleinräumig-dezentrale Struktur im Südwesten mit seinen kleingewerblich- handwerklichen Traditionen bot zwar günstige Voraussetzungen für die Entwicklung hochspezialisierter Industriebetriebe, jedoch nur mäßige Erfolgschancen für große Dienstleistungsunternehmen.
Technische Dienstleistungen dagegen sind in Baden Württemberg überdurchschnittlich repräsentiert. Die gewachsene Wirtschaftsstruktur mit ihrem technischen Schwerpunkt setzt sich also auch im Dienstleistungsbereich durch.
Das Leistungsniveau der hiesigen Wirtschaft ist weiterhin hoch. Im Vergleich der deutschen Länder untereinander nimmt Baden-Württemberg eine Spitzenposition ein mit
- einem überdurchschnittlich hohen Pro-Kopf-Einkommen;
- einem hohen Lohnniveau;
- einer günstigen Beschäftigungsentwicklung;
- einer vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenquote;
- einer überdurchschnittlichen Entwicklung der Produktivität und einem hohen Tempo technologischer Innovation;
- einer starken Ausrichtung auf den Weltmarkt, die sich in einer hohen Exportquote und in einem hohen Unternehmensvermögen im Ausland niederschlägt;
- einer hohen Finanzkraft und damit einem hohen Geberanteil im horizontalen Länderfinanzausgleich.
Ministerium für Finanzen und Wirtschaft

Minister: Dr. Nils Schmid
Ministerium für Finanzen und Wirtschaft
