
- Foto: Landtag von Baden-Württemberg
Landtagswahlen 1952 bis 2006
Die Flash-Animation zu den Landtagswahlen von 1952 bis 2006 gibt Ihnen einen Überblick über die Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Mit einem Klick auf die Jahreszahl in der Scala öffnen sich die jeweiligen Ergebnisse der Landtagswahl des betreffenden Jahres. Mit der Auswahl einer Partei oder dem dazugehörigen Farbbalken wird die Parteientwicklung der jeweiligen Partei von 1952 bis 2006 angezeigt.
Wahlen in Baden-Württemberg seit 1952
Bereits bei der ersten Landtagswahl 1952 konnte die CDU die meisten Stimmen auf sich vereinigen und hat die Rolle als stärkste Partei Baden-Württembergs seither nicht mehr abgegeben. Zwanzig Jahre lang (1972-1992) hatte die CDU außerdem die Mehrheit der Landtagsmandate und konnte allein regieren, zwölf Jahre davon (1972-1984) erhielt sie sogar die absolute Mehrheit. Nach einer großen Koalition mit der SPD regiert die CDU nun seit 1996 mit der FDP/DVP-Fraktion. Bei der Wahl 2006 verpasste die CDU die absolute Mehrheit nur knapp.
Die SPD ist die zweitstärkste Partei im Land. Bisher lag sie allerdings bei allen Landtagswahlen deutlich hinter der CDU. Ihr bestes Ergebnis erreichten die Sozialdemokraten 1972 mit 37,6 %. Seit dem nahmen ihre Stimmenanteile kontinuierlich ab, bis auf die Wahl 2001, bei der sie 33,3 % der Stimmen erhielten. Doch konnten die Sozialdemokraten diesen Aufwärtstrend bei der Landtagswahl 2006 nicht fortführen.
Die Liberalen, die mit Reinhold Maier 1952/53 den ersten Ministerpräsidenten Baden-Württembergs gestellt haben, verfügen im Südwesten traditionell über eine starke Position. Allerdings verloren sie mit den Jahren regelmäßig Wählerstimmen und waren bei den Wahlen 1988 und 1992 mit 5,9 % sogar nahe an der 5%-Hürde. Seit Mitte der 90er Jahre konnten sie ihre Position kontinuierlich wieder verbessern. 2001 eroberten sie sogar kurzfristig die Rolle der dritten Kraft im Land von den Grünen zurück. Bei der Landtagswahl 2006 waren sie zwar wieder nur viert stärkste Kraft, erreichten dafür aber zum ersten Mal seit 1968 ein zweistelliges Ergebnis (10,7 %). Den Grünen gelang schon bei ihrer ersten Kandidatur 1980 der Einzug in den Landtag. Nur vier Jahre später wurden sie drittstärkste Kraft im Landtag. Ihr bislang bestes Ergebnis erreichten sie mit 12,1% 1996. Bei der Wahl 2006 schafften sie wieder ein zweistelliges Ergebnis und eroberten außerdem die Position der dritten Kraft von den Liberalen zurück. Von 1992 bis 2001 waren die Republikaner im Landtag vertreten.
Seit 1974 können die Wählerinnen und Wähler auch im Rahmen einer Volksabstimmung Einfluss auf die Landespolitik nehmen - z.B. um die vorzeitige Auflösung des Landtags zu erreichen. Dennoch ist und bleibt die - seit 1996 - alle fünf Jahre stattfindende Landtagswahl das klassische Element der demokratischen Willensbildung. Bis 1992 fanden Landtagswahlen alle vier Jahre statt.
In Artikel 27 der Landesverfassung heißt es: "Der Landtag ist die gewählte Vertretung des Volkes". Jeder Abgeordnete ist also Vertreter des ganzen Volkes, er ist nicht an Weisungen gebunden und nur seinem Gewissen verpflichtet.
Wahlbeteiligung

- Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 7/2010
Die Wahlbeteiligung bei Landtagswahlen lag in Baden-Württemberg schon immer erheblich unter der bei Bundestagswahlen. So nahmen an den Bundestagswahlen seit 1949 im Durchschnitt gut 82 % der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger teil, während es bei den Wahlen zum Landtag seit 1952 nur rund 68 % waren. Seit der Landtagswahl 1972, bei der ein Wahlbeteiligungsrekord von 80 % erreicht wurde, ist die Beteiligung an Landtagswahlen in der Tendenz rückläufig. Ein historischer Tiefpunkt wurde bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2006 erreicht. Nur 53,4 % der Wahlberechtigten beteiligten sich an der Wahl. Damit war die Beteiligungsquote im Vergleich zur Landtagswahl 2001 um 9,2 % gesunken. Die bis dahin geringste Wahlbeteiligung hatte es bei der Landtagswahl 1960 mit 59,0 % gegeben. Die niedrige Wahlbeteiligung bei Landtagswahlen ist allerdings kein spezifisch baden-württembergisches Phänomen, auch bei Landtagswahlen in anderen Bundesländern ist die Wahlbeteiligung häufig gering.
Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg lassen sich allerdings deutlich Differenzen bezüglich der Wahlbeteiligung in den verschiedenen Wahlkreisen feststellen. So ist die Wahlbeteiligung in Gebieten mit hoher Kaufkraft vergleichsweise hoch. Ähnliches gilt für Wahlkreise, in denen überdurchschnittlich viele Protestanten oder Akademiker leben oder die Erwerbslosigkeit niedrig ist. Eine deutliche Abhängigkeit zeigt sich auch zwischen der Wahlbeteiligung und den Gemeindegrößen. Tendenziell gilt: Je größer die Gemeinde, desto geringer die Wahlbeteiligung.
Außerdem lassen sich Unterschiede im Wahlverhalten verschiedener Altersgruppen feststellen. Seit Jahren zeigt sich, dass die Wahlbeteiligung mit dem Alter zunimmt. So gaben bei der Landtagswahl 2006 lediglich rund 33 % der unter 30-Jährigen ihre Stimme ab, während es bei den 60-Jährigen und Älteren immerhin gut 60 % waren. Wegen dieses Trends und wegen der abnehmenden Zahl der jüngeren Wahlberechtigten nimmt die Möglichkeit zur politischen Einflussnahme der jüngeren Baden-Württemberger ab.
Wählerverhalten in Baden-Württemberg
Das Wahlverhalten wird unter anderem durch die politische Kultur eines Landes geprägt. Die politische Kultur in Baden-Württemberg weist einige Eigenheiten auf. So gilt besonders der württembergische Landesteil als traditionell organisationsfeindlich, also als ein Land, in dem persönliche Bindungen mehr zählen als straffe Organisation. Dazu kommt noch ein ausgeprägt religiöser Hintergrund. In einem solchen Land hat es eine Partei wie die SPD von vornherein schwer.
Außerdem besteht in Baden-Württemberg eine große Distanz zu allen gesellschaftlichen Umgestaltungsansprüchen. Das führte in der Vergangenheit zu einer anhaltenden Stärke der CDU und der Liberalen. Die Liberalen waren im „Ländle“ sogar lange Zeit eine Art Volkspartei, die immer auch "Kleine-Leute-Partei" war ("ebbes Bäck und ebbes Doktor") und zur CDU und SPD in Konkurrenz stand. Mit den Jahren sind die Liberalen allerdings schwächer geworden. Das alles trifft für den badischen Landesteil weniger zu, wo das Wahlverhalten eher "normal" erscheint.
Charakteristisch für das Parteiensystem Baden-Württembergs ist: Erstens eine seit Jahrzehnten bestehende Dominanz der CDU, zweitens eine traditionell überdurchschnittlich starke Stellung der Liberalen und drittens eine dementsprechend unterdurchschnittliche Bedeutung der SPD. Von den ersten anderthalb Jahren nach der Landesgründung abgesehen (1952/53), war die CDU mithin in allen Landesregierungen die führende Partei, die den Ministerpräsidenten stellte, 20 Jahre davon (1972-92) konnte sie allein regieren. Baden-Württemberg war aber auch der erste Flächenstaat, in dem die "Grünen" in den Landtag einziehen konnten: 1980; entsprechend der politischen Kultur des Landes ist Baden-Württemberg eine Hochburg der "Realos".
Doch auch innerhalb Baden-Württembergs gibt es in den verschiedenen Wahlkreisen deutliche Unterschiede im Wahlverhalten der Bürger. So ist in ländlichen Gebieten die CDU traditionell besonders erfolgreich, während in den urban geprägten Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte die SPD ihre besten Ergebnisse erzielt und die CDU eher unterdurchschnittlich abschneidet. In Wahlkreisen mit hohem Akademikeranteil erhalten die Grünen überdurchschnittlich viele Stimmen.
SPD und Grüne sind in Wahlkreisen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe besonders erfolgreich. In Wahlkreisen mit einem hohen Anteil Beschäftigter im produzierenden Gewerbe blieben die Grünen dagegen unter dem Landesdurchschnitt. Die Sozialdemokraten erhalten auch in Wahlkreisen mit hohen Erwerbslosenquoten überdurchschnittlich viele Stimmen, während die FDP in Wahlkreisen, in denen die Bevölkerung über eine hohe Kaufkraft verfügt, besonders erfolgreich ist.
Auch zwischen Wahlverhalten und Konfessionszugehörigkeit besteht ein Zusammenhang: So verzeichnet die CDU in Landtagswahlkreisen mit hohem Katholikenanteil weit überdurchschnittliche Wahlergebnisse, während in protestantischen geprägten Gebieten die FDP besonders erfolgreich ist. Das alles macht deutlich, dass auch in Baden-Württemberg das Wahlverhalten in besonderer Weise durch die Lebensumstände des jeweiligen Wählers beeinflusst wird.
(Quelle: BpB, Land Baden-Württemberg, In: Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik)
