Landeskunde Baden-Württemberg

 

Historische Territorien

Karte: Landesvermessungsamt Baden-Württemberg

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestanden auf dem Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg die traditionsreichen Länder Baden, Württemberg und das preußische Hohenzollern. Sie verdankten ihre Gestalt der napoleonischen Flurbereinigung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1803 und 1810 veränderte ein „Länderschacher“ in bis dahin unvorstellbarem Ausmaß die territoriale Gestalt des deutschen Südwestens. Er hat Grenz- und Bewusstseinsräume geschaffen, die über rund 150 Jahre hinweg und in vielerlei Hinsicht bis heute die regionale und kleinräumige Identifikation der Menschen im Südwesten geprägt haben.


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Am Vorabend der Französischen Revolution bot der deutsche Südwesten mit seinem kleinkammrigen Bauplan von mehr als 250 selbstständigen Territorien das klassische Bild der „Kleinstaaterei“ im hochgradig zersplitterten Alten Reich. Vier große Territorien formten dabei den Grundstock der Silhouette, die man heute mit dem Land Baden-Württemberg verbindet: die Kurpfalz, das Herzogtum Württemberg, die Markgrafschaft Baden – lange getrennt in die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach – sowie die vorderösterreichische Ländermasse, die vom Schwarzwald über die fünf habsburgischen Donaustädte bis zur Grafschaft Hohenberg und mit Rottenburg bis kurz vor Tübingen reichte.

Daneben bestanden die Strukturen kleiner Kultur aus Fürstentümern wie Hohenzollern, Hohenlohe, Waldburg (jeweils mit Unterteilungen), Fürstenberg, Thurn und Taxis sowie zahlreichen kleinen Graf- und Reichsritterschaften. Geistliche Herrschaften kamen hinzu: Konstanz, Basel, Straßburg, Speyer und Worms, die Hochstifte, wie der weltliche Herrschaftsbereich der Fürstbistümer genannt wird; zahlreiche Reichsabteien wie Schöntal, Zwiefalten, Rot an der Rot, Weingarten, Salem oder Neresheim, sowie Deutschordensgebiete wie Mergentheim, Altshausen und Mainau. Nicht zuletzt sorgten die 24 der insgesamt 51 Reichsstädte des Alten Reiches auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg für weitere Vielfalt auf dem südwestdeutschen territorialen Flickenteppich.

Die Konfession prägt die Landschaften

Ein Teil dieser Territorien war evangelisch – die Kurpfalz, die alte Markgrafschaft Baden-Durlach und das Herzogtum „Wirtemberg“. Ein anderer Teil war beim „alten Glauben“ geblieben – die Teile des Landes südlich der Donau, die wir heute Oberschwaben nennen, die vorderösterreichischen Gebiete der Ortenau und des Breisgaus, weite Teile Ostwürttembergs (Fürstprobstei Ellwangen und Reichsstadt Schwäbisch Gmünd) oder der Deutschordenssitz Mergentheim. Die Reichsstädte Biberach und Ravensburg waren paritätisch – Katholiken und Protestanten also gleichgestellt. Der territorialen Vielfalt entsprach eine konfessionelle Vielfalt, die getreu dem Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens von 1555 entstanden war, wonach jeder Landesherr die Konfession seiner Untertanen bestimmte („cuius regio, eius religio“).

Im 19. Jahrhundert, nach der „Arrondierung“ der Gebiete, ging es in den beiden Mittelstaaten Baden und Württemberg darum, ein modernes Staatswesen mit effizienter Verwaltung aufzubauen, um so auch die innere Integration der Länder voranzutreiben. Im Zuge der Säkularisierung der geistlichen Herrschaften und der Mediatisierung der kleineren weltlichen Herrschaften und der Reichsstädte waren die beiden Länder Baden und Württemberg zwischen 1803, 1806 und der letztendlichen vertraglichen Lösungen bis 1815 enorm gewachsen: Württemberg wuchs nach Fläche und Einwohnern auf gut das Doppelte. Noch deutlicher war der Zuwachs in Baden, das sich der Fläche nach vervierfachte und seine Einwohnerzahl versechsfachte.


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Die konfessionelle Vielfalt sollte dabei zum innenpolitischen Problem werden – in Baden stärker als in Württemberg. In Baden, das in der alten Markgrafschaft schon in sich heterogener gewesen war und dem ein großer, territorial geschlossener Kern fehlte, ging es darum, die Katholiken Südbadens und die Kurpfälzer in das neue Großherzogtum zu integrieren. In Württemberg, nun zum Königreich erhoben, galt es, die Katholiken der neuwürttembergischen Gebiete in Oberschwaben und Ostwürttemberg mit den protestantischen, pietistisch geprägten Altwürttembergern zu „versöhnen“.

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Heft 1/2001 PDF (2 MB) 

 
 
 
 
 

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