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Fotos: LMZ Baden-Württemberg

Aktuelles

30. 12. 2013

„Offenburg will Freiheit, aber auch Ordnung und Einheit des Vaterlandes!“ Diese Erklärung der Stadt Offenburg vom 19. April 1848 steht exemplarisch für die Haltung der Offenburger Bevölkerung während der Jahre 1847 bis 1849. Freiheit und Ordnung – zwischen diesen Polen bewegte sich der politische Protest in Baden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Immer wieder wird das Bemühen eines großen Teils der Opposition in Baden im Vormärz und 1848/49 deutlich, sich innerhalb der Grenzen der gesetzlichen Ordnung zu bewegen. Vielleicht war es gerade dieses Bemühen, das dazu führte, dass die politische Opposition in Baden 1847 bis 1849 auch heute noch im Bewusstsein der Bevölkerung präsent ist und auch das widerständige Auftreten badischer Bürger und Bürgerinnen gegenüber öffentlichen Einrichtungen ganz selbstverständlich zu stärken scheint.

Wo sonst, außer in Baden, kommt es heute noch vor, dass sich Bürger, um ihren Protest gegen Entscheidungen öffentlicher Institutionen zu bekräftigen, auf die revolutionäre Bewegung des 19. Jahrhunderts berufen, wie dies 2010 Manfred Wahl, der Chef der Bürgerinitiative „Bahntrasse Offenburg“ tat? Die Badische Zeitung berichtete am 30. Oktober 2010: Wahl „erinnerte an die Badische Revolution, die 1847 in Offenburg ihren Ausgang nahm, und an den Baustopp für das umstrittene Kernkraftwerk in Wyhl, der 1976 in Offenburg unterzeichnet wurde“.


23. 12. 2013

Wer sich in Deutschland für Politik interessiert, blickt am Dreikönigstag zum liberalen Parteitreffen nach Stuttgart. Diese Tradition reicht zurück bis zum 6. Januar 1866. Begründet wurde sie damals von den württembergischen „Demokraten“ gegen die „Liberalen“. Heute sind diese Trennlinien zwischen Liberalen und Demokraten längst überwunden und vergessen. „Freie Demokratische Partei. Die Liberalen“ – diese Selbstbezeichnung übergreift die politischen Gegensätze, die das reformwillige Bürgertum in den nationalpolitisch entscheidenden Jahrzehnten seit 1848 zutiefst gespalten hatte. Während die meisten Liberalen damals ausschließlich Preußen zutrauten, den ersehnten deutschen Nationalstaat zu erschaffen, konnten sich die württembergischen Demokraten einen Staat unter preußischer Führung nur als zentralistisches Zwangsgehäuse vorstellen.

Im Dreikönigstreffen fanden diese politischen Gegensätze im reformwilligen Bürgertum Württembergs Jahr für Jahr ein großes Publikum. Sie überdauerten bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg. 1911 vereinte die Landesversammlung des 6. Januar erstmals Demokraten und Liberale. Erst jetzt, vier Jahrzehnte nach der Gründung des kleindeutschen Nationalstaates preußisch-protestantischer Prägung – als die tiefen Gräben, die er in der deutschen Gesellschaft gerissen hatten, einigermaßen überwunden waren –, konnte der württembergische Dreikönigstag von einem Dokument des nationalpolitischen Zwiespalts zwischen Demokraten und Liberalen zum Symbol ihrer wiedergewonnenen Einheit als „bürgerliche“ Emanzipationsbewegung werden. Er blieb ein Ort der württembergischen Politik.

Einen gemeinsamen südwestdeutschen Liberalismus gab es nicht. Baden und Württemberg gingen unterschiedliche politische Wege – in der Revolution 1848/49, im Jahrzehnt, als das deutsche Kaiserreich entstand, und auch danach. Erst in der Bundesrepublik wurde aus dem Traditionsort der württembergischen Demokraten eine südwestdeutsche Plattform für den deutschen Parteiliberalismus.


16. 12. 2013

„Karlsruhe wiegt Gesetze, Karlsruhe wägt Gesetze, Karlsruhe verwirft sie, Karlsruhe billigt sie, Karlsruhe fordert auf, ein neues Gesetz zu schreiben. Karlsruhe hat Macht“, so Heribert Prantl in einem Artikel mit dem Titel Gericht des Grundgesetzes: Die Karlsruher Republik. In dem Beitrag des Redakteurs der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2009 geht es um die Frage, wo die deutsche Politik wirklich gemacht werde, in Berlin oder in Karlsruhe, also von Bundesregierung und Bundestag oder vom Bundesverfassungsgericht. Prantl endet mit der Feststellung: „Wenn man von einer ,Karlsruher Republik‘ spricht, ist das durchaus ein Ehrentitel – für das Gericht und für das Land.“ Natürlich ist dies darüber hinaus und nicht zuletzt auch ein Ehrentitel für die Stadt Karlsruhe.

Die Ansiedlung der beiden höchsten Gerichte der Bundesrepublik Deutschland, Bundesverfassungsgericht und Bundesgerichtshof einschließlich Bundesanwaltschaft, in der ehemaligen badischen Landeshauptstadt knüpft an eine lange Geschichte an, in der Karlsruhe immer wieder im Mittelpunkt von Diskussionen und Entwicklungen stand, die die Demokratie in Deutschland vorbereiteten und weiterbrachten. Karlsruhe kann seine Rolle als aktuelle Residenz des Rechts auch historisch begründen.


09. 12. 2013

Der Begriff Verfassungspatriotismus ist eine Wortschöpfung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er lässt sich aber aus seinem Entstehungskontext – der Wandlung des (west-)deutschen Nationsverständnisses nach dem Zweiten Weltkrieg weg von machtstaatlichen Kategorien und hin zu einer Gemeinschaft stiftenden Orientierung an den Freiheitsrechten – herauslösen und auf andere historische Epochen übertragen, zum Beispiel auf die Geschichte des Großherzogtums Baden im 19. Jahrhundert.

Sie wurde in ähnlicher Weise durch die Badische Verfassung von 1818 geprägt wie die deutsche Nachkriegsgeschichte durch das Grundgesetz, wenngleich die Entstehungsumstände des badischen Verfassungspatriotismus eigentümlich waren: Damals ging es nicht darum, einer verkleinerten Nation neue Identifikationsmöglichkeiten zu geben, sondern es sollte durch die Verfassung überhaupt erst ein Fundament für einen Staat geschaffen werden, der sich durch territoriale Zugewinne erheblich vergrößert hatte und sich deshalb kaum durch historische Traditionen legitimieren konnte.


02. 12. 2013

Im Herzen Württembergs, dort, wo bis 1819 die Stammburg der Wirtemberger stand, erinnert eine klassizistische Grabkapelle an Katharina von Württemberg (1788–1819). Sie hat das Land in ihren nur etwas mehr als zwei Jahren als Königin bis heute nachwirkend mitgeprägt. Ein großes Krankenhaus und ein Gymnasium der Hauptstadt sind nach ihr benannt. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), der Landeswohlfahrtsverband und die Universität Hohenheim gehen auf ihre Gründungen zurück.

Wollte König Wilhelm I. (1781–1864) mit dem Abbruch der Burg seiner Vorfahren und dem Bau dieser Kapelle nur die Liebe zu seiner jung verstorbenen Frau demonstrieren? Die Politik, die er als König zusammen mit ihr und nach ihrem Tod 45 Jahre lang allein verfolgte, legt die Vermutung nahe, dass die Grabkapelle auch zum Zusammenwachsen seines noch jungen Staates beitragen sollte. Im Ensemble mit weiteren Bauten in ihrer Umgebung konnte sie sichtbar machen, dass das Königreich Württemberg mehr und anderes war, als einst das Herzogtum Wirtemberg gewesen war.

Dank Wilhelms Vater zur doppelten Größe aufgewachsen, schien Württemberg groß genug, in Deutschland und selbst in Europa eine größere Rolle zu spielen. Doch dafür mussten aus Untertanen der größeren und kleineren Territorien, aus denen das Königreich zusammengefügt worden war, württembergische Staatsbürger werden, die sich mit diesem Staat identifizieren konnten.


25. 11. 2013

Fährt man auf der Autobahn A 6 vom Weinsberger Kreuz in Richtung Nürnberg, sieht man zur Rechten vor dem Hintergrund der Waldenburger Berge zunächst die Türme der Stiftskirche Öhringen und wenige Kilometer weiter den modernen Wasserturm der Stadt Neuenstein. Weiter im Hintergrund grüßen Schloss Waldenburg auf dem weit vorspringenden Bergsporn und der junge Fernsehturm des SWR–Bauwerke, zu deren Füßen sich die von tief in den Muschelkalk eingeschnittenen Flüssen und Bächen zerfurchte Hohenloher Ebene erstreckt.

Öhringen und sein Stift, Neuenstein und Waldenburg sind drei markante Orte, in denen sich Geschichte verdichtet hat. Auf der anderen Seite stehen sie beispielhaft für den in wenigen Jahrzehnten vollzogenen Wandel von einer landwirtschaftlich geprägten zu einer von einer innovativen Industrie entlang von Entwicklungsachsen besiedelten Landschaft.


18. 11. 2013

Mit der Erbhuldigung am 23. August 1851 auf der Burg Hohenzollern, der Geburtsstätte der Hohenzollerndynastie, fand die Aufnahme der hohenzollerischen Fürstentümer in die preußische Monarchie ihren feierlichen Abschluss.

Wie in dem zeitgenössischen Ölgemälde von Georg Eberlein dargestellt, thronte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen bei der Feier auf einem Podest unter einem Baldachin inmitten des Burghofs, umgeben von höchsten Würdenträgern und Honoratioren, darunter zur Rechten des Monarchen Kronprinz Wilhelm und zu dessen Linken die Fürsten von Fürstenberg und Thurn und Taxis, ehemals Standesherren im Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. Dem Monarchen gegenüber sind, angeführt von Hofgerichtsadvokat Bürkle aus Sigmaringen, die 300 Deputierten aus den ehemaligen Fürstentümern Hohenzollern abgebildet, die stellvertretend für die gesamte Bevölkerung gegen Ende der Feier den Erbhuldigungseid zu leisten hatten.



 

News-Box: BW in den Medien

 

Juni 2017

Schwarzwald ist neues UNESCO-Biosphärengebiet

Teile des Schwarzwalds wurden von der UNESCO zum 16. Biosphärengebiet in Deutschland ernannt. Das Reservat ist etwa 630 km2 groß und liegt südlich und westlich des Feldberges. 2009 war bereits die Schwäbische Alb in die Liste der UNESCO übernommen worden.

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Juni 2017

200 Jahre Fahrrad

Am 12. Juni 1817 testete Karl Drais in einer Jungfernfahrt in Mannheim seine Laufmaschine, die "Draisine". Heute gilt seine Erfindung als das Ur-Fahrrad. Baden-Württemberg feiert dieses Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen.

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April 2017

Neues Wappen für BW?

Baden-Württemberg ist 65 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum haben Studierende der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Ideen für ein neues Landeswappen vorgelegt.

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März 2017

Jüngste Bevölkerung in den Flächenländern

Baden-Württemberg ist das deutsche Flächenland, in dem der Altersdurchschnitt am niedrigsten ist. Unter dem Wert von 43,2 Jahren liegen nur noch Hamburg und Berlin. Dennoch werden die Menschen immer älter: Das Durchschnittsalter ist im Vergleich zu 1970 um acht Jahre gestiegen.

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Februar 2017

Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer

Das Kabinett hat einen Gesetzesentwurf beschlossen, laut dem ausländische Studierende, die nicht aus EU-Ländern kommen, künftig Studiengebühren zahlen müssen. Pro Semester sollen 1500 Euro fällig werden. Gegen den Gesetzesentwurf gab es wiederholt Kritik.

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Dezember 2016

Karlsruhe ist die lebenswerteste Stadt Deutschlands

zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Fraunhofer Morgenstadt City-Index. Als Gründe dafür werden etwa das milde Klima, das grüne Zentrum, eine aktive Start-up- und Kulturszene sowie die innovativen Ansätze der Smart-City-Strategie angeführt.

Zum Artikel auf Tourismus.de

 
 
 
 
 

Interaktive Karte von Baden-Württemberg

 

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Impressionen aus dem Land

 

Ein Bilderalbum mit Impressionen aus Baden Württemberg

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Landesjubiläum Baden-Württemberg 2012

 

60 Jahre Baden-Württemberg

Das Landesjubiläum war der Jahresschwerpunkt 2012 der Landeszentrale für politische Bildung. Rückblicke, Ausblicke. Gegenwarts- und Zukunftsfragen waren Gegenstand der Auseinandersetzung. Die Veröffentlichungen reichen vom bebilderten Jubiläumsband bis zum kurz gefassten Faltblatt über Baden-Württemberg.

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