Landeskunde Baden-Württemberg

 

Die Entwicklung von Landwirtschaft, Handel und Gewerbe im Großherzogtum Baden

Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla Foto: LMZ Baden-Württemberg

Die Situation im neu gegründeten Großherzogtum unterschied sich im Wesentlichen kaum von der Entwicklung in Württemberg. Auch in Baden hungerten 1816 die Menschen, die Obrigkeit versuchte die Landwirtschaft in den folgenden Jahren ertragreicher zu machen, dabei profitierte Baden vor allem von den im Süden hinzugekommenen Territorien, die qualitativ hochwertigen Weinbau erlaubten und in den folgenden Jahren von den Großherzögen gefördert wurden, um mehr Wein anzubauen und in die Nachbarländer exportieren zu können.

Wie Württemberg setzte auch Baden auf Industrieförderung durch den Auf- und Ausbau der Infrastruktur. Insbesondere die Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla ermöglichte die Nutzung des Rheins als neue Wasserstraße, die Baden als Ganzes durchzog und Transporte von stapelfähigem oder schüttbaren Gut über weite Strecken erlaubte. Auch die Eisenbahn wurde - nachdem ihr Wert erkannt worden war - von Mannheim nach Basel ausgebaut. 


Rheinbegradigung und Eisenbahnbau waren die großen badischen Infrastrukturprojekte des 19. Jahrhunderts. So wie die Eisenbahn in Württemberg die entstehenden Industriezentren verband, so wurde auch in Baden der industrialisierte Norden - die Kurpfalz mit Mannheim - mit dem Süden verbunden.

Als ausgesprochen hilfreich erwies sich der Deutsche Zollverein von 1848. Die schweizerischen und französischen Unternehmen in unmittelbarer Grenznähe zu Baden mussten mit dem Beitritt Badens zum Zollverein Zölle bezahlen. Um diese zu umgehen, gründete vor allem die lukrative Tuchindustrie zahlreiche Niederlassungen in Baden. Diese Gründungen führten zu einem lang anhaltenden und dauernden wirtschaftlichen Aufschwung. Neben der Textilindustrie machte auch die Schwerindustrie von sich reden, die Maschinenfabrik Ettlingen war das Unternehmen für den Eisenbahnbau. 

Den übergroßen Anteil des Handels und des Gewerbes bildeten aber die Handwerksbetriebe und Manufakturen, die sich zunehmend entwickelten, neue Techniken nutzten und langsam, aber stetig wuchsen.

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Erste Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Offenburg Foto: LMZ Baden-Württemberg

 

Literaturhinweis

 

Hans-Peter Becht: Badischer Parlamentarismus 1819 bis 1870. Ein deutsches Parlament zwischen Reform und Revolution. Droste Verlag, Düsseldorf 2009. 934 Seiten. ISBN 978-3-7700-5297-4. EUR 98.-

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