Landeskunde Baden-Württemberg

 

Schienenverkehr

Foto: LMZ Baden-Württemberg

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) beschreibt die Grundversorgung mit öffentlichem Verkehr auf Schienen, Straße und Wasser im Nahbereich. Von ihm zu unterscheiden sind der Güterverkehr, Individualverkehr und der Fernverkehr.

Baden-Württemberg verfügt über ein Schienennetz von insgesamt rund 3.900 Kilometern Länge. Die Verantwortung für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) liegt beim Land, das Verträge mit Eisenbahnunternehmen schließt. Dies ist seit 1996 der Fall, davor war der Bund für Unterhalt und Finanzierung des SPNV zuständig. Das Land gründete daraufhin die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), die das Innenministerium berät und unterstützt. In Baden-Württemberg wird der Nahverkehr mit seinen Bahnen und Bussen unter der Marke 3-Löwen-Takt beworben.

Derzeit sind es etwa 65,5 Millionen Kilometer, die Züge im Bundesland pro Jahr zurücklegen. Einen großen Teil davon betreibt die Bahntochter DB Regio AG mit 39,5 Millionen Zugkilometern im Jahr. Zudem sind in Baden-Württemberg auch Bahnen aktiv, die nicht Eigentum des Bundes, sondern im Besitz des Landes, in Privatbesitz oder Eigentum kommunaler Gebietskörperschaften sind. Ihr Anteil am gesamten Schienenpersonennahverkehr (SPNV) liegt bei 28 Prozent.

Insgesamt wird in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren immer stärker auf den SPNV zurückgegriffen. So ist die Nutzung seit 1996 um fast 150 Prozent angewachsen und auch die Zahl der Fahrgäste hat sich zwischen 2002 und 2012 um 75 Prozent gesteigert. Die Fahrgastzahlen lagen 2015 mit 1,2 Milliarden um rund eine Million höher als noch 2005.

Zielkonzept 2025

Im Sinne einer nachhaltigen Mobilität sollen öffentliche Verkehrsmittel in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. So hat die Landesregierung 2014 das Ziel formuliert, die Nachfrage im Öffentlichen Verkehr bis 2030 zu verdoppeln. Dafür soll zum einen das Angebot im ländlichen Raum gesichert werden und zum anderen sollen vorhandene Ressourcen durch bessere Planung effizienter genutzt werden. Bessere Taktzeiten und höhere Standards sollen mehr Menschen zur Nutzung des Öffentlichen Verkehrs bewegen.

Um den Nahverkehr in der Region Stuttgart zu stärken, wurde 2015 der ÖPNV-Pakt geschlossen. Darin haben sich das Land, der Verband Region Stuttgart, die Stadt und die Landkreise im Verbundgebiet VVS auf ein gemeinsames Arbeitsprogramm verständigt. Sie verfolgen gemeinsam das Ziel, die Zahl der Fahrgäste in Bussen und Bahnen des VVS bis 2025 um 20 Prozent zu erhöhen. Außerdem soll die Verknüpfung des öffentlichen Verkehrs mit Auto-, Rad- und Fußverkehr verbessert werden.

Tarifverbünde

Der Taktverkehr „3-Löwen-Takt“ will als Alternative zum Auto möglichst viele Menschen dazu bewegen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Deshalb soll in Zukunft der Kauf verbundübergreifender Tickets vereinfacht werden. In Baden-Württemberg gibt es derzeit 22 Verkehrs- und Tarifverbünde - damit ist das Bundesland Spitzenreiter in Deutschland. Der Nachteil daran ist, dass bislang bei bestimmten verbundübergreifenden Fahrten mehrere Tickets gelöst werden müssen.

Im grün-schwarzen Koalitionsvertrag ist das Ziel einer landesweiten ÖPNV-Fahrkarte festgehalten. So ist es ab Dezember 2018 möglich, im Anschluss an eine Bahnfahrt z.B. auch die örtlichen Busse nutzen. Ab 2021 soll dann auch der Umstieg von einem Bus in eine Bahn ohne Kauf einer weiteren Fahrkarte möglich sein. Für die Organisation des Vertriebs und der Abrechnung der Ländertickets wird die Baden-Württemberg-Tarif-GmbH gegründet. Dafür hatte das Kabinett im März 2017 gestimmt.

Projekte

Bahnprojekt „Stuttgart-Ulm – Das neue Herz Europas“

Das Bahnprojekt „Stuttgart-Ulm – Das neue Herz Europas“ umfasst zum einen die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Auf der zweigleisigen Neubaustrecke, die größtenteils entlang der Autobahn A 8 verläuft, können dann Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 250 Stundenkilometern fahren. Ebenfalls Teil des Bahnprojekts ist das Großprojekt „Stuttgart 21“, bei dem der Kopfbahnhof in der Landeshauptstadt zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut werden soll.

Das Projekt wird von der Deutschen Bahn, dem Bundesverkehrsministerium, dem Land sowie der Region und der Stadt Stuttgart geplant. Die Befürworter des umstrittenen Bahnhofprojektes vertreten die Ansicht, ein Durchgangsbahnhof sei leistungsfähiger und ermögliche einen flexibleren und schnelleren Betrieb sowie kürzere Fahrtzeiten. Außerdem heben sie die städtebaulichen Chancen des Projekts hervor: Durch den Abbau der oberirdischen Gleisanlagen wird im Stadtzentrum voraussichtlich eine Fläche von rund hundert Hektar frei, die für Wohnungen, Büros und Grünflächen genutzt werden soll.

Die Gegner des Jahrhundertprojektes kritisieren zum einen die hohen Kosten von rund fünf Milliarden Euro, zum anderen die Auswirkungen der mehrjährigen Großbaustelle und der damit verbundenen Tunnelarbeiten auf die Umwelt. Sie plädieren für das alternative Konzept „Kopfbahnhof 21“, das darauf setzt, die bestehenden, teils ungenutzten Trassen zu optimieren, um das künftige Verkehrsaufkommen zu bewältigen.

Stuttgart 21 - Wie geht es weiter?

Das Verkehrs- und Städtebauprojekt Stuttgart 21 (S21) sieht vor, den bisherigen Kopfbahnhof der Landeshauptstadt in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umzubauen. Frei werdene Gleisflächen sollen für Projekte zur Stadtentwicklung genutzt werden. Zudem sind drei neue Bahnhöfe geplant, sowie die Neubaustrecke Stuttgart-Wendlingen.

Die Deutsche Bahn ist Bauherrin des Projekts. Weiterhin beteiligen sich die Bundesrepublik, das Land und der Verband Region Stuttgart, sowie die Stadt Stuttgart, die Stuttgart Flughafen GmbH und die Europäische Union.


Unser Dossier bietet zahlreiche Informationen über das Projekt Stuttgart 21, die Schlichtung und die Volksabstimmung.


Gegen S21 gab und gibt es lautstarke Proteste. Es wurde deshalb 2010 eine Schlichtung zwischen den Parteien initiiert und 2011 per Volksabstimmung entschieden. Damals sprach sich eine Mehrheit der Baden-Württemberger/innen für eine weitere Finanzierungsbeteiligung des Landes bei dem Projekt aus. Die Grünen hatten sich im Vorfeld der Volksabstimmung gegen Stuttgart 21 ausgesprochen, die CDU dafür.

Der grün-schwarze Koalitionsvertrag sieht vor, das Bauprojekt "planmäßig und zügig" umzusetzen. Die geplanten Kostenanteile des Landes von 930,6 Millionen Euro sollen aber nicht aufgestockt werden.

Im Jahr 2016 gab der Bundesrechnungshof neue Kostenkalkulationen bekannt: Kosten von 10 Milliarden Euro seien laut der Behörde realistisch. Bisher waren 6,5 Milliarden Euro veranschlagt. Die DB-Projektgesellschaft wies diese Aussagen als "nicht belastbar" zurück.

 

Ministerium

 

Winfried Hermann

ist Minister für  Verkehr. 

 
 
 
 
 

Publikation

 

Nachhaltige Mobilität - Für alle

Die Strategie "Nachhaltige Mobilität - für alle" hat das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur im April 2015 herausgegeben. Darin werden Trends und Leitbilder der Landesregierung aufgeführt.

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Zielkonzept SPNV

 

Zielkonzept 2025 für den SPNV

Im Juni 2014 hat das Kabinett dem Zielkonzept 2025 für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Baden-Württemberg zugestimmt. Das Konzept ist vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur erarbeitet worden.

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Aktuell: Projekte im Verkehr bis 2030

 

Am 3. August 2016 hat das Bundeskabinett den Bundesverkehrswegeplan beschlossen. Darin ist vorgesehen, wie rund 270 Milliarden Euro bis 2030 in deutsche Straßen, Schienen und Schiffswege investiert werden sollen. Der drittgrößte Anteil bundesweit geht nach Baden-Württemberg:

Mehr zum Bundesverkehrswegeplan.

 
 
 
 
 

Bahnen und Busse für Baden-Württemberg

 

Die Broschüre, die von der Landesregierung im September 2015 veröffentlicht wurde, finden Sie hier.

 
 
 
 
 

Ministerium

 

Winfried Hermann

ist Minister für  Verkehr. 

 
 
 
 
 

Publikation

 

Generalverkehrswegeplan (GVP)

Der aktuelle GVP wurde im Dezember 2010 von der baden-württembergischen Landesregierung beschlossen. Damit folgt er dem Dokument von 1995. In dem Plan werden grundlegende Ziele und Vorhaben des Landes im Bereich der Verkehrspolitik definiert.

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Publikation

 

Nachhaltige Mobilität - Für alle

Die Strategie "Nachhaltige Mobilität - für alle" hat das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur im April 2015 herausgegeben. Darin werden Trends und Leitbilder der Landesregierung aufgeführt.

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