Alt-Text

Fotos: LMZ Baden-Württemberg

Aktuelles

17. 02. 2014

In den Vereinigten Staaten von Amerika gehört die auf der Grundlage einer massen­haften Einwanderung erfolgte Besiedlung des Landes zum zentralen Bestandteil der nationalen Identität. Dies manifestiert sich in mindestens zwei zentralen Erinnerungsorten, den Einwandererstationen Castle Garden und Ellis Island in New York sowie zahlreichen weiteren Denkmälern und Kristallisations­punkten der Vergangenheit, darunter auch die Person des „Frontiers“, dem nach „Westen“ wandernden, das weite Land erobernden Kolonisator, der im kollektiven amerikanischen Gedächtnis eine fast mythische Bedeutung einnimmt. In ihr besitzt das Land eine identitätsstiftende Figur, in der sich sein (trügerisches?) Selbstbild einer durch Wage­mut, Veränderungsbereitschaft, Ungebundenheit und geografischen wie mentalen Offenheit geprägten Gesellschaft vereinigt.

Denen, die ein Land verlassen, wird dagegen selten ein Denkmal gesetzt. Dies gilt auch für die Millionen von Deutschen, die vom 18. bis ins 20. Jahrhundert ihr Land aus unterschiedlichen Motiven, freiwillig oder durch politische, soziale oder ökonomische Ursachen gezwungen, verließen.

Ihre hinterlassenen Spuren sind rar. Erst seit wenigen Jahren widmet sich das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven der Spurensuche der deutschen Überseewanderung im 19. und 20. Jahrhundert. Der deutsche Südwesten hat an der Auswanderung einen gewichtigen Anteil – quantitativ wie qualitativ.


10. 02. 2014

Baden-Württemberg ist seit dem 11. September 1954 das „Patenland“ der „Volksgruppe der Donauschwaben“. Ulm bezeichnet sich gerne als „Stadt der Donauschwaben“. Und für die unterschiedlichen donauschwäbischen Gruppen selbst sind Ulm und der deutsche Südwesten konstitutiv für ihr Selbstverständnis.

Dabei handelt es sich um eine Entwicklung jüngeren Datums, die rückblickend zwei Vorgänge ohne unmittelbaren Bezug in einen Sinnzusammenhang setzt: Die auch über Ulm erfolgte Auswanderung aus dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation nach Südosteuropa seit dem 18. Jahrhundert und die Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Nachkommen dieser Auswanderer in das besiegte Deutschland nach 1945.

Die entstandenen Beziehungen Baden- Württembergs und Ulms zu den Donauschwaben und deren besonderes Verhältnis zu der Stadt und dem Land sind das Ergebnis einer spezifischen Deutung von Migrationen der letzten rund 300 Jahre als Auswanderung in eine „neue Heimat“ und Rückkehr in die „alte Heimat“.


03. 02. 2014

In der Regel alle zwei Jahre fährt von Mannheim aus eine Oldtimerparade nach Pforzheim. Die Bertha-Benz-Gedächtnisfahrt erinnert an eine couragierte Frau, die mit ihrer Aktion der automobilen Zukunft ein Stück weit auf die Sprünge half. 1888 war Bertha Benz mit ihren beiden Söhnen Richard und Eugen nach Pforzheim aufgebrochen. Einen ganzen Tag waren die drei unterwegs, ehe abends der nichtsahnende Ehemann Carl per Telegramm über die gute Ankunft informiert wurde. Vielfach ist darüber geschrieben und zur Mythenbildung um die Erfindung des Automobils beigetragen worden. Eigentlich wollte Bertha Benz nur ihrem Mann Mut machen, ihm die Alltagstüchtigkeit des Automobils beweisen, damit er sich bereitfand, seine Erfindung auf einer Ausstellung in München vorzuführen. Heute würden wir das Ganze vielleicht als geniale PR-Aktion verbuchen.

Berthas Gatte war ohnehin mehr Ingenieur denn Verkaufsgenie und in kaufmännischen Dingen nicht immer geschickt. Umso hartnäckiger aber hatte er an der Umsetzung seiner Idee gearbeitet; zunächst in einer kleinen Werkstatt, im damals noch weitgehend unbebauten Quadrat T 6, nicht weit vom Innenstadtring. Hier glückte Carl etwas, woran auch andernorts Ingenieure arbeiteten: der Bau eines „pferdelosen Motorwagens“. Die Idee war eigentlich nicht sonderlich revolutionär. Benz wollte einen Viertaktmotor konstruieren, der nicht mehr nur rein stationär eingesetzt werden konnte, sondern sich auch zur mobilen Fortbewegung eignen sollte.

Das Ergebnis war ein Motor, der gegenüber den Konkurrenzprodukten eines Nikolaus Otto oder Gottlieb Daimler im Leistungsvermögen eher abfiel. Aber dieser Motor half Benz, den ersten fahrbaren Wagen mit Verbrennungsmotor, ein „Motorveloziped“, zu schaffen, wozu wir heute nur noch schlicht Auto(-mobil) sagen. Vom 29. Januar 1886 datiert die Patentschrift von Carl Benz, die gemeinhin als Geburtsschein des Automobils gilt und Mannheims heutige Marketingspezialisten zu dem doppelsinnigen Werbeausspruch inspiriert hat: „Wir sind Patent.“


27. 01. 2014

Die Firmennamen verweisen noch auf die kleinen schwäbischen Anfänge der beiden großen Konzerne von weltweiter Bedeutung. Es sind die Namen von Menschen. Ein dritter Menschenname musste im Zuge einer transkontinentalen Fusion weichen. Geblieben sind Daimler und Bosch, gewichen ist Benz. Die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH beschäftigen heute weltweit mehr als eine halbe Million Menschen und setzen gemeinsam rund 120 Milliarden Euro um.

Gottlieb Daimler, Carl Benz und Robert Bosch waren Fleisch gewordenes Unternehmertum. Die Unternehmen, die sie gründeten und hochbrachten, waren institutionelle Erweiterungen ihrer Persönlichkeiten. Ohne sie gäbe es die beiden Industriegiganten heute nicht. Deshalb ist es angebracht, an ihre Ursprünge in den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu erinnern.


20. 01. 2014

Die Industrialisierung am Oberrhein begann Anfang des 19. Jahrhunderts und ist ohne den Einfluss der Nachbarn Schweiz und Elsass nicht denkbar. Basel und Zürich sowie Mülhausen und deren Unternehmer waren besonders einflussreich. Diese Entwicklung setzte im Südwesten ein und erreichte erst später die nördlicheren Teile Badens. Lörrach und St. Blasien zählen zu den ersten Orten industrieller Initiativen überhaupt in Deutschland, auch wenn die Industrialisierung insgesamt in Baden später einsetzte als in Sachsen und am Niederrhein. Einen Schub brachte in den 1830er-Jahren der Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein. Der Eisenbahnbau und die Schiffbarmachung des Rheins waren danach wichtige infrastrukturelle Maßnahmen, die vor allem Mannheim ab der Jahrhundertmitte zur besungenen Wirtschaftsmetropole Badens wachsen ließen.

Lieder und Liedtexte sind nicht selten Spiegel ihrer Entstehungsgeschichte. Auch das Badnerlied hat viele, meist vergessene historische Bezüge und könnte genauso gut als ein eigener Erinnerungsort betrachtet werden. Wäre es Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, hätte gewiss niemand eine Fabrik in Mannheim besungen. Denn die Stadt der Quadrate war damals mehr Residenz- und Festungsstadt als Gewerbe-, geschweige denn Industriestadt – auch wenn Karl Drais hier 1817 seine Laufmaschine entwickelte. Die Industrialisierung, also die Einführung von Arbeitsmaschinen in die Produktion, begann in Baden tatsächlich am südlichen Oberrhein Anfang des 19. Jahrhunderts: im rechtsrheinischen Lörrach und gleichzeitig, etwa 50 km von dort, tief im Schwarzwald, im ehemaligen Kloster St. Blasien. Die entsprechende Strophe des Badnerliedes hätte Anfang des 19. Jahrhunderts also eher gelautet:

In Karlsruh ist die Residenz,

in Lörrach die Fabrik,

in Rastatt ist die Festung,

und das ist Badens Glück!


13. 01. 2014

Der Volksmund in Württemberg wusste es: Der Hohenasperg sei der höchste Berg des Landes. Hinauf komme man schnell, aber oft dauere es Jahre, bis man wieder herunter komme. Die Warze sei er, die das schöne Antlitz Württembergs entstelle, so ein anderes Bonmot. Die Liste der Metaphern ist lang: schwäbische Bastille, Höllenpforte, Demokratenbuckel, Tränenberg oder Hausberg der schwäbischen Intelligenz. Ihren Ursprung haben sie in der Tatsache, dass der Hohenasperg ein politisches Gefängnis ist. Dabei gibt die Frage, wer aus welchen Gründen eingesperrt wird, genauso viel Auskunft über die Ausübung staatlicher Macht wie die Frage, wem und warum Orden verliehen werden.

Im Lauf seiner Geschichte war der Hohenasperg keltischer Fürstensitz, Landesfestung, Militärstrafanstalt, Irrenhaus, TBC-Station, Gefängnis für den zivilen Strafvollzug, sozialtherapeutische Modellanstalt und Zentralkrankenhaus für den baden-württembergischen Strafvollzug. Seine Bedeutung als Erinnerungsort bezieht er aber aus der Tatsache, dass er untrennbar mit der staatlichen Unterdrückung des Kampfes um politische Rechte, Freiheit und Demokratie verbunden ist. Hier lässt sich die Entwicklung von Herrschaftspraxis genauso ablesen wie die schrittweise Zivilisierung von Recht und Justiz seit dem Zeitalter des Absolutismus. Hier lässt sich Machtausübung gegen politische oder gesellschaftliche Bewegungen aufzeigen.

Und hier begegnen sich staatliche Macht und Individuum im Spannungsfeld von Herrschaftssicherung und staatlicher Fürsorgepflicht. Von daher rührt wohl auch die Bezeichnung „Schicksalsberg“. Darüber hinaus zeigen sich am Beispiel des Hohenasperg auch die Zivilisationsbrüche der deutschen Geschichte im Zeitalter des „Zweiten Dreißigjährigen Krieges“ zwischen 1914 und 1945, das die Wiederkehr staatlichen Terrors gegen politisch oder weltanschaulich Andersdenkende und ethnische Minderheiten brachte.


06. 01. 2014

Der badische „Kulturkampf“, der zwischen 1860 und 1876 unter Staatsminister Julius Jolly seinen Höhepunkt fand, hat sich als Prototyp der deutschen Kulturkämpfe in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingeschrieben. Seinen geistesgeschichtlichen Ort hat er in den lang andauernden Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche, zwischen Katholizismus und Protestantismus, dem monarchisch-bürgerlich-liberalen Staatssystem und einer demokratisch-republikanisch gesinnten Volksbewegung, deren Wurzeln man gemeinhin im Jahr 1848 und deren Ende man im Jahr 1918 zu erkennen meint. Indessen wurde der Kampf um die „libertas ecclesiae" und die kulturell-gesellschaftliche Integration des Katholizismus zur Signatur einer ganzen Epoche, die mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann und die als Folge sich steigernder Säkularisierungsschübe in der Gegenwart mit Resakralisierungstendenzen eine gewendete Rückkehr erlebt.

Als unter der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan 1998 der „Kopftuchstreit“ um eine muslimische Lehrerin entbrannte, ging bald die Rede von einem neuen Kulturkampf um. Gleichzeitig war damit die Frage nach der kulturellen Besonderheit eines Landes gestellt, letztlich die Frage nach seiner Identität. „Kultur“, das ist Sprache, Kunst, Kleidung, Lebensart, freilich, aber es ist auch Religion. Diese hat in den vergangenen Jahrhunderten Kulturräume und konfessionelle Landschaften ausgeprägt, stärker und nachhaltiger als politische Grenzen es je vermochten. Noch heute markieren etwa das fränkische „Madonnenländle“ oder die „Oberschwäbische Klosterlandschaft“ grenzüberschreitende Kulturräume, deren Identität sich seit Jahrhunderten anderswoher speist als aus der Loyalität politisch-administrativer Zugehörigkeit.



 

News-Box: BW in den Medien

 

Juni 2017

Schwarzwald ist neues UNESCO-Biosphärengebiet

Teile des Schwarzwalds wurden von der UNESCO zum 16. Biosphärengebiet in Deutschland ernannt. Das Reservat ist etwa 630 km2 groß und liegt südlich und westlich des Feldberges. 2009 war bereits die Schwäbische Alb in die Liste der UNESCO übernommen worden.

zur Seite der UNESCO


Juni 2017

200 Jahre Fahrrad

Am 12. Juni 1817 testete Karl Drais in einer Jungfernfahrt in Mannheim seine Laufmaschine, die "Draisine". Heute gilt seine Erfindung als das Ur-Fahrrad. Baden-Württemberg feiert dieses Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen.

mehr


April 2017

Neues Wappen für BW?

Baden-Württemberg ist 65 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum haben Studierende der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Ideen für ein neues Landeswappen vorgelegt.

zur Bildergalerie


März 2017

Jüngste Bevölkerung in den Flächenländern

Baden-Württemberg ist das deutsche Flächenland, in dem der Altersdurchschnitt am niedrigsten ist. Unter dem Wert von 43,2 Jahren liegen nur noch Hamburg und Berlin. Dennoch werden die Menschen immer älter: Das Durchschnittsalter ist im Vergleich zu 1970 um acht Jahre gestiegen.

mehr Informationen


Februar 2017

Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer

Das Kabinett hat einen Gesetzesentwurf beschlossen, laut dem ausländische Studierende, die nicht aus EU-Ländern kommen, künftig Studiengebühren zahlen müssen. Pro Semester sollen 1500 Euro fällig werden. Gegen den Gesetzesentwurf gab es wiederholt Kritik.

mehr Informationen


Dezember 2016

Karlsruhe ist die lebenswerteste Stadt Deutschlands

zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Fraunhofer Morgenstadt City-Index. Als Gründe dafür werden etwa das milde Klima, das grüne Zentrum, eine aktive Start-up- und Kulturszene sowie die innovativen Ansätze der Smart-City-Strategie angeführt.

Zum Artikel auf Tourismus.de

 
 
 
 
 

Interaktive Karte von Baden-Württemberg

 

Bezirke, Regionen, Kreise und Städte Baden-Württembergs.

Karte

 
 
 
 
 

Impressionen aus dem Land

 

Ein Bilderalbum mit Impressionen aus Baden Württemberg

zum Album

 
 
 
 
 

Landesjubiläum Baden-Württemberg 2012

 

60 Jahre Baden-Württemberg

Das Landesjubiläum war der Jahresschwerpunkt 2012 der Landeszentrale für politische Bildung. Rückblicke, Ausblicke. Gegenwarts- und Zukunftsfragen waren Gegenstand der Auseinandersetzung. Die Veröffentlichungen reichen vom bebilderten Jubiläumsband bis zum kurz gefassten Faltblatt über Baden-Württemberg.

...mehr


 
 
 
 

Nach oben


© 2017 Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
www.lpb-bw.de