Landeskunde Baden-Württemberg

 
Blutritt in Weingarten 1972. Foto: LMZ Baden-Württemberg, Hans Steinhorst

Der Weingartener Blutritt

Was Oberschwaben ausmacht

Hans-Georg Wehling

Alljährlich, am Freitag nach Christi Himmelfahrt, dem „Blutfreitag“, findet im oberschwäbischen Weingarten der Blutritt statt. Von einem Priester wird eine kostbar gefasste Reliquie aus dem Kloster Weingarten durch die Fluren der Stadt getragen: die Blutreliquie, die der Tradition nach vom Boden Golgathas stammt, der nach dem Lanzenstich des Longinus mit Christi Blut getränkt war. Sie kam im Jahr 1094 aus Mantua an das 1056 gegründete welfische Hauskloster.

Weingarten wurde damit zum Wallfahrtsort. Wohl erst im 15. Jahrhundert entwickelte sich daraus, parallel zur Fußwallfahrt, der Blutritt. Damit besteht er wohl seit mehr als 500 Jahren. Tausende von Reitern – in den letzten Jahren um die 3000 – nehmen daran teil. Selbst wenn der Blutritt verboten war oder nicht stattfinden konnte, riss die Tradition nicht ab. Inoffiziell vollzogen dann vielfach kleine Reitergruppen den Blutritt.

Wie ist dieser Blutritt einzuordnen? Welche Funktionen erfüllt er? Und was sagt er über die ihn tragende Region, über Oberschwaben aus?