Landeskunde Baden-Württemberg

 

Flüchtlingslager und Siedlungen

Stadtteil Waldstadt in Karlsruhe. Foto: S. Jehle.

Auch in Baden-Württemberg „ballen“ sich Flüchtlinge und Vertriebene in gemeinsamen Siedlungen – komplett neue Städte sind jedoch selten.

Was die Schlotwiese in Stuttgart-Zuffenhausen, und der nach dem Krieg in der Landeshauptstadt neu entstandene Stadtteil Rot – das sind im Odenwald das Dorf Hettingen, oder nördlich von Karlsruhe der Bad Schönborner Ortsteil Langenbrücken. Auch in Baden-Württemberg „ballen“ sich Flüchtlinge und Vertriebene in gemeinsamen Siedlungen – komplett neue Städte sind jedoch selten.

Anders wie etwa in Hessen, oder in Bayern: dort erinnern Namen neu entstandener Gemeinden wie Neugablonz (ein Stadtteil von Kaufbeuren), Neutraubling (östlich von Regensburg), Traunreut (am Chiemsee) oder das oberbayerische Waldkraiburg bis heute an die Folgen von Flucht und Vertreibung. Diese Städte würde es ohne diese Art von Kriegsfolgen ebenso wenig geben, wie Espelkamp, in Nordrhein-Westfalen, oder das hessische Trutzhain.

Schlotwiese

Stadtteil Zuffenhausen in Stuttgart. Foto: S. Jehle.

Selbst der in den 1950-er Jahren – mit Fokus auf die Wohnungsnot von Flüchtlingen und Vertriebenen – neu entstandene Karlsruher Stadtteil Waldstadt, ist nicht allein von diesem Typus Neubürger geprägt. Das über Jahre hin vermutlich größte dauerhaft angelegte Massenlager entstand im Südwesten auf der Schlotwiese – am südlichen Ortsrand des Stuttgarter Stadtteils Zuffenhausen. Heute ist davon nichts mehr zu sehen: geprägt ist das Naherholungsgebiet von dem weitläufigen Stadtpark, einem Ferienwaldheim und im Sommer vom Freibad Zuffenhausen – was 2016 freilich nicht daran hinderte, an dieser Stelle erneut über temporäre Zweckbauten für Flüchtlingsunterkünfte nachzudenken. Sogar ein Kreis „Flüchtlingsfreunde
Schlotwiese“ hatte sich neu gebildet. Das erinnerte manchen an die längst vergangenen Zeiten 1946/47 und der Folgejahre. Die Schlotwiese steht exemplarisch für die großen Massenlager dieser Zeit, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Entstehung des Stadtteils Rot. Quelle: BG Neues Heim.

Alt-Text

In dem Massenlager waren nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu 1500 aus ihrer Heimat vertriebene Donauschwaben untergebracht. Zeitzeugen, wie ein früherer Bezirksvorsteher von Zuffenhausen, sprechen von „entsetzlichen Zuständen“ („Schreckliche Zustände auf der Schlotwiese“, Vortrag mit Bericht in der Stuttgarter Zeitung, vom 13.11.2015). Zuvor hatten in den Baracken aus ihrer Heimat verschleppte russische Zwangsarbeiter hausen müssen. In den Kriegsjahren diente es zudem zeitweise als Barackenlager für Kriegsgefangene. Insgesamt 20 000 Russen waren während des Krieges in Stuttgart untergebracht, 13 000 davon allein in Zuffenhausen. Als diese ihre Unterkünfte verließen, galten diese Baracken als „abgewohnt“. Dann kamen die Heimatvertriebenen Deutschen dorthin. Vor dem Krieg lebten in Zuffenhausen 17 000 Menschen, direkt nach dem Krieg waren es 26 000, rund 20 Prozent davon als Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Evakuierte.

Stuttgart Stadtteil Rot. Foto: Stefan Jehle.

Nur wenige hundert Meter nordöstlich des alten Ortskerns von Zuffenhausen gab es bald schon erste Siedlungsaktivitäten: in dem später neu entstandenen Stadtteil Rot. Noch im Massenlager der Schlotwiese – in der „Tanz- und Versammlunghalle“ des Lagers – bereitete ein Gründungausschuss die Bildung einer Baugenossenschaft vor. Erster Vorsitzender des Aufsichtsrats wurde Bischof Franz Hein, 1901 geboren in der serbischen Batschka, in Kleinidjos (ungarisch Kishegyes), sein Stellvertreter der später bundesweit bekannte Herbert Czaja (beachte Anhang „Prominente Vertriebene“). Das war im November 1948. Mit den vom Finanzministerium des Landes Württemberg-Baden im Wege des Erbbaurechts überlassenen Grundstücken und Hilfen der Stadt Stuttgart war es möglich, am 1.Dezember 1949 die ersten 18 Wohnungen am Rotweg 58-62 zu beziehen. 1950 zählte man bereits 158 Mietwohnungen; die intensivste Bautätigkeit der Genossenschaft erfolgte zwischen 1951 und 1956.

Baugenossenschaft Neues Heim

Die als „Baugenossenschaft Neues Heim“ firmierende Unternehmung zählte 1956 insgesamt 1000 Wohnungen (Quelle: aus Festschriften „Neues Heim e.G.“, zu Rückblick/en auf 40 Jahre, und 50 Jahre Bestehen; in den Jahren 1988 und 1998). Im Geschäftsbericht zum Ende des Jahres 2016 bilanzierte die Baugenossenschaft „Neues Heim e.G.“ Grundstücke und Sachanlagen mit Wohnbauten im Wert von 69,5 Millionen Euro, 23 vollbeschäftigte Mitarbeiter – und 2043 Genossenschaftsmitglieder.

FC Batschka SV Rot. Foto: S. Jehle.

Noch in den Baracken der Schlotwiese, im Spätjahr 1945, war der Sportverein „FC Batschka“ gegründet worden, in Anlehnung an die Herkunftsregion der meisten dort untergebrachten Vertriebenen, die ungarisch-serbische Batschka. 1947 errang die Flüchtlingsmannschaft den Meistertitel in der B-Klasse, Heimspiele fanden auf dem Platz des FV Zuffenhausen statt. 1954/55 erfolgte der Aufstieg in die A-Klasse. Mit dem schrittweisen Umzug der meisten Bewohner des Lagers Schlotwiese – 1967 erst verließen die letzten Bewohner das einstige Massenlager – verlagerte sich der Schwerpunkt des Vereins in den neuen Stadtteil Rot. Als Zeichen des „Angekommenseins“ entschieden sich die Vereinsmitglieder 1956, den Fußballclub umzubenennen: in „S.V. Rot 1945 e.V.“ – 1970 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen mit dem Motto „Vom Flüchtlingsclub zum Großverein“ (Haus der Geschichte 2010, 30 bis 33). Der bekannteste Zögling des Vereins hieß Hansi Müller, der später beim VfB und in der Nationalmannschaft brillierte. Der 1957 geborene, und in Rot aufgewachsene Fußballer begann seine Karriere beim SV Rot in Stuttgarts Norden.

Hettingen

Das (schon angesprochene) Dorf Hettingen ist eine ehemals selbständige Gemeinde im Odenwald, und heute ein Stadtteil von Buchen im Neckar-Odenwald-Kreis. Bei Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm im Mai 1949 kam Hettingen zu einer gewissen überregionalen Bekanntheit. Der entstandene Film, gedreht von einer Münchner Filmproduktion, sollte – kontrastrierend – die feindseligen Reaktionen auf Vertriebene mit der hier vorbildlichen Aufnahme der Zugewiesenen gegenüberstellen. Der Film dokumentierte dabei die Hilfsbereitschaft der Hettinger (heute ein Ortsteil mit rund 2500 Einwohnern) bei der Aufnahme der Vertriebenen als auch den Bau einer neuen Siedlung. Initiator der Hilfsaktionen und des Siedlungsbaus war der, mit italienischen Vorfahren, im badischen Ettlingen geborene Pfarrer Heinrich Magnani.
Für die Lösung von Alltagskonflikten, bei der Einquartierung von Flüchtlingen, sah Magnani den Wohnungsbau. Er hatte bereits 1945 die Notgemeinschaft Hettingen gegründet, mit Unterstützung des in Berlin und Karlsruhe tätigen Architekten Egon Eiermann kam es zu Entwürfen für eine neue Siedlung. Insgesamt entstanden zwischen Frühjahr 1946 und 1947 erste 20 ein- und zweigeschossige Doppelhäuser. Eiermann nahm dabei Anleihen bei der schlichten Bauweise des Bauhaus-Stils.

Das Anrecht auf ein Haus erwarben Vertriebene, in dem sie sich mit 1500 Tagewerksstunden beim Bau der Siedlung engagierten. Einheimische musste 3000 Stunden arbeiten (Haus der Geschichte 2010, 26 f.). Es gab Zuschüsse und verbilligte Kredite der Landeskreditanstalt in Karlsruhe. Der Film „Antwort des Herzens“ schildert vor allem die Aufbruchstimmung und die Solidarität am Ort. Verschwieg aber manche Probleme. Aus der Notgemeinschaft entstand Ende 1946 die Gemeinnützige Baugenossenschaft „Neue Heimat“. Ab dieser Zeit hatte sich auch der spätere CDU-Politiker Fritz Baier in den Projekten engagiert.


mehr zu "prominente Vertriebene"


Dabei galt und gilt die Hettinger Initiative bis heute als Musterbeispiel für den Siedlungsbau in der Nachkriegszeit: aus ganz Deutschland reisten Journalisten, Politiker, und Kirchenvertreter zu Besichtigungen in den Odenwald. Die „Neue Heimat“ wurde zum Vorbild für 25 weitere Baugenossenschaft vergleichbarer Art in der Erzdiözese Freiburg – die heute alle unter dem einheitlichen Namen „Familienheim e.G.“ firmieren, ob in Buchen, in Bruchsal, in Baden-Baden, Karlsruhe oder Freiburg, Hausach oder Donaueschingen, vereint im Katholischen Siedlungswerk Baden e.V. Auch die „Familienheim e.G.“ steht exemplarisch für diese Zeit.

Die Flüwo Bauen Wohnen eG

Als vergleichbares Pendant in Württemberg – das zugleich auch „Ableger“ in Baden hat – kann die im August 1948 gegründete „Flüwo Bauen Wohnen eG“ gelten, eine Wohnungsbaugenossenschaft mit Hauptsitz in Stuttgart-Degerloch, die unter dem Namen „Gemeinnützige Flüchtlings-Wohnungsbaugenossenschaft Stuttgart eGmbH“ von einem Heimatvertriebenem, gestartet wurde. Auch die „Flüwo“ sollte eine Antwort auf die, insbesondere unter den Vertriebenen, bestehende Wohnungsknappheit nach dem Zweiten Weltkrieg sein.

Mit rund 9 400 Mietwohnungen und über 10 000 Mitgliedern in 30 Städten und
Gemeinden in Baden-Württemberg und im Raum Dresden zählt die „Flüwo“ heute zu den größten Baugenossenschaften im süddeutschen Raum. Gründungsgedanke war es, möglichst vielen Menschen nach dem Krieg ein neues Zuhause zu geben. Bereits 1958, so sagen Internet-Lexika, verfügte die „Flüwo“ über Wohnraum für gut 6 000 Familien. Vergleichbar der „Flüwo“ ist auch das Siedlungswerk GmbH Wohnungs- und Städtebau, mit den Gesellschaftern Bistum Rottenburg-Stuttgart und andere (Anteile 75%) und der Landesbank Baden-Württemberg (Anteile 25%).

Remstal

Ostlandstraße in Winnenden. Foto: S. Jehle.

Alle diese genannten Orte, und Siedlungsaktivitäten, stehen exemplarisch, auch für andere: auch der Stuttgarter Stadtteil Büsnau, nordwestlich von ausgedehnten Waldgebieten, und dem Stadtteil Vaihingen, in dem ab den 1930-er Jahren erste Familien am „Büsnauer Wald“ siedelten, ist von Flüchtlingen und Vertriebenen geprägt. In den Nachkriegsjahren folgten zahlreiche Heimatvertriebene aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und Rumänien. In Büsnau mussten sie erst einmal zusammen finden. 1957 wurde die „Versöhnungskirche“ gebaut, der Name trifft die Zeitumstände recht gut. In Winnenden, im Rems-Murr-Kreis, steht auf der Anhöhe am oberen Stöckach, oberhalb des Ortes – der zuletzt wegen des Amoklaufs Schlagzeilen machte – ein so genanntes „Ostlandmahnmal“: 10 Wappen ehemaliger Heimatgebiete sollen eine „Brücke zur Heimat“ bilden; errichtet zum Tag der Heimat 1965.

Kirchenwand in Geraldstetten. Foto: Stefan Jehle.
Kurpark Bad Cannstatt. Foto: Stefan Jehle.

Nicht sehr weit entfernt, ebenfalls im Remstal, im Remshaldener Ortsteil Geradstetten, sind es sechs solcher Wappen, die an einer neu entstandenen Kirchenwand prangen. Im benachbarten Winterbach steht auf einer Anhöhe ein so genanntes „Ostlandkreuz“ – so wie in Schwäbisch Gmünd, auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof. In Schwäbisch Gmünd wird auch den Verbindungen in das einstige mährische Zentrum Brünn (tschechisch: Brno) gedacht, mit dem Brünner Gedenkbrunnen; einer Parkanlage in der Stadtmitte – mit dem Bildstock „Weiße Marterl von Brünn“, den Gedenktafeln im Heilig-Kreuz-Münster und am Kulturhaus „Prediger“. Als bleibende Verbindung zu den vertriebenen Sudetendeutschen. Die Liste könnte endlos weitergeführt werden.

Oberzell

Neue Siedlung für Vertriebene in Oberzell. Foto: Erzählwerkstatt, Ortsarchiv Taldorf

In dem Dorf Oberzell, einem Stadtteil der eingemeindeten Ortschaft Taldorf im Süden der oberschwäbischen Stadt Ravensburg, stammen nach Aussagen von Bewohnern und schriftlichen Belegen etwa 600 bis 700 Personen der heute rund 2000 Einwohner direkt von den nach dem Krieg dort angesiedelten Flüchtlingen und Vertriebenen ab. Die hatten sich dort auch deshalb niedergelassen, weil am Ortsrand ein Haltepunkt der Südbahn bestand – und nach Unterbrechung, 1988-1993, auch wieder besteht. Und es auf diesem Weg einfacher war, zu den benachbarten Arbeitsorten in Ravensburg, Weingarten oder Friedrichshafen zu gelangen.

Den ersten – jenseits der bereits bestehenden bäuerlichen Anwesen – Siedlungshäusern mit 26 Gebäuden der „NS-Heimstätten“ der Jahre 1937 bis 1939 folgte nach dem Zweiten Weltkrieg ein rasanter Bevölkerungszuwachs. Das Baugebiet „Schmalzgrube“ entstand mit überwiegend eingeschossigem Wohnbau. Der Teilort Oberzell wurde vollständig „zur Siedlung“. Später kamen die Baugebiete „Leim“ und der Bereich „Reute/Stockwiesen“ hinzu (zitiert aus Jubiläumsband: „1200 Jahre Taldorf“).

Mit einer 1999 gestarteten „Erzählwerkstatt“ wurde von Ehrenamtlichen in Oberzell in mehr als 25 Intensivinterviews mit noch lebenden Betroffenen und Nachkommen von Flucht und Vertreibung die Erinnerung an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wachgehalten und gleichzeitig dokumentiert. Zwei Beispiele zeigen auf, wie sich die Menschen am Ort integriert haben: der langjährige Vorsitzende des Sportvereins Oberzell kam 1950 – als damals 15-Jähriger – aus dem heute polnischen Warthegau (polnisch: Okr?g Warcki). Ein ehemaliger Sängerknabe im Dresdner Kreuzchor, aufgewachsen in Arnsdorf (Sudetenland, Tschechei) kam 1946 – über den Umweg Wernigerorde/Harz – nach Oberzell. Er gründete mit 14 anderen Berufsmusikern und Solisten bald ein Orchester im nahe gelegenen Lindau. Der Musiker wurde 1949 Dirigent des Musikvereins Oberzell – und blieb es fast 20 Jahre lang.

Waldstadt

Stadtteil Waldstadt in Karlsruhe. Foto: S. Jehle.

Die Karlsruher Waldstadt ist noch heute ein besonderer Stadtteil. Die Zeit der Notsiedlungen war 1955 in vielen Städten und Gemeinden vorbei (es gab auch Ausnahmen: wie die Schlotwiese, die erst 1967 endgültig „frei“ gemacht war). Die Wohnungsnot endete jedoch noch nicht. Die Stadt Karlsruhe nahm in den ersten Nachkriegsjahren jedes Jahr 3000 und mehr Menschen neu auf, die Wohnung und Arbeit suchten. Im Januar 1955 präsentierte der damalige Oberbürgermeister Günther Klotz (SPD) seinen Plan vor, das Waldgebiet im Nordosten der Stadt für eine neue Trabantenstadt zu erschließen. Es war gedacht für Menschen unterschiedlicher Herkunft, darunter auch Flüchtlinge und Vertriebene – aber nicht nur solche.


Die Siedlung, die ursprünglich für über 20000 Menschen angedacht war, sollte auch Mitarbeiter des Forschungszentrums und des Bundesverfassungsgerichts beherbergen. Im Oktober 1958 zogen erste Bewohner in die neuen Wohnblöcke und Reihenhäuser. Um an den Verlust der Städte zu erinnern, die Deutschland durch den Zweiten Weltkrieg verloren hatte, entschied der Gemeinderat im November 1957, die Straßen in der Waldstadt nach ostdeutschen Städten zu benennen. Heute, so sagen Einheimische, sei fast vergessen, in welchen Häusern „Ur-Karlsruher“ und in welchen Heimatvertriebene wohnten. Nur noch die Straßennamen erinnern an die Geschichte. Die Einwohnerzahl pendelte sich inzwischen bei rund 12500 Menschen ein (Haus der Geschichte 2010, 94 bis 97).

Langenbrücken

Eine Besonderheit in Baden-Württemberg bildet bis heute auch der Bad Schönborner Ortsteil Langenbrücken, im nördlichen Landkreis Karlsruhe. Dort siedelten sich nach dem Zweite Weltkrieg rund 900 Einwohner des Heimatdorfes Parabutsch (aus der Batschka, im ehemaligen Serbien), als Heimatvertriebene an. Wie im Stuttgarter Stadtteil Rot: fast alle nur Donauschwaben. Prominentester Nachgeborener: Innenminister a.D. Heribert Rech (beachte Anhang „Prominente Vertriebene“). Es sei ein Geschenk, dass nach dem Schrecken dieses Krieges „Heimatvertriebene hier gute Aufnahme fanden und gut in das wirtschaftliche und soziale Leben integriert wurden“, schrieb der heutige Bürgermeister des Kurorts 2014 in einem Grußwort. Aber der Schrecken der Vertreibung und der Verlust der Heimat „bleibe über Generationen in den Köpfen und Herzen der Menschen lebendig“.


Dieses Bewusstsein über die vielen persönlichen Schicksale einerseits – und andererseits über die eigene Fähigkeit, Menschen zu integrieren, sollte man „parat haben, wenn jetzt erneut Menschen zu uns drängen, die Krieg, Bürgerkrieg und Not aus ihren Städten und Gemeinden bis nach Deutschland fliehen lassen. Hier kommt eine ähnliche Aufgabe auf uns zu, wie wir sie bereits vor 70 Jahren als einen gemeinsamen Prozess bewältigt haben“. Wer Flucht und Vertreibung nicht wolle, müsse Offenheit leben und Brücken bauen zwischen den Menschen und Völkern. Dabei spielte er – anlässlich einer Ausstellung im Mingolsheimer Rathaus - unter der Überschrift „Fremde Nachbarn“ – auf die aktuelle Zahl Asylsuchender an. Heute würden in Bad Schönborn Menschen aus 83 Nationen leben, sagte er.

Nach oben

 

 

Autor

Der Autor dieses Dossiers der freiberufliche Journalist Stefan Jehle.

 
 
 
 

Literatur/ Quellen

 

Literatur/ Quellen

 

Beer, Mathias: Flucht und Vertreibung der Deutschen – Voraussetzungen, Verlauf, Folgen. Beck Verlag, München 2011, 204 Seiten (Verfasser ist Historiker, Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen)


Burk, Henning (Hg.): Fremde Heimat, das Schicksal der Vertriebenen nach 1945, Buch zur ARD-Fernsehserie, Rowohlt Verlag, Berlin 2011, 263 Seiten


Douglas, R.M.: Ordnungsgemäße Überführung, die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, Beck Verlag, München 2012, 556 Seiten (amerikanischer Historiker erarbeitete auf der Grundlage von Quellen des Internationalen Roten Kreuzes die Mitverantwortung der Alliierten)


Grosser, Thomas: Die Integration der Heimatvertriebenen in Württemberg-Baden (1945-1961), Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, 463 Seiten (Habil.-Schrift an der Uni Mannheim, 2002)


Kossert, Andreas: Kalte Heimat, die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, Siedler Verlag, München 2008, 430 Seiten


Schwartz, Michael: Vertriebene und „Umsiedlerpolitik“, Integrationskonflikte in den deutschen Nachkriegs-Gesellschaften und die Assimilationsstrategien in der SBZ/DDR 1945 – 1961, R. Oldenbourg Verlag, München 2004, 1247 Seiten


Koch, Manfred, u. Liebig, Sabine (Hg.): Migration und Integration in Karlsruhe, mit Beiträgen div. Autoren, unter Mitwirkung des Büros für Integration der Stadt und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Veröffentlichung des Stadtarchivs, Band 31, Info Verlag, Karlsruhe 2010, 264 Seiten


Müller, Ulrich (Hg.): Verlorene Heimat – gewonnene Heimat. Die Vertriebenen in Schwäbisch Gmünd und im Ostalbkreis, herausgegeben vom Dezernat 3 und dem Stadtarchiv der Stadt Schwäbisch Gmünd, initiiert von der Arbeitsgemeinschaft „Heimat und Kultur der Vertriebenen aus dem Osten“, Eigenverlag der Stadt Schwäbisch Gmünd, 2016 (2.Auflage), 288 Seiten


Rössler, Helmut (Hg.): Auf zu neuen Ufern, die deutschen Heimatvertriebenen im Altkreis Waiblingen. Aufnahme und Eingliederung, Berichte und Dokumente. Eigenverlag Bund der Vertriebenen, Kreisverband Waiblingen, Druck Michel Backnang, Waiblingen 2002, 149 Seiten


Beer, Mathias (Konzeption und Bearbeitung): Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Deutschen als internationales Problem, zur Geschichte eines europäischen Irrwegs, Schrift des „Haus der Heimat“, des Landes Baden-Württemberg (Einrichtung zu Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa), Eigenverlag Haus der Heimat, Stuttgart 2009, 96 Seiten


Bendel, Rainer (Hg.): Wie Fremde zur Heimat wurde, Aspekte der Integration – aus
dem Leben bekannter Persönlichkeiten, Schrift des „Haus der Heimat“, des Landes Baden-Württemberg (Einrichtung zu Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa), Eigenverlag Haus der Heimat, Stuttgart 2010, 108 Seiten


Haus der Geschichte Baden-Württemberg: Ihr und Wir, Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg, Katalog zu „Große Landesausstellung 2010“ – ein Kooperationsprojekt mit dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen. Stuttgart November 2009, 144 Seiten


Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Statistische Analysen - Vertriebene in Baden-Württemberg, Statistische Analysen 9/2004. Stuttgart 2004, 96 Seiten

 
 
 
 
 

 

Migration

Der Zuzug von ausländischen Staatsbürgern, sowie deren Familiengründungen beeinflussen die Einwohnerzahl des Landes. So hatten im Jahr 2013 rund 3 Millionen Baden-Württemberger Migrationshintergrund - das ist fast jeder Vierte.

mehr zu Migration in Baden-Württemberg