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Fotos: LMZ Baden-Württemberg

Aktuelles

07. 07. 2014

Das selbstbewusst-alemannische „Nai hämmer gsait!“ steht symbolisch für den erfolgreichen und stilbildenden Widerstand der Umwelt- und Anti-Atomkraftbewegung rund um den kleinen Ort Wyhl am Kaiserstuhl, wo in den 1970er-Jahren der Bau eines Atomkraftwerks verhindert werden konnte. Ein dreifacher Mythos vom Ursprung rankt sich seither um die Verhinderung des Atomkraftwerks: Wyhl steht erstens für den Beginn der Anti-Atomkraftbewegung in der Bundesrepublik Deutschland, zweitens war der Widerstand in Wyhl stilbildend für den Aufschwung der sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen ab Mitte der 1970er-Jahre und drittens gelten bis heute die Ereignisse in Wyhl als eine entscheidende Wegmarke zur Gründung und Etablierung der Grünen im Südwesten.


30. 06. 2014

Die kommunale Gebietsreform stellt einen tiefen Einschnitt in Baden-Württemberg Anfang der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts dar. Zwei Drittel aller Gemeinden des Landes verschwanden von der Verwaltungskarte, wurden mit anderen Gemeinden fusioniert oder gingen in bestehenden Gemeinden auf, wurden von Städten eingemeindet: Statt 3350 gab es nunmehr nur noch 1110 selbstständige Gemeinden. Durch „Nachbesserungen“ sind heute noch 1101 übrig geblieben. Auch die Landkreise als Gemeindeverbände wurden von der Reform nicht verschont: Aus 63 wurden 35; nur die neun Stadtkreise, in denen Gemeinde und Kreis zusammenfallen, blieben unangetastet.

Die kommunale Gebietsreform stellt dabei nicht nur einen Eingriff in die bis dahin gültige Verwaltungsstruktur dar. Auch für die betroffenen Menschen war sie ein Einschnitt. Rathaus, Kirche und Schule waren über Jahrhunderte hinweg eine Einheit, die identitätsstiftend wirkte. Gemeinden sind Heimat, über die sich die Menschen definieren, mit Nachbarschaften, einem mehr oder weniger umfassenden Vereinswesen, mit Festen und Symbolen, zu denen nicht zuletzt auch das Ortsschild gehört.

Was waren die Gründe für diese kommunale Gebietsreform? Welche Ziele wurden angestrebt? Wie ging der Prozess der kommunalen Gebietsreform vonstatten? Und: Welche Ergebnisse hat sie gezeitigt? An der Stadt Villingen-Schwenningen, die 20 Jahre nach der Gründung Baden-Württembergs gebildet worden ist, lässt sich das exemplarisch darstellen – was umso mehr berechtigt erscheint, als die Doppelstadt auch von der damaligen Landesregierung als Modellfall erfolgreicher kommunaler Gebietsreform und Landesplanung betrachtet wurde.


23. 06. 2014

Die Anekdote ist gut erfunden. „Where are the horses“, soll Queen Elizabeth II. gefragt haben, als sie 1965 durch das Schiller-Nationalmuseum in Marbach geführt wurde und statt der geliebten Pferde Handschriften und Bilder des berühmtesten schwäbischen Dichters ansehen durfte. Marbach am Neckar, nicht Marbach an der Lauter. Unterschiedlicher als die beiden schwäbischen Orte können kaum zwei Namensvettern sein.

Beide allerdings sind berühmt und markieren in ihrem Fach den Olymp: die zum Landkreis Ludwigsburg gehörende Kleinstadt Marbach am Neckar mit dem Geburtshaus von Friedrich Schiller, dem Deutschen Literaturarchiv und den beiden Literaturmuseen; der Weiler Marbach an der Lauter im Gomadinger Ortsteil Dapfen mit dem Landesgestüt und seiner weltbekannten Araberzucht. Pferdenärrische kleine Mädchen zieht es in dieses und später dann oft in jenes, um das vorgestellte Glück im Sattel gegen das der poetischen Imagination einzutauschen.

Doch wie kam es dazu, dass der Olymp der deutschsprachigen Literatur in einem schwäbischen Städtchen liegt und welche Bedeutung spielt dabei die Unterwelt, der Hades?


16. 06. 2014

Entscheidungen über die politische Zukunft Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden an einer Reihe unterschiedlicher Orte wie Jalta, Potsdam, London, Paris, Moskau und Washington getroffen. Am 6. September 1946 war das Württembergische Staatstheater in Stuttgart Schauplatz einer bedeutenden Rede des US-amerikanischen Außenministers James F. Byrnes, die als Meilenstein in die amerikanische Nachkriegspolitik gegenüber Deutschland in die Geschichte eingegangen ist. In der Rede wurde zum ersten Mal deutlich, dass die Feindschaft und der bittere Antagonismus der Kriegsjahre und unmittelbaren Nachkriegsmonate einer amerikanischen Bereitschaft zur Kooperation mit deutschen politischen Institutionen im beginnenden Kalten Krieg gewichen waren.

„Ich bin nach Deutschland gekommen, um mich an Ort und Stelle über die mit dem Wiederaufbau Deutschlands verbundenen Probleme zu orientieren und die Ansichten der Regierung der Vereinigten Staaten über einige der vor uns liegenden Probleme mit unseren Vertretern in Deutschland zu besprechen,“ so Byrnes in seiner Stuttgarter Rede. In der Wahrnehmung der Zeitgenossen gab die Ansprache Anlass zur Hoffnung, dass Deutschland in absehbarer Zukunft wieder in die demokratische Staatengemeinschaft aufgenommen würde und sich wirtschaftlich entwickeln könnte.


09. 06. 2014

Als Ergebnis des von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkriegs verloren rund 12,5 Millionen Deutsche aus den Ostgebieten des Reiches und einer Reihe ostmitteleuropäischer Staaten ihre Heimat. Als Fremde zunächst von der eingesessen Bevölkerung abgelehnt, trugen sie schließlich in einem jahrzehntelangen Eingliederungs- und schließlich Assimilierungsprozess entscheidend zum Wiederaufbau der beiden deutschen Staaten bei.

Die erste bundesweite und öffentliche politische Willensbekundung der Vertriebenen erfolgte mit der am 5. August 1950 im Großen Kursaal in Bad Cannstatt verabschiedeten Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Von ihnen als ihr Grundgesetz bezeichnet, ist die Charta zu einem Erinnerungsort mit bundesweiter Ausstrahlung, nicht nur im Verständnis der Vertriebenen, geworden. Dennoch wird die Anerkennung des 5. August als nationaler Gedenktag für die Opfer von Vertreibung nach wie vor kontrovers diskutiert.


02. 06. 2014

Bebenhausen, seit der Eingemeindung nach Tübingen (1974) mit 340 Einwohnern der kleinste Teilort der zweitkleinsten Universitätsstadt Baden-Württembergs – ein Erinnerungsort im drittgrößten deutschen Bundesland? Die bukolisch-idyllische „Perle des Schönbuchs“ – ein für die demokratisch-politische Kultur relevanter Kristallisationskern kollektiver Erinnerung im Südweststaat? Sollte hierfür gegebenenfalls genügen, dass im ehemaligen Kloster und Jagdschloss ein Kapitel der Gründungsgeschichte unseres Landes geschrieben wurde?

Inwiefern und inwieweit repräsentiert der Sitz eines ephemeren Landtags und zugleich „Behördenvorort“ der kurzlebigen Landeshauptstadt Tübingen eine südwürttembergisch-oberschwäbisch-hohenzollerische Regionalidentität oder gar ein landesgeschichtliches Erbe im weiteren Sinne? Wie viel historische Tiefenbohrung am Gedächtnistopos Bebenhausen ist andernfalls erforderlich, um den Quelltopf symbolischer Bedeutung und kollektiver Sinnstiftung freizulegen und sprudeln zu lassen?


26. 05. 2014

Gurs, im südfranzösischen Département Basses-Pyrénées unweit von Pau und dem Wallfahrtsort Lourdes gelegen, ist zum Symbol mehrfacher „Säuberungen“ und Vertreibungen und insgesamt der Systembrüche des 20. Jahrhunderts geworden. 1939 wurde auf dem Hochplateau von Gurs eines jener improvisierten Sammellager errichtet, in dem die französische Regierung die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Spanien internierte: Zivilisten vornehmlich aus Katalonien, Freiwillige der Internationalen Brigaden sowie Soldaten der nun besiegten Republik.

Das Internierungslager Gurs diente der Unterbringung ganz unterschiedlicher Internierter: vermeintlich oder tatsächlich feindlich gesinnter Ausländer während des „Sitzkrieges“ (drôle de guerre), französischer Kommunisten nach der deutschen Besetzung Südfrankreichs 1942, zuletzt nach der Befreiung als Gefangenenlager für Kollaborateure und deutsche Kriegsgefangene.

In der kollektiven Erinnerung ist Gurs mit keiner dieser heterogenen Interniertengruppen substanziell verbunden. Gurs ist vielmehr Synonym der Internierung jüdischer Zwangsmigranten: Flüchtlingen aus dem von Deutschland annektierten Elsass und Lothringen, vor allem aber den Opfern der ersten Massendeportation aus Deutschland, der sogenannten Oktoberdeportation der badischen und „saarpfälzischen“ Juden. Dies macht Gurs zu einem besonderen Erinnerungsort der badischen Geschichte. Als das unter allen französischen Internierungslagern am längsten bestehende ist Gurs überdies symptomatisch für die oft reibungslos funktionierende Kollaboration des französischen Vichy-Regimes mit dem nationalsozialistischen Deutschland.



 

News-Box: BW in den Medien

 

April 2017

Neues Wappen für BW?

Baden-Württemberg ist 65 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum haben Studierende der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Ideen für ein neues Landeswappen vorgelegt.

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März 2017

Jüngste Bevölkerung in den Flächenländern

Baden-Württemberg ist das deutsche Flächenland, in dem der Altersdurchschnitt am niedrigsten ist. Unter dem Wert von 43,2 Jahren liegen nur noch Hamburg und Berlin. Dennoch werden die Menschen immer älter: Das Durchschnittsalter ist im Vergleich zu 1970 um acht Jahre gestiegen.

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Februar 2017

Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer

Das Kabinett hat einen Gesetzesentwurf beschlossen, laut dem ausländische Studierende, die nicht aus EU-Ländern kommen, künftig Studiengebühren zahlen müssen. Pro Semester sollen 1500 Euro fällig werden. Gegen den Gesetzesentwurf gab es wiederholt Kritik.

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Dezember 2016

Karlsruhe ist die lebenswerteste Stadt Deutschlands

zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Fraunhofer Morgenstadt City-Index. Als Gründe dafür werden etwa das milde Klima, das grüne Zentrum, eine aktive Start-up- und Kulturszene sowie die innovativen Ansätze der Smart-City-Strategie angeführt.

Zum Artikel auf Tourismus.de

 
 
 
 
 

Interaktive Karte von Baden-Württemberg

 

Bezirke, Regionen, Kreise und Städte Baden-Württembergs.

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Impressionen aus dem Land

 

Ein Bilderalbum mit Impressionen aus Baden Württemberg

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Landesjubiläum Baden-Württemberg 2012

 

60 Jahre Baden-Württemberg

Das Landesjubiläum war der Jahresschwerpunkt 2012 der Landeszentrale für politische Bildung. Rückblicke, Ausblicke. Gegenwarts- und Zukunftsfragen waren Gegenstand der Auseinandersetzung. Die Veröffentlichungen reichen vom bebilderten Jubiläumsband bis zum kurz gefassten Faltblatt über Baden-Württemberg.

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