Landeskunde Baden-Württemberg

 

Bunter Fleckenteppich:

Ein vom Schwarzwald-Verein errichtetes Schild erinnert an die historische Grenze zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden auf einer Höhe bei Wolfach im Schwarzwald. Foto: Entwürfe für württembergische Grenzpfähle, Wegweiser und Ortstafeln 1863

Die Herrschaftsverhältnisse

Das nach Fläche und Bevölkerung größte Land in diesem bunten Fleckenteppich war das Herzogtum Württemberg mit etwa 650 000 Einwohnern. Aber auch dieses war keineswegs ein abgerundetes Territorium. Es besaß reichlich Ex- und Enklaven, war von anderen Herrschaften durchlöchert, bildete ein zusammengesetztes Konglomerat verschiedenster Rechtstitel. Gleichwohl verfügte es im Vergleich mit den anderen über die größte innere und räumliche Geschlossenheit.

An zweiter Stelle, gerechnet nach Fläche und Menschen, folgten die Besitzungen des Hauses Österreich, die von der Donau bis zum Rhein reichten und von immerhin 400 000 Menschen bewohnt wurden. Zu ihnen gehörten neben den Donaustädten Riedlingen, Munderkingen, Saulgau, Ehingen und Mengen unter anderem die Grafschaft Tettnang sowie die Grafschaft Hohenberg mit den Städten Rottenburg und Horb, die Landgrafschaft Nellenburg, die vier Waldstädte am Hochrhein, Waldshut, Laufenburg, Säckingen und Rheinfelden, die Landvogtei Ortenau, die Herrschaft Hauenstein und ein Großteils des Breisgaus mit den Städten Freiburg, Kenzingen, Villingen und Triberg.

Die Markgrafschaft Baden, 1533 in die Linien Baden-Baden und Baden-Durlach geteilt, bestand selbst noch nach ihrer 1771 erfolgten Wiedervereinigung aus mehreren weit auseinander liegenden Gebietskomplexen. Sie war nicht einmal halb so groß wie Württemberg, hatte lediglich rund 250 000 Einwohner, weniger als die flächenmäßig kleinere Kurpfalz, in der man 1775 immerhin 275 000 Einwohner gezählt hatte. Dem Rang nach folgten diesen vier „Großen“ die hochadligen Territorialherrschaften, aus deren Reihe die Fürsten von Fürstenberg mit ihrer Residenz Donaueschingen herausragten, oder die Reichserbtruchsessen von Waldburg. Zu den Fürsten zählten noch – recht unbedeutend und kleinflächig – die seit 1623 in den Fürstenstand erhobenen Grafen von Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen, die jeweils über gerade mal zwischen 10 000 und 15 000 Untertanen geboten.

Um das Bild des bunten Fleckenteppichs der Territorialherrschaften im deutschen Südwesten abzurunden, muss man noch an rund 50 geistliche Staaten erinnern, an fast 30 Reichsstädte, darunter so stattliche wie Ulm mit mehreren Herrschaften und ganz kleine, nur wenige hundert Seelen zählende wie etwa Buchau. Hinzu kamen noch hunderte von kleinen Ritterschaften. Beteiligt waren zudem die Hochstifte Basel, Straßburg, Speyer, Konstanz.

 

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