Landeskunde Baden-Württemberg

 

Landesplanung

Raumkategorien in Baden-Württemberg
Raumkategorien in Baden-Württemberg

Prof. Dr. Hans Gebhardt 

Bis ins Industriezeitalter hinein war der Ländliche Raum – vom dünnen Netz an Städten einmal abgesehen – der Lebensraum der Bevölkerung schlechthin und es bestanden noch kaum wirtschaftliche Austauschbeziehungen. Erst mit der zunehmenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Arbeitsteilung entwickelte sich der Ländliche Raum von einem teilautarken Lebensraum zu einem weitgehend monostrukturell auf die Agrarproduktion gerichteten und damit zunehmend marktorientierten Erzeugungsraum landwirtschaftlicher Güter.

Heute hingegen spielt auch im Ländlichen Raum die Landwirtschaft kaum mehr eine Rolle; die überwiegende Mehrzahl seiner Bewohner arbeitet in anderen Branchen. Auch die Rolle der Städte war früher eine andere als heute. Sie hatten eine wohldefinierte politische und rechtliche Funktion. Markt- und Stapelrecht, Recht des Mauerbaus, teilweise eigene Gerichtsbarkeit umschreiben dieses Rechtssystem. Stadt und Land waren damit eindeutig geschieden, während es heute letztlich keine eindeutig definierten Unterscheidungsmerkmale mehr gibt. 

Seit der Nachkriegszeit bemühte man sich deshalb in Geografie und Raumordnung um Definitionen des "Gebildes Stadt in seiner administrationsunabhängigen Form" (Olaf Boustedt). Neben den sogenannten "Stadtregionen", also Stadt-Umland-Abgrenzungen vor dem Hintergrund der Pendlerverflechtungen mit der Kernstadt, und den "Ballungsräumen" wurde seit den späten 60er-Jahren die Gebietskategorie der "Verdichtungsräume" entwickelt, welche auch für die räumliche Ordnung im Landesentwicklungsplan 2002 eine zentrale Rolle spielt.


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Verdichtungsräume

Verdichtungsräume sind bedeutende Wohnschwerpunkte und herausragende Wirtschaftsstandorte hoher Standortqualität, welche jeweils von einer Randzone umgeben sind, die Gebiete mit erheblicher Siedlungsverdichtung in ihrem Einzugsbereich umfassen. 

Stuttgart

Der größte Verdichtungsraum ist der Mittlere Neckarraum mit Stuttgart, in dem mit 2,7 Millionen Menschen etwa ein Viertel der Landesbevölkerung wohnt. Die Stadt Stuttgart selbst ist umgeben von einem Kranz bedeutender nachgeordneter Zentren und Industriestädte wie Esslingen, Böblingen, Sindelfingen, Leonberg, Ludwigsburg, Fellbach, Waiblingen.

Aufgrund der Topografie greifen die Ausläufer des Verdichtungsraumes weit neckarauf- und -abwärts. Zu dynamischen Wachstumsspitzen sind vor allem die Gemeinden im Westen längs der Autobahn nach Singen geworden, während die traditionellen Industriegemeinden im Osten, im Remsund Filstal, ein verhalteneres Wachstum aufweisen.

Mannheim und Heidelberg

Der zweitgrößte Verdichtungsraum Rhein-Neckar ist in seinen Randzonen- gemeinden inzwischen mit dem Mittleren Neckarraum zusammengewachsen. Mannheim und Heidelberg, die ehemals kurpfälzischen Residenzstädte, haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Mannheim, mit dem wichtigsten Rheinhafen des Landes, an der europäischen Verkehrsachse der Rheinschiene gelegen, ist bis heute eine Verkehrs- und Industriestadt geblieben, während die Universitätsstadt Heidelberg das Zentrum für Forschung und Entwicklung und tertiärwirtschaftliche Funktionen darstellt. Insgesamt lebt im Verdichtungsraum Rhein-Neckar etwa ein Drittel der Bevölkerung des Mittleren Neckarraums.

Weitere Verdichtungsräume

Die weiteren fünf Verdichtungsräume liegen wie in einem Kranz an den verschiedenen Peripherien des Landes: Karlsruhe/Pforzheim, Freiburg, Lörrach/Weil (als baden-württembergischer Teil des großen Verdichtungsraumes Basel) sowie der länderübergreifende Verdichtungsraum Ulm/Neu-Ulm. Im Landesentwicklungsplan 2002 wird der Bodenseeregion – neben dem Oberrheingebiet und dem Mittleren Neckarraum – spezifische Aufmerksamkeit gewidmet und ein Verdichtungsraum Bodenseeraum mit besonderer struktureller Prägung ausgewiesen.

 

Europäischer Großraum "Blaue Banane"

 

Bei Wikipedia finden Sie weitere Informationen zur Entstehung und Bedeutung der "Blauen Banane".

 
 
 
 
 

Geographie Baden-Württembergs

 

Geographie Baden-Württembergs. Raum, Entwicklung, Regionen, 2008. (Hrsg.: Hans Gebhardt)