Landeskunde Baden-Württemberg

 
So sah es der Maler Johannes Hans um 1810: Eine „Wiener Zille“ oder „Schwabenplätte“ mit ihrem für die Anfangszeit typischen hüttenartigen Aufbau vor der Kulisse Ulms. In die Geschichte sind diese Boote als „Ulmer Schachteln“ eingegangen. Sie brachten viele der Auswanderer des 18. Jahrhunderts nach Südosteuropa. Foto: Stadtarchiv Ulm

Ulm

Schwaben und Donauschwaben

Mathias Beer

Baden-Württemberg ist seit dem 11. September 1954 das „Patenland“ der „Volksgruppe der Donauschwaben“. Ulm bezeichnet sich gerne als „Stadt der Donauschwaben“. Und für die unterschiedlichen donauschwäbischen Gruppen selbst sind Ulm und der deutsche Südwesten konstitutiv für ihr Selbstverständnis.

Dabei handelt es sich um eine Entwicklung jüngeren Datums, die rückblickend zwei Vorgänge ohne unmittelbaren Bezug in einen Sinnzusammenhang setzt: Die auch über Ulm erfolgte Auswanderung aus dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation nach Südosteuropa seit dem 18. Jahrhundert und die Umsiedlung, Flucht und Vertreibung  der Nachkommen dieser Auswanderer in das besiegte Deutschland nach 1945.

Die entstandenen Beziehungen Baden- Württembergs und Ulms zu den Donauschwaben und deren besonderes Verhältnis zu der Stadt und dem Land sind das Ergebnis einer spezifischen Deutung von Migrationen der letzten rund 300 Jahre als Auswanderung in eine „neue Heimat“ und Rückkehr in die „alte Heimat“.