Region Bodensee-Oberschwaben

Fotos: LMZ Baden-Württemberg

Aktuelles

03. 02. 2014

In der Regel alle zwei Jahre fährt von Mannheim aus eine Oldtimerparade nach Pforzheim. Die Bertha-Benz-Gedächtnisfahrt erinnert an eine couragierte Frau, die mit ihrer Aktion der automobilen Zukunft ein Stück weit auf die Sprünge half. 1888 war Bertha Benz mit ihren beiden Söhnen Richard und Eugen nach Pforzheim aufgebrochen. Einen ganzen Tag waren die drei unterwegs, ehe abends der nichtsahnende Ehemann Carl per Telegramm über die gute Ankunft informiert wurde. Vielfach ist darüber geschrieben und zur Mythenbildung um die Erfindung des Automobils beigetragen worden. Eigentlich wollte Bertha Benz nur ihrem Mann Mut machen, ihm die Alltagstüchtigkeit des Automobils beweisen, damit er sich bereitfand, seine Erfindung auf einer Ausstellung in München vorzuführen. Heute würden wir das Ganze vielleicht als geniale PR-Aktion verbuchen.

Berthas Gatte war ohnehin mehr Ingenieur denn Verkaufsgenie und in kaufmännischen Dingen nicht immer geschickt. Umso hartnäckiger aber hatte er an der Umsetzung seiner Idee gearbeitet; zunächst in einer kleinen Werkstatt, im damals noch weitgehend unbebauten Quadrat T 6, nicht weit vom Innenstadtring. Hier glückte Carl etwas, woran auch andernorts Ingenieure arbeiteten: der Bau eines „pferdelosen Motorwagens“. Die Idee war eigentlich nicht sonderlich revolutionär. Benz wollte einen Viertaktmotor konstruieren, der nicht mehr nur rein stationär eingesetzt werden konnte, sondern sich auch zur mobilen Fortbewegung eignen sollte.

Das Ergebnis war ein Motor, der gegenüber den Konkurrenzprodukten eines Nikolaus Otto oder Gottlieb Daimler im Leistungsvermögen eher abfiel. Aber dieser Motor half Benz, den ersten fahrbaren Wagen mit Verbrennungsmotor, ein „Motorveloziped“, zu schaffen, wozu wir heute nur noch schlicht Auto(-mobil) sagen. Vom 29. Januar 1886 datiert die Patentschrift von Carl Benz, die gemeinhin als Geburtsschein des Automobils gilt und Mannheims heutige Marketingspezialisten zu dem doppelsinnigen Werbeausspruch inspiriert hat: „Wir sind Patent.“


27. 01. 2014

Die Firmennamen verweisen noch auf die kleinen schwäbischen Anfänge der beiden großen Konzerne von weltweiter Bedeutung. Es sind die Namen von Menschen. Ein dritter Menschenname musste im Zuge einer transkontinentalen Fusion weichen. Geblieben sind Daimler und Bosch, gewichen ist Benz. Die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH beschäftigen heute weltweit mehr als eine halbe Million Menschen und setzen gemeinsam rund 120 Milliarden Euro um.

Gottlieb Daimler, Carl Benz und Robert Bosch waren Fleisch gewordenes Unternehmertum. Die Unternehmen, die sie gründeten und hochbrachten, waren institutionelle Erweiterungen ihrer Persönlichkeiten. Ohne sie gäbe es die beiden Industriegiganten heute nicht. Deshalb ist es angebracht, an ihre Ursprünge in den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu erinnern.


20. 01. 2014

Die Industrialisierung am Oberrhein begann Anfang des 19. Jahrhunderts und ist ohne den Einfluss der Nachbarn Schweiz und Elsass nicht denkbar. Basel und Zürich sowie Mülhausen und deren Unternehmer waren besonders einflussreich. Diese Entwicklung setzte im Südwesten ein und erreichte erst später die nördlicheren Teile Badens. Lörrach und St. Blasien zählen zu den ersten Orten industrieller Initiativen überhaupt in Deutschland, auch wenn die Industrialisierung insgesamt in Baden später einsetzte als in Sachsen und am Niederrhein. Einen Schub brachte in den 1830er-Jahren der Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein. Der Eisenbahnbau und die Schiffbarmachung des Rheins waren danach wichtige infrastrukturelle Maßnahmen, die vor allem Mannheim ab der Jahrhundertmitte zur besungenen Wirtschaftsmetropole Badens wachsen ließen.

Lieder und Liedtexte sind nicht selten Spiegel ihrer Entstehungsgeschichte. Auch das Badnerlied hat viele, meist vergessene historische Bezüge und könnte genauso gut als ein eigener Erinnerungsort betrachtet werden. Wäre es Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, hätte gewiss niemand eine Fabrik in Mannheim besungen. Denn die Stadt der Quadrate war damals mehr Residenz- und Festungsstadt als Gewerbe-, geschweige denn Industriestadt – auch wenn Karl Drais hier 1817 seine Laufmaschine entwickelte. Die Industrialisierung, also die Einführung von Arbeitsmaschinen in die Produktion, begann in Baden tatsächlich am südlichen Oberrhein Anfang des 19. Jahrhunderts: im rechtsrheinischen Lörrach und gleichzeitig, etwa 50 km von dort, tief im Schwarzwald, im ehemaligen Kloster St. Blasien. Die entsprechende Strophe des Badnerliedes hätte Anfang des 19. Jahrhunderts also eher gelautet:

In Karlsruh ist die Residenz,

in Lörrach die Fabrik,

in Rastatt ist die Festung,

und das ist Badens Glück!


13. 01. 2014

Der Volksmund in Württemberg wusste es: Der Hohenasperg sei der höchste Berg des Landes. Hinauf komme man schnell, aber oft dauere es Jahre, bis man wieder herunter komme. Die Warze sei er, die das schöne Antlitz Württembergs entstelle, so ein anderes Bonmot. Die Liste der Metaphern ist lang: schwäbische Bastille, Höllenpforte, Demokratenbuckel, Tränenberg oder Hausberg der schwäbischen Intelligenz. Ihren Ursprung haben sie in der Tatsache, dass der Hohenasperg ein politisches Gefängnis ist. Dabei gibt die Frage, wer aus welchen Gründen eingesperrt wird, genauso viel Auskunft über die Ausübung staatlicher Macht wie die Frage, wem und warum Orden verliehen werden.

Im Lauf seiner Geschichte war der Hohenasperg keltischer Fürstensitz, Landesfestung, Militärstrafanstalt, Irrenhaus, TBC-Station, Gefängnis für den zivilen Strafvollzug, sozialtherapeutische Modellanstalt und Zentralkrankenhaus für den baden-württembergischen Strafvollzug. Seine Bedeutung als Erinnerungsort bezieht er aber aus der Tatsache, dass er untrennbar mit der staatlichen Unterdrückung des Kampfes um politische Rechte, Freiheit und Demokratie verbunden ist. Hier lässt sich die Entwicklung von Herrschaftspraxis genauso ablesen wie die schrittweise Zivilisierung von Recht und Justiz seit dem Zeitalter des Absolutismus. Hier lässt sich Machtausübung gegen politische oder gesellschaftliche Bewegungen aufzeigen.

Und hier begegnen sich staatliche Macht und Individuum im Spannungsfeld von Herrschaftssicherung und staatlicher Fürsorgepflicht. Von daher rührt wohl auch die Bezeichnung „Schicksalsberg“. Darüber hinaus zeigen sich am Beispiel des Hohenasperg auch die Zivilisationsbrüche der deutschen Geschichte im Zeitalter des „Zweiten Dreißigjährigen Krieges“ zwischen 1914 und 1945, das die Wiederkehr staatlichen Terrors gegen politisch oder weltanschaulich Andersdenkende und ethnische Minderheiten brachte.


06. 01. 2014

Der badische „Kulturkampf“, der zwischen 1860 und 1876 unter Staatsminister Julius Jolly seinen Höhepunkt fand, hat sich als Prototyp der deutschen Kulturkämpfe in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingeschrieben. Seinen geistesgeschichtlichen Ort hat er in den lang andauernden Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche, zwischen Katholizismus und Protestantismus, dem monarchisch-bürgerlich-liberalen Staatssystem und einer demokratisch-republikanisch gesinnten Volksbewegung, deren Wurzeln man gemeinhin im Jahr 1848 und deren Ende man im Jahr 1918 zu erkennen meint. Indessen wurde der Kampf um die „libertas ecclesiae" und die kulturell-gesellschaftliche Integration des Katholizismus zur Signatur einer ganzen Epoche, die mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann und die als Folge sich steigernder Säkularisierungsschübe in der Gegenwart mit Resakralisierungstendenzen eine gewendete Rückkehr erlebt.

Als unter der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan 1998 der „Kopftuchstreit“ um eine muslimische Lehrerin entbrannte, ging bald die Rede von einem neuen Kulturkampf um. Gleichzeitig war damit die Frage nach der kulturellen Besonderheit eines Landes gestellt, letztlich die Frage nach seiner Identität. „Kultur“, das ist Sprache, Kunst, Kleidung, Lebensart, freilich, aber es ist auch Religion. Diese hat in den vergangenen Jahrhunderten Kulturräume und konfessionelle Landschaften ausgeprägt, stärker und nachhaltiger als politische Grenzen es je vermochten. Noch heute markieren etwa das fränkische „Madonnenländle“ oder die „Oberschwäbische Klosterlandschaft“ grenzüberschreitende Kulturräume, deren Identität sich seit Jahrhunderten anderswoher speist als aus der Loyalität politisch-administrativer Zugehörigkeit.


30. 12. 2013

„Offenburg will Freiheit, aber auch Ordnung und Einheit des Vaterlandes!“ Diese Erklärung der Stadt Offenburg vom 19. April 1848 steht exemplarisch für die Haltung der Offenburger Bevölkerung während der Jahre 1847 bis 1849. Freiheit und Ordnung – zwischen diesen Polen bewegte sich der politische Protest in Baden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Immer wieder wird das Bemühen eines großen Teils der Opposition in Baden im Vormärz und 1848/49 deutlich, sich innerhalb der Grenzen der gesetzlichen Ordnung zu bewegen. Vielleicht war es gerade dieses Bemühen, das dazu führte, dass die politische Opposition in Baden 1847 bis 1849 auch heute noch im Bewusstsein der Bevölkerung präsent ist und auch das widerständige Auftreten badischer Bürger und Bürgerinnen gegenüber öffentlichen Einrichtungen ganz selbstverständlich zu stärken scheint.

Wo sonst, außer in Baden, kommt es heute noch vor, dass sich Bürger, um ihren Protest gegen Entscheidungen öffentlicher Institutionen zu bekräftigen, auf die revolutionäre Bewegung des 19. Jahrhunderts berufen, wie dies 2010 Manfred Wahl, der Chef der Bürgerinitiative „Bahntrasse Offenburg“ tat? Die Badische Zeitung berichtete am 30. Oktober 2010: Wahl „erinnerte an die Badische Revolution, die 1847 in Offenburg ihren Ausgang nahm, und an den Baustopp für das umstrittene Kernkraftwerk in Wyhl, der 1976 in Offenburg unterzeichnet wurde“.


23. 12. 2013

Wer sich in Deutschland für Politik interessiert, blickt am Dreikönigstag zum liberalen Parteitreffen nach Stuttgart. Diese Tradition reicht zurück bis zum 6. Januar 1866. Begründet wurde sie damals von den württembergischen „Demokraten“ gegen die „Liberalen“. Heute sind diese Trennlinien zwischen Liberalen und Demokraten längst überwunden und vergessen. „Freie Demokratische Partei. Die Liberalen“ – diese Selbstbezeichnung übergreift die politischen Gegensätze, die das reformwillige Bürgertum in den nationalpolitisch entscheidenden Jahrzehnten seit 1848 zutiefst gespalten hatte. Während die meisten Liberalen damals ausschließlich Preußen zutrauten, den ersehnten deutschen Nationalstaat zu erschaffen, konnten sich die württembergischen Demokraten einen Staat unter preußischer Führung nur als zentralistisches Zwangsgehäuse vorstellen.

Im Dreikönigstreffen fanden diese politischen Gegensätze im reformwilligen Bürgertum Württembergs Jahr für Jahr ein großes Publikum. Sie überdauerten bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg. 1911 vereinte die Landesversammlung des 6. Januar erstmals Demokraten und Liberale. Erst jetzt, vier Jahrzehnte nach der Gründung des kleindeutschen Nationalstaates preußisch-protestantischer Prägung – als die tiefen Gräben, die er in der deutschen Gesellschaft gerissen hatten, einigermaßen überwunden waren –, konnte der württembergische Dreikönigstag von einem Dokument des nationalpolitischen Zwiespalts zwischen Demokraten und Liberalen zum Symbol ihrer wiedergewonnenen Einheit als „bürgerliche“ Emanzipationsbewegung werden. Er blieb ein Ort der württembergischen Politik.

Einen gemeinsamen südwestdeutschen Liberalismus gab es nicht. Baden und Württemberg gingen unterschiedliche politische Wege – in der Revolution 1848/49, im Jahrzehnt, als das deutsche Kaiserreich entstand, und auch danach. Erst in der Bundesrepublik wurde aus dem Traditionsort der württembergischen Demokraten eine südwestdeutsche Plattform für den deutschen Parteiliberalismus.


Landesjubiläum Baden-Württemberg 2012

60 Jahre Baden-Württemberg - das Landesjubiläum ist der Jahresschwerpunkt 2012 der Landeszentrale für politische Bildung. Hier sollen Rückblicke genauso möglich sein wie Ausblicke. Gegenwarts- und Zukunftsfragen wie die um mehr Bürgerbeteiligung oder die Gestaltung der Integration erhalten ein besonderes Gewicht. Ob Seminare oder Stadtführungen, Ausstellungen oder spannende Spiele zur Politik – die Landeszentrale stellt ein breit gefächertes Programm vor. Die Veröffentlichungen reichen vom großzügig bebilderten Jubiläumsband bis zum kurz gefassten Faltblatt über Baden-Württemberg. ...mehr


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News-Box: BW in den Medien

 

Dezember 2016

Karlsruhe ist die lebenswerteste Stadt Deutschlands

zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Fraunhofer Morgenstadt City-Index. Als Gründe dafür werden etwa das milde Klima, das grüne Zentrum, eine aktive Start-up- und Kulturszene sowie die innovativen Ansätze der Smart-City-Strategie angeführt.

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Erklärfilm - so funktioniert Landespolitik

 

Ein kurzer Animationsfilm der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund erklärt, wie Landespolitik funktioniert.
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Online-Spiel: Stadt-Land-Fluss in Baden-Württemberg

 

Bei diesem Spiel müssen Sie Flüsse und Städte Baden-Württembergs auf den richtigen Platz auf der Karte ziehen.

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