Landeskunde Baden-Württemberg

 

Historisch-politische Hintergründe

Bauernhof von Franz Martens in Rückenau, Molotschnaer Mennonitengebiet (Amtsbezirk), Gouvernement Taurien, Anfang des 20. Jh. Foto: Willi Vogt (Archiv Viktor Krieger).

Einführung: Russisches Reich bis 1917

Ein hervorstechendes Merkmal des Russischen Reiches war seine Multikulturalität und -konfessionalität, seine Völker- und Sprachenvielfalt. Im Zuge zahlreicher Eroberungs- und Annexionskriege, aber auch durch friedliche Eingliederungen mehrerer Grenzgebiete konnten viele Hochkulturen und indigene Völker einverleibt werden. In den meisten Fällen blieb die Sozialstruktur, Sprache, Wirtschafts- und Lebensweise der nichtrussischen Völker unangetastet. Als oberstes Gebot für die Unterworfenen galten der Reichspatriotismus und die Loyalität dem herrschenden Haus gegenüber.

Territoriale Expansion Russlands zwischen 1462 – 1914. © Bundeszentrale für politische Bildung

Allerdings führte seit Ende des 19. Jahrhunderts der wachsende russische Nationalismus mit seinem Slawophilentum und Panslawismus zu immer größeren Unifizierungs- und Angleichungstendenzen, zu hastigen Russifizierungsmaßnahmen. Das brachte gravierende interethnische Spannungen mit sich, die den Zerfall des Russischen Reiches nach 1917 begünstigten: Polen, Ukrainer, Esten, Georgier, Letten und andere Völker erklärten sich als selbständig, andere forderten größere Autonomierechte.

Eine weitere Besonderheit der russischen Geschichte ist als Folge dieser Entwicklung anzusehen: die Binnenkolonisation. Einerseits strömten Abertausende entlaufene Bauern und Abenteurer unterschiedlichster Couleur in vom Moskauer Zentrum lange Zeit nur sehr schwach kontrollierte Räume wie das Wolgagebiet, Sibirien oder den Nordkaukasus. Doch der Staat betrieb auch von sich aus eine planmäßige Kolonisation: Festungen und Städte wurden gegründet, Kosaken in die neu eroberten Territorien angesiedelt, Fabriken und Werke gebaut und mit leibeigenen Bauern versorgt.

Wann und warum wanderten deutsche Handwerker und Bauern ins Zarenreich ein

Karte der deutschen Mutterkolonien an der Wolga. © Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LDR), Stuttgart.

In diese Tradition der gezielten Urbarmachung und der Besiedlung mit zuverlässigen Bevölkerungselementen reihte sich auch die Anwerbung ausländischer Kolonisten ein, ausgehend von richtungsweisenden Einladungsmanifesten der Kaiserin Katharina II. vom 4. Dezember 1762 und vor allem vom 22. Juli 1763. Sie wurden in mehrere Sprachen übersetzt und in ganz Europa verbreitet.

Das Juli-Manifest sicherte ausländischen Siedlern zahlreiche Rechte zu und versprach vielerlei Vergünstigungen: Fahrt zum gewählten Wohnort auf Staatskosten, kostenlose Zuteilung von Land, freie Steuerjahre, interne Selbstverwaltung, Befreiung vom Militärdienst, Recht auf freie Ausreise, Berufs- und Religionsfreiheit usw. Ein durchschlagender Erfolg zeigte sich vor allem in den deutschen Kleinstaaten und freien Reichsstädten, die unter Überbevölkerung, wirtschaftlicher Deprivation und Folgen des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) litten. Bis 1774 wanderten 30.600 Ausländer, fast nur Deutsche, nach Russland ein und wurden größtenteils in der Gegend um Saratow auf beiden Seiten der Wolga angesiedelt.

Deutsche Auswanderung nach Russland von 1763 bis 1850. Quelle: bpb, cc by-nc-nd/3.0/de/

Kleinere Siedlungsgebiete und einzelne Kolonien entstanden im Umkreis von St. Petersburg, im Gouvernement Tschernigow (heute in der Ukraine), in Livland und unweit von Zarizyn, des gegenwärtigen Wolgograd (Herrnhuter-Kolonie Sarepta).

In der Regierungszeit des Kaisers Alexander I. (1801-1825) erlebte die Kolonisationspolitik einen neuen Aufschwung. Diesmal bildete das Schwarzmeergebiet den geographischen Schwerpunkt, obwohl schon unter der Herrschaft von Katharina II. ausländische Kolonien gegründet worden waren.

Nach den Erfahrungen mit dem Siedlungswerk an der Wolga legte die Regierung nun strengere Auswahlkriterien an: Laut dem Grunderlass vom 20. Februar 1804 sollten in erster Linie erfahrene und vermögende Landwirte und Handwerker einreisen dürfen. Diesmal stammten die Immigranten mehrheitlich aus Westpreußen und Württemberg, ferner aus Baden, dem Elsass und der Pfalz. Dabei spielte die Emigration aus religiösen Gründen eine wichtige Rolle: das betraf v.a. die Mennoniten aus dem Raum um Danzig und aus Westpreußen, die wegen ihrer religiös-pazifistischen Überzeugungen zunehmend wirtschaftlich bedrängt wurden und seit 1789 in mehreren Wellen nach Russland auswanderten. Eine andere Gruppe der religiösen Auswanderer bildeten die württembergischen Pietisten.

Im Gegensatz zum zusammenhängenden Ansiedlungsgebiet der Deutschen an der Wolga kam es diesmal zur Bildung mehrerer Kolonistenbezirke bzw. -gebiete oder -kreise, die sich verstreut im Schwarzmeerraum, d.h. in der heutigen Südukraine, einschließlich die Krim, in Bessarabien (Moldawien) und ferner im Transkaukasus in einer multiethnischen Umgebung befanden.

In dieser Periode der ausländischen Kolonisation wanderten zwischen 50.000 und 55.000 Europäer, hauptsächlich Deutsche, aber auch Franzosen (vornehmlich aus dem Elsass), Schweizer, Polen oder Schweden in das Russische Reich ein.

Deutsche Siedler im Vielvölkerstaat Russland

Eine typische Steppenlandschaft im Unteren Wolgagebiet. Foto: Wladimir Kakorin.

Die angeworbenen Kolonisten wurden von den örtlichen, zumeist orthodoxen Bauern getrennt angesiedelt, in einen eigens für sie geschaffenen Stand erhoben und bis 1871 unter einer besonderen staatlichen Verwaltung mit Deutsch als Amtssprache gestellt: im Wolgagebiet der „Saratower Kontor der ausländischen Ansiedler" und im Schwarzmeergebiet dem „Fürsorgekomitee für ausländische Ansiedler in Südrussland". Die beiden Behörden fungierten als Teil des Ministeriums für Reichsdomäne.

Ungeachtet ziemlich strenger Reglementierung gab es genug Raum für eine gelebte Selbstverwaltung auf der Dorf- und Kreisebene. Gemeindeversammlung bestimmte den Vorsteher (Schulzen) oder den Obervorsteher bzw. -schulzen (auf der Ebene eines Kolonistengebiets), entschied über die Berufung der Geistlichen und Dorflehrer. Gemeindeverwaltung regelte die örtlichen Angelegenheiten und übte die niedere Gerichtsbarkeit aus.

Neben den verwaltungstechnischen und ständischen Schranken spielten auch konfessionelle Unterschiede eine stark trennende Rolle: im Gegensatz zu den benachbarten orthodoxen russischen und ukrainischen Bauern handelte es sich bei den Einwanderern um katholische, evangelische, reformierte oder mennonitische Siedler, später breiteten sich unter ihnen zahlreiche freikirchliche Denominationen aus.

Unter solchen im Vergleich zur alten Heimat Deutschland völlig anderen politischen, sozialen, geographischen und klimatischen Bedingungen, die eine große Anpassungsleistung abverlangten, begann sich allmählich ein neues Selbstverständnis herauszubilden.

Das wies bis in die 1930er starke regionale Züge auf: man nannte sich Wolga-, Schwarzmeer-, Bessarabien- oder Kaukasuskolonisten bzw. -deutsche. Später kamen die Wolhyniendeutschen hinzu, die verstärkt seit den 1860er Jahren auf eigene Faust, ohne staatliche Hilfe aus Preußen und einigen polnischen Provinzen schwerpunktmäßig in das nordwestliche Gouvernements Wolhynien (heute im westlichen Teil der Ukraine) einwanderten.

Für das nationalkulturelle Selbstverständnis der angeworbenen Kolonisten und ihrer Nachkommen war der Umstand entscheidend, dass sie zur Kultivierung und Besiedlung der wenig erschlossenen Gegenden „berufen“ wurden, um den Zaren bzw. dem Staat zu „dienen“. Daraus ergaben sich wechselseitige Pflichten und Rechte wie Produktivität (Nützlichkeit), Kaiser- und Gesetzestreue, Loyalität zum Staat auf der einen und Selbstverwaltung, Glaubensfreiheit, Befreiung vom Militär- und Zivildienst, sprachlich-kulturelle Selbstbestimmung oder freie Auflösung des Dienstverhältnisses auf der anderen Seite. Das Letztere verstand man zumeist als Recht auf Auswanderung, sobald der Herrscher oder die Regierung eigenen Zusagen nicht nachkam oder Gesetze missachtete – und dieses Rechtsverständnis wird in der Geschichte der Russlanddeutschen stets eine zentrale Rolle spielen.

Das wolgadeutsche Seelmann (Rownoje), eines der Zentren des Brothandels im unteren Wolgagebiet, mit den für die Kolonien typischen Getreidespeichern (russ. ambar) und Kamelen als Zugtieren, 1890er Jahre. Bild: entnommen einem Buch aus den Jahr 1903 (Volga: ot istoka do Kaspija. Putevoditel' - Wolga von dem Ursprung bis zum Kaspischen Meer. Ein Reiseführer. Moskau 1903).

1871 kam es zur Aufhebung der staatlichen Sonderverwaltung für die ausländischen Kolonisten und zu ihrer Eingliederung in die allgemeine Verwaltung. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht drei Jahre später löste erste Auswanderungswelle nach Nord- und Südamerika aus. Der Landmangel und die Überbevölkerung führten zur Entstehung der Landlosenfrage, zu Aussiedlungen aus den Mutterkolonien und zur Gründung von zahlreichen sog. Tochterkolonien bzw. -siedlungen, vorerst in den benachbarten Gebieten und seit 1880er Jahre verstärkt im Südural, in Sibirien, in kirgisischen (kasachischen) Steppengebieten oder in Turkestan. Von den im Jahr 1914 geschätzten 2,4 Mio. Deutschen im Russischen Reich lebten etwa 550 000 an der Wolga, 530 000 im Schwarzmeergebiet, 550 000 in Russisch-Polen, ferner in Wolhynien, im Baltikum (Deutschbalten) und verstreut in einzelnen Siedlungen und Städten im ganzen Land.

Die Abschaffung der Sonderstellung hat die deutschen Siedler aus der erzwungenen Isolation befreit und damit eine ungeahnte wirtschaftliche und soziokulturelle Dynamik ausgelöst. Ihr gesamter Landbesitz wuchs von etwa 2,1 Mio. im Jahre 1864 bis auf 8 Mio. ha kurz vor dem Ersten Weltkrieg, und sie stiegen zu den wichtigsten Getreideproduzenten im Russischen Reich.

Insbesondere die sog. mennonitischen Musterwirte fielen durch rationales und effektives Wirtschaften auf. Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte im Schwarzmeergebiet wurden von Betrieben in den ehemaligen Kolonien oder solchen mit russlanddeutschen Inhabern hergestellt. In ihren Händen lagen an der Wolga wichtige Industriezweige wie die Mühlen- und Textilindustrie (Sarpinka). In der Wein- und Kognakproduktion spielten die schwäbischen Kolonien im Transkaukasus eine vorbildhafte Rolle.

Werbekatalog mit Sarpinka-Angeboten des Handelshauses „Andreas Bender und Söhne“ aus Goly Karamysch (Balzer), 1913. Foto: Alexander Spack (mit freundlicher Genehmigung).

In der Wein- und Kognakproduktion spielten die schwäbischen Kolonien im Transkaukasus eine vorbildhafte Rolle.Immer mehr verbreitete sich die Kenntnis der russischen Sprache, durch wachsende persönliche und wirtschaftliche Kontakte und durch den Schulunterricht gefördert. Laut Ergebnissen der 1897 durchgeführten allgemeinen Volkszählung konnten bereits 18,9 Prozent der Wolgadeutschen, die mindestens zehn Jahre alt waren, und 42 Prozent der Schwarzmeerdeutschen der gleichen Altersgruppe russisch lesen. In anderen ethnischen Gemeinschaften war die Kenntnis des Russischen wesentlich schwächer verbreitet: der entsprechende Prozentsatz belief sich unter Polen nur auf 17,5 Prozent, unter Litauern auf 8,4 Prozent, unter Georgiern auf 5,5 Prozent und unter Angehörigen der zentralasiatischen Völker auf lediglich 0,4 Prozent.

Bis zum Ersten Weltkrieg hatte die breite Masse der (An)Siedler-Eigentümer, auch (An)siedler-Gutsbesitzer genannt – so hießen nun seit 1871 offiziell die einstigen Kolonisten – kaum Kontakte zu Personen und Institutionen in der alten Heimat; immerhin gingen seit Ende des 19. Jahrhunderts Dutzende Absolventen der Realschulen und Gymnasien jährlich zu Studienzwecken ins deutschsprachige Ausland und bildeten somit einen nennenswerten Faktor im Technologie- und Wissenstransfer nach Russland. Seit den 1870er Jahren wanderten dagegen abertausende deutsche Bauern bezeichnenderweise nicht in die „Urheimat“ Deutschland, sondern in die Überseestaaten USA, Kanada oder Argentinien aus.

Das wohl bekannteste Foto eines russlanddeutschen Immigranten in die USA. Es handelte sich um Jakob Mittelstädt aus der Siedlung Klöstitz in Bessarabien, der 1905 mit der Frau, Tochter und sieben Söhnen in die bereits von seinen Landsleuten gegründete Siedlung Kulm in Norddakota weiterzog. Foto: Augustus F. Sherman, gemeinfrei.

Dort konnten sie Land preiswert kaufen und ihre traditionell-bäuerliche Wirtschaftsweise fortführen.

Das Alltagsleben der Kolonisten war von tiefer Frömmigkeit und religiöser Überzeugung geprägt. Die Pastoren und Padres genossen großes Vertrauen und Autorität im Siedlermilieu. Die Einwanderer zogen nach Russland oft aus religiösen Gründen, was später nicht selten zu Gemeindespaltungen, zur Bildung von Stunden- und Brüderkreisen, auch unter den russischen und ukrainischen Bauern und, schließlich, zur Ausbreitung des Baptismus und Adventismus führte.

Evangelische Kirche in Eigenfeld, Kreis Melitopol in Taurien. Foto: LDR, Stuttgart.

Die in Russland einzige Theologische Fakultät der Universität Dorpat, heute Tartu in Estland, bildete Seelsorger für die evangelischen und das Priesterseminar in Saratow für die katholischen Kirchengemeinden aus. Seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden sie zunehmend von den sog. „Kolonistensöhnen" besucht. Zusammen mit den Volksschullehrern bzw. Schulmeistern und mit Dorfschreibern, die in den sog. Zentralschulen ausgebildet wurden, stellten sie lange Zeit den Kern der zahlenmäßig kleinen Gruppe der nationalen Intelligenz.

Das Schulwesen der deutschen Siedler war von Anfang an stark konfessionell geprägt; die Dorfschule bereitete die Jugendlichen in erster Linie auf die Konfirmation beziehungsweise Firmung vor. Bei allen Unzulänglichkeiten konnten diese kirchlichen Schulen den meisten Kindern das Lesen beibringen; von den Knaben wurden zusätzlich Schreibfähigkeiten und Rechnen erwartet. Erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden in den größeren Kolonien private und staatliche Knaben- und Mädchengymnasien, Real- und Kommerzschulen und andere Typen von Mittelschulen. Auf diese Zeit, vorzugsweise seit dem Übergang zur konstitutioneller Monarchie im Jahr 1905 („Oktobermanifest“), gehen die Anfänge der schöngeistigen Literatur und der historischen Heimatkunde zurück. Zugleich erlebte das nationale deutschsprachige Presse- und Verlagswesen ihre erste Blüte.

Obwohl Zehntausende Schwarzmeer- und Wolgadeutsche in der russischen Armee an der vordersten Front kämpften, und im Hinterland die Kriegsbemühungen unterstützten, erfuhren die schon seit den 1880er Jahren artikulierenden antideutschen und -kolonistischen Ressentiments während des Ersten Weltkrieges ihre erste Zuspitzung.

Werke von Heimat- und Amateurhistorikern kolonistischer Herkunft, die etwa um 1900 enstanden sind.

 

  • Volkslieder und Kinderreime aus den Wolgakolonien / Gesammelt und mit einem Anhang von Rätseln zum 150jährigen Jubiläum der Wolgakolonien. Hgg. v. Johannes Erbes und Peter Sinner. Saratow 1914. Link
  • Gottlieb Beratz: Die deutschen Kolonien an der unteren Wolga in ihrer Entstehung und ersten Entwicklung. Gedenkblätter zur hundertfünfzigsten Jahreswende der Ankunft der ersten deutschen Ansiedler an der Wolga. 29. Juni 1764 – 29. Juni 1914. Saratow 1915. Link
  • Jakob Stach: Die deutschen Kolonien in Südrussland. Kulturgeschichtliche Studien und Bilder über das erste Jahrhundert ihres Bestehens. Dem ältesten deutschen Kolonistenbezirk Großliebental, Freudental und der Odessaer Filiale Lustdorf zum Jubiläumsfeier gewidmet. 1. Teil. Prischib, 1904
  • Peter Friesen: Die alt-evangelische Brüderschaft in Russland (1789–1910) im Rahmen der mennonitischen Gesamtgeschichte. Halbstadt, Taurien 1911 (Reprint 1991). Link  On-line:
  • Konrad Keller: Die deutschen Kolonien in Südrussland (Nachdruck in einem Band: Nürnberg 2000)

-       Band 1: Ein Überblick der Kulturentwicklung derselben im Verlaufe von 100 Jahren, nebst den Chroniken der katholischen Kolonien Kleinliebental, Josephstal, Mariental und Franzfeld. Als Jubiläumsausgabe zum 100jährigen Bestehen derselben. Odessa 1905

-       Band 2. Die Beresaner Kolonien Landau, Speier, Sulz, Karsruhe, Katharinental, Rastatt und München historisch, geographisch und statistisch beschrieben und als deutsches Kulturbild aus der russischen Steppe dargestellt. Odessa 1914

Pflichtbewusste und loyale Siedler aus Katharinenfeld in Georgien (Transkaukasus) als russische Soldaten, 1915. Die meisten kämpften an der türkischen Front. Archiv: Viktor Krieger.

Es kam zu Umbenennungen der Städte und ländlichen Siedlungen, zum Verbot der nationalen Presse, zu Deportationen der Wolhyniendeutschen und Ausweisungen aus den frontnahen Gebieten. In Moskau fand vom 26. bis 29. Mai 1915 ein großangelegter antideutscher Pogrom statt, der mehrere Tote und Verwundete forderte. Schwerwiegendere Folgen bereiteten die gesetzlichen Regelungen zur Enteignung des Landbesitzes der „russischen Untertanen feindlicher Abstammung“, die sog. Liquidationsgesetzgebung.

Erst die bürgerliche Februarrevolution von 1917, die zur Abdankung des Zaren und zur Bildung einer provisorischen Regierung führte, verhinderte die vollständige Entrechtung der „russischen Bürger deutscher Abstammung“.

von Dr. Viktor Krieger

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Weitere Links

 

Erik-Amburger-Datenbank „Ausländer im vorrevolutionären Russland“. Enthält biographische Daten zu zehntausenden Personen, die z.T. auch in der UdSSR wirkten. Allerdings ist die Überschrift etwas irreführend: hier handelt es sich nicht nur um Ausländer, sondern v.a. um russische  Untertanen/Staatsbürger mit einem „ausländischen“, d.h. deutschen, auch deutschbaltischen, ferner griechischen, schwedischen, französischen etc. Hintergrund

Private, aber sehr solide aufgebaute Seite über mennonitische Ansiedlungen in Russland, deren Geschichte und Ahnenforschung. Mit zahlreichen digitalisierten Publikationen, Dokumenten und Periodika vornehmlich auf Deutsch, aber auch auf Russisch und Englisch.

Geschichte der Russlanddeutschen, erstellt von Dr. Wolfgang Kagel in Zusammenarbeit mit dem Berliner Landesinstitut für Schule und Medien, Hessischer Landeszentrale für politische Bildung und anderen Institutionen bzw. historischen Vereinen und Privatpersonen, Stand 1998.

Wolhyniendeutsche: Geschichte und Ahnenforschung

Privates, aber solides Forum zu den Wolgadeutschen, vornehmlich auf Russisch, aber mit mehreren Beiträgen und vielen Digitalisaten auf Deutsch (Artikel, Aufsätze, Bücher und Periodika) und mit einem reichhaltigen Bildmaterial.

Center for Volga German Studies – den Wolgadeutschen gewidmetes Portal aus den USA, das seinen Sitz an der privaten lutherischen Concordia University in Portland, Ohaio hat (auf Englisch)

Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online, wird von mennonitischen Institutionen und Organisationen aus den USA und Kanada getragen, mit informativen Material zu Personen, Ereignissen, Gemeinden (auf Englisch)

Mennonitisches Lexikon, erstellt im Auftrag des Mennonitischen Geschichtsvereins e.V., 67295 Bolanden Weierhof:

Eine privat aufgebaute, informative Seite zur Täufergeschichte.

On-line Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, unter  wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Sabine Doering (Institut für Germanistik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) und Prof. Dr. Matthias Weber (Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg).

 
 
 
 
 

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Allgemeine historisch-politische Hintergründe

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