Landeskunde Baden-Württemberg

 

Religionen und Konfessionen

Gipfelkreuz. Foto: Anna Vogel

In Baden-Württemberg gehört mit 72 Prozent der überwiegende Teil der Bevölkerung den beiden großen christlichen Konfessionen an: Rund 3,9 Millionen Menschen gaben 2011 an, katholisch zu sein, während sich 3,5 Millionen zum Protestantismus bekannten (Zensus-Umfrage). Auf regionaler Ebene gibt es bei den Konfessionen allerdings deutliche Unterschiede, die sich über die Jahre hinweg ausgeformt und verfestigt haben. Diese bleiben noch immer deutlich erkennbar - trotz tiefgreifender demographischer und gesellschaftlicher Veränderungen.


Katholische Kirche

Evangelische Landeskirche

Freikirchen, Ostkirchen, Sonderkirchen

Jüdische Gemeinden

Islam


Religionsangehörigkeit in Baden-Württemberg, 2011. Grafik: Anna Vogel. Hintergrund: Münster Unserer Lieben Frau in Lindau. Foto: MaxMann, pixabay, CC0 Public Domain.

Historische Zersplitterung

Seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 galt die Regel, dass der Landesherr das Bekenntnis in seinem Territorium bestimmt („cuius regio eius religio“). Die Konfession der Untertanen war somit durch die Obrigkeit vorgegeben. Im Fall des Widerspruchs blieb letztlich nur die Auswanderung. Die verschiedenen Konfessionsräume bilden daher auch die territoriale Zersplitterung des deutschen Südwestens in der Zeit des Alten Reiches vor 1803 bzw. 1806 ab. So ist in weiten Teilen des ehemaligen Herzogtums Württemberg die Bevölkerung überwiegend evangelisch. Auch in Baden zeigen sich die älteren Herrschaftsverhältnisse noch deutlich: die Markgrafschaft Durlach und die Kurpfalz sind evangelisch, Baden-Baden ist katholisch, ebenso die ehemals vorderösterreichischen Gebiete im Breisgau, im Südschwarzwald und in der Ortenau. Oberschwaben, die neuwürttembergischen Gebiete in Ostwürttemberg, die Besitzungen des Deutschen Ordens sowie die „eingesprenkelten“ bischöflichen und klösterlichen Gebiete sind ebenfalls mehrheitlich katholisch.

Nur in wenigen Städten gab es ein unmittelbares Zusammenleben der Konfessionen. Eine Sonderrolle nehmen hier die beiden paritätischen ehemaligen Reichsstädte Biberach und Ravensburg ein, in denen beide Konfessionen gleichgestellt waren. In der protestantischen Kurpfalz um Mannheim und Heidelberg konnte sich im 18. Jahrhundert eine starke katholische Minderheit etablieren.

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Wandel der konfessionellen Verhältnisse

Im 19. Jahrhundert begannen sich die tradierten konfessionellen Verhältnisse zunächst in den größeren Städten vor allem aufgrund der steigenden Mobilität zu verschieben. So stieg der Bevölkerungsanteil der jeweils anderen Konfession vor allem in Ulm, Stuttgart, Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg an. Doch erst die tiefgreifenden Bevölkerungsverschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg brachen die geschlossenen Konfessionsräume in Baden-Württemberg dauerhaft auf. Die Heimatvertriebenen, die im Südwesten aufgenommen wurden – mehrheitlich Katholiken –, veränderten die lokalen und regionalen konfessionellen Verhältnisse tiefgreifend. In den folgenden Jahrzehnten stieg der Katholikenanteil in Baden-Württemberg weiter an, da die Zuwanderer aus dem romanischen Mittelmeerraum fast ausschließlich katholisch waren. Zudem waren die Geburtenraten des katholischen Bevölkerungsanteils konstant höher als die der Protestanten. Daher verschoben sich die Zahlenrelationen zwischen den beiden großen Konfessionen 1966/67 erstmals zugunsten der Katholiken – ein Trend, der bis heute anhält.

Heute sind noch etwa 7,6 Millionen der 10,7 Millionen Baden-Württemberger Mitglieder der katholischen oder der evangelischen Kirche. Neben den Kirchenaustritten, die seit Mitte der 1960er Jahre deutlich zunehmen, und dem verstärkten Zuzug von konfessionell nicht gebundenen Deutschen aus der ehemaligen DDR spielt bei der Abnahme des konfessionell gebundenen Bevölkerungsanteils auch die Struktur der nicht deutschen Bevölkerung eine Rolle. Die „Gastarbeiter“ der ersten Generation kamen noch vorwiegend aus katholischen Ländern (Italien, Spanien, Portugal, Kroatien) und kehrten oftmals wieder in ihre Heimatländer zurück.

Dagegen stieg der Anteil von Einwanderern aus muslimischen Ländern, vor allem aus der Türkei, aber auch aus den Bürgerkriegsländern des Balkan,  deutlich an. Begünstigt durch die im Vergleich zur deutschen Bevölkerung höheren Geburtenraten von Muslimen verdoppelte sich die Zahl der Muslime von etwa 270.000 im Jahr 1987 auf derzeit geschätzte 600.000.

 

Statistisches Landesamt

 

Was der Zensus über die Religion verrät

Was sind die Ergebnisse des Zensus 2011 für Baden-Württemberg? Welche Aussagen können anhand der Umfrage getroffen werden und wo gibt es Lücken?

zur Veröffentlichung

 
 
 
 
 

Aktuelles Geschehen

 

Runder Tisch der Religionen

Im Mai 2017 gab es zum ersten Mal einen "Runden Tisch der Religionen" auf Landesebene. Sozialminister Lucha traf sich dafür mit Vertreter/innen der landesweit organisierten Glaubens- und Religionsgemeinschaften sowie der säkularen Bürgergesellschaft. Ziel ist ein besserer Austausch zwischen allen Beteiligten.

 
 
 
 

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