Landeskunde Baden-Württemberg

 

Alt- und Jungsiedelland

Prof. Dr. Hans Gebhardt

Die früher engere Abhängigkeit des Menschen vom naturräumlichen Potenzial der Landschaften bedingt eine relativ starke Beziehung zwischen Naturraum und Beginn menschlicher Besiedlung. Altbesiedelte Regionen sind dabei solche, die bereits vor 900 n. Chr. kontinuierlich unter Kultur genommen wurden.

Ihre Kulturlandschaftsgenese lässt sich bis zur Römerzeit bzw. zur "Landnahmezeit" der germanischen Stämme (seit dem 3. Jahrhundert n. Chr.) zurückverfolgen, punktuell besiedelt waren sie schon zur Bronzezeit und in der keltischen Zeit. Alt und relativ dicht besiedelt waren vor allem die natürlichen "Gunsträume" in Südwestdeutschland, die Gäulandschaften und das Oberrheingebiet, aber auch der nördliche Teil Oberschwabens und als Sonderfall unter den Mittelgebirgen die Schwäbische Alb.

Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert war die wirtschafts- und sozialgeografische Entwicklung in Mitteleuropa durch ein beachtliches Bevölkerungswachstum und einen dadurch ausgelösten Bevölkerungsdruck gekennzeichnet, welche sich durch Binnenkolonisation der bis dahin noch weitgehend unbesiedelten Mittelgebirgsräume ("Jungsiedelland"), aber auch durch Eroberung und Aufsiedlung von Gebieten im Zuge der Ostkolonisation Luft schafften.

Jung besiedelt sind somit die klimatisch und topografisch benachteiligten Mittelgebirgsregionen. Sie wurden erst im Hochmittelalter im Rahmen einer geplanten Siedlungskolonisation durch weltliche oder geistliche Organisatoren (Klöster) aufgesiedelt, meist mit Bevölkerungsüberschuss aus den dicht besetzten Altsiedelräumen. Sie unterscheiden sich in Siedlungs-, Flurformen und traditioneller agrarsozialer Organisation sowie vorherrschenden Wirtschaftsformen deutlich von den altbesiedelten Räumen.

 

Europäischer Großraum "Blaue Banane"

 

Bei Wikipedia finden Sie weitere Informationen zur Entstehung und Bedeutung der "Blauen Banane".

 
 
 
 
 

Geographie Baden-Württembergs

 

Geographie Baden-Württembergs. Raum, Entwicklung, Regionen, 2008. (Hrsg.: Hans Gebhardt)