Landeskunde Baden-Württemberg

 

Historische Vergleiche

Bei allen Vergleichen zwischen der Flüchtlings- und Vertriebenensituation nach 1945 und der heute aktuellen Migrationskrise gilt es zu beachten:

Keine Rückkehroption: Die überwiegende Zahl der Vertriebenen und Flüchtlinge nach 1945 kam nicht aus einem Bürgerkriegsland oder internen staatlichen Konflikt (Religion, Stämme etc.), sondern wurde auf Dauer zwangsweise aus der angestammten Heimat vertrieben, ausgesiedelt, hatte also keine Rückkehroption. Deshalb war eine volle und möglichst schnelle Integration sinnvoll und notwendig.

Binnenwanderung: Vergleichbar waren die Vorgänge, mit der „Verschiebung“ von Millionen von Menschen, am ehesten mit einer Binnenwanderung; dieselbe Nationalität, oft ein hohes Bildungsniveau, Arbeitsqualifikation, gemeinsame Tradition und Geschichte, Mentalität und Kultur, Muttersprachler (!), Christen (!).

Rechtliche Stellung: die Neuankömmlinge waren deutsche Staatsbürger, hatten Anspruch auf Lastenausgleich, mussten kein Asylverfahren mit Rechtsweg durchschreiten, waren zunächst auf Lagerunterkünfte angewiesen; es gab im Nachkriegsdeutschland einen (noch) bescheidenen Sozialstaat.

Notzeiten für Alle: Es herrschte eine gemeinsame Notzeit von Einheimischen und Zugewanderten, die Neid und Missgunst allerdings nicht immer verhinderte; allenthalben gab es Wohnungsnot, Zwangsbewirtschaftung von Lebensmitteln und Wohnraum (Zwangsbelegung), sowie Kredite für Eigenheimbau.

Wirtschaftlicher Faktor: Die Nachkriegszeit hatte mit den bestehenden Schäden und
Nöten einen hohen Arbeitskräftebedarf; bei der Trümmerbeseitigung, dem Wiederaufbau nach dem Krieg. Hoher Arbeitskräftebedarf und Energiebedarf bestand im Baugewerbe und Bergbau; die Vertriebenen wurden schnell ein Teil der “Wirtschaftswunder”-Zeiten…

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Autor

Der Autor dieses Dossiers der freiberufliche Journalist Stefan Jehle.

 
 
 
 

Literatur/ Quellen

 

Literatur/ Quellen

 

Beer, Mathias: Flucht und Vertreibung der Deutschen – Voraussetzungen, Verlauf, Folgen. Beck Verlag, München 2011, 204 Seiten (Verfasser ist Historiker, Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen)


Burk, Henning (Hg.): Fremde Heimat, das Schicksal der Vertriebenen nach 1945, Buch zur ARD-Fernsehserie, Rowohlt Verlag, Berlin 2011, 263 Seiten


Douglas, R.M.: Ordnungsgemäße Überführung, die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, Beck Verlag, München 2012, 556 Seiten (amerikanischer Historiker erarbeitete auf der Grundlage von Quellen des Internationalen Roten Kreuzes die Mitverantwortung der Alliierten)


Grosser, Thomas: Die Integration der Heimatvertriebenen in Württemberg-Baden (1945-1961), Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, 463 Seiten (Habil.-Schrift an der Uni Mannheim, 2002)


Kossert, Andreas: Kalte Heimat, die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, Siedler Verlag, München 2008, 430 Seiten


Schwartz, Michael: Vertriebene und „Umsiedlerpolitik“, Integrationskonflikte in den deutschen Nachkriegs-Gesellschaften und die Assimilationsstrategien in der SBZ/DDR 1945 – 1961, R. Oldenbourg Verlag, München 2004, 1247 Seiten


Koch, Manfred, u. Liebig, Sabine (Hg.): Migration und Integration in Karlsruhe, mit Beiträgen div. Autoren, unter Mitwirkung des Büros für Integration der Stadt und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Veröffentlichung des Stadtarchivs, Band 31, Info Verlag, Karlsruhe 2010, 264 Seiten


Müller, Ulrich (Hg.): Verlorene Heimat – gewonnene Heimat. Die Vertriebenen in Schwäbisch Gmünd und im Ostalbkreis, herausgegeben vom Dezernat 3 und dem Stadtarchiv der Stadt Schwäbisch Gmünd, initiiert von der Arbeitsgemeinschaft „Heimat und Kultur der Vertriebenen aus dem Osten“, Eigenverlag der Stadt Schwäbisch Gmünd, 2016 (2.Auflage), 288 Seiten


Rössler, Helmut (Hg.): Auf zu neuen Ufern, die deutschen Heimatvertriebenen im Altkreis Waiblingen. Aufnahme und Eingliederung, Berichte und Dokumente. Eigenverlag Bund der Vertriebenen, Kreisverband Waiblingen, Druck Michel Backnang, Waiblingen 2002, 149 Seiten


Beer, Mathias (Konzeption und Bearbeitung): Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Deutschen als internationales Problem, zur Geschichte eines europäischen Irrwegs, Schrift des „Haus der Heimat“, des Landes Baden-Württemberg (Einrichtung zu Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa), Eigenverlag Haus der Heimat, Stuttgart 2009, 96 Seiten


Bendel, Rainer (Hg.): Wie Fremde zur Heimat wurde, Aspekte der Integration – aus
dem Leben bekannter Persönlichkeiten, Schrift des „Haus der Heimat“, des Landes Baden-Württemberg (Einrichtung zu Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa), Eigenverlag Haus der Heimat, Stuttgart 2010, 108 Seiten


Haus der Geschichte Baden-Württemberg: Ihr und Wir, Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg, Katalog zu „Große Landesausstellung 2010“ – ein Kooperationsprojekt mit dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen. Stuttgart November 2009, 144 Seiten


Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Statistische Analysen - Vertriebene in Baden-Württemberg, Statistische Analysen 9/2004. Stuttgart 2004, 96 Seiten

 
 
 
 
 

 

Migration

Der Zuzug von ausländischen Staatsbürgern, sowie deren Familiengründungen beeinflussen die Einwohnerzahl des Landes. So hatten im Jahr 2013 rund 3 Millionen Baden-Württemberger Migrationshintergrund - das ist fast jeder Vierte.

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