Landeskunde Baden-Württemberg

 
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Ausfall der Badischen Freischaren aus der Festung Rastatt am 8. Juli 1849 Foto: LMZ Baden-Württemberg

Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen in Württemberg und Baden

Die Ergebnisse des Wiener Kongresses von 1815 hatte zwar für Ruhe und Ordnung in Europa gesorgt, neue Ideen und Forderungen nach Verwirklichung einer republikanischen Staatsform wurden aber durch eine repressive Politik im Keim erstickt. Die Beschneidung der freien Meinung und des Versammlungs-wesens, das Hochhalten einer normengeleiteten Außenpolitik, die sich doch wieder realen Zielen verpflichtet fand und die übrigen repressiven Maßnahmen, um jegliches Nationalbewusstsein der Deutschen und anderer europäischer Völker zu unterdrücken, erzürnte insbesondere die Liberalen.

Liberale in Baden

Gerade diese politische Gruppe trat für ein lockeres Verhältnis zum Staat ein, die Freiheit des Einzelnen sollte gewährleistet werden. Bevölkerung und König fühlten sich in Württemberg den Ideen der gemäßigten Liberalen verpflichtet, selbst der König kritisierte die Beschlüsse der "Heiligen Allianz" aus Österreich, Preußen und Russland und setzte sie - gezwungenermaßen - fast nur auf dem Papier um. 

In Baden war die liberale Bewegung ungleich stärker als in Württemberg. Es war ihr Verdienst, dass das Großherzogtum 1818 eine eigene Verfassung erhielt, die als die fortschrittlichste und liberalste Verfassung in Europa galt, so wurden z.B. die allgemeinen Menschenrechte garantiert. Das neu errungene Recht nutzten die Abgeordneten, um ihre Vorstellungen eines modernen Baden zu verwirklichen und dem Monarchen Vorschläge zu unterbreiten. Die konservative Regierung versuchte alles, um den Liberalen Einhalt zu gebieten.

Bis 1830 regierte die Reaktion, der Landtag wurde schließlich nur noch alle drei Jahre einberufen und die Abgeordneten drangsaliert. Auch die Wahlmänner in den Bezirken wurden angehalten, konservativ zu wählen, die Ergebnisse der Urwahl waren nicht verpflichtend. Diese Politik zeigte zunächst Erfolg, die Liberalen wurden aus dem Landtag gedrängt und verloren so ihre politische Bühne.

Württemberg

In Württemberg wurde die Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen nicht so scharf geführt. Dies lag auch daran, dass die Konservativen nicht halsstarrig an einer überkommenden Politik festhielten, sondern die Verbindung von Regierung, Ministerialverwaltung und Monarchie festigte. Oberstes Prinzip war es, dass der Staat nicht von "Parteiinteressen" aufgezehrt würde und Ruhe und Ordnung garantiert würden. Bestrebungen wie in Baden wieder zu einer absoluten Monarchie zurückzukehren wurden in Stuttgart beispielsweise nicht angestellt.

Grundlegend änderte sich die Situation im deutschen Südwesten mit der Julirevolution von 1830 als durch die Inthronisation des "Bürgerkönigs" Louis Philippe offenbar wurde, dass eine Revolution nach französischem Vorbild nicht ausgeschlossen war. Die Herrschenden verstärkten die Repression, mussten aber gleichzeitig Zugeständnisse machen, tatsächliche Presse- und Meinungsfreiheit musste in Baden gewährt werden. Dies nutzte in den folgenden Jahren vor allem den Liberalen, die Zeitungen und Versammlungen nutzen, um die bürgerliche Partizipation durchzusetzen. In Württemberg waren die Verhältnisse weit ruhiger, große Auseinandersetzungen blieben aus. Insgesamt hatte sich die Konsenspolitik König Wilhelms durchgesetzt und ausgezahlt.

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Die Revolution von 1848/49 und ihre Ursachen

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Friedrich Hecker Foto: LMZ Baden-Württemberg

Die vermeintliche Ruhe des Vormärzes wurde mit einem Schlag durch die Deutsche Revolution von 1848/49 zerstört. Drei Ursachen lassen sich für die deutsche Revolution feststellen: Aus Frankreich wurden Anfang des Jahres 1848 revolutionäre Ereignisse gemeldet, die als Anlass für das Bürgertum zum Aufbegehren gegen die repressive Ordnung interpretiert wurden, zudem verschärfte die schlechte Versorgungsgrundlage aufgrund der großen Kartoffelfäule die Stimmung auf dem Land.

Der "Heckerzug"

Zunächst hatten sich die revolutionären Kräfte in Baden, z.B. ihr Anführer Friedrich Hecker, aber auch gemäßigtere Personen wie Gustav von Struve, durch die Einberufung des Frankfurter Paulskirchenprozesses 1848 erneut auf eine spätere gesamtdeutsche Verfassung mit garantierten Grund- und Freiheitsrechten vertrösten lassen. Als aber deutlich wurde, dass auch die Paulskirchenverfassung von den Fürsten der deutschen Länder nicht angenommen werden würde, begann in Baden der bewaffnete Kampf. 

Aufgrund von Mängeln in der Ausrüstung, vor allem aber wegen der überschätzten revolutionären Lage - die Landbevölkerung war zwar hungrig, brachte aber lieber die neue Ernte ein, als sich einem ungewissen revolutionären Unternehmen zu beteiligen - scheiterte der "Heckerzug" durch Baden. Preußische Truppen, die nach Baden entsandt worden waren, zerstörten rasch durch ihre militärische Übermacht die Hoffnung auf eine republikanische Zukunft.

Auch die Paulskirchenversammlung wurde durch den als "Kartätschenprinz" bekannten preußischen Kronprinz und späteren ersten deutschen Kaiser Wilhelm I. aufgelöst und ihre Mitglieder vertrieben. Das Frankfurter Parlament floh in Teilen ins liberale Stuttgart, das zuvor kaum von den revolutionären Wirren in Baden betroffen gewesen war. Politisch musste der württembergische König Wilhelm I. im Frühjahr 1848 handeln, seine konservativen Minister entlassen und durch Liberale ersetzen. Doch insgesamt blieb es in Württemberg auch aufgrund der umsichtigen Politik von König, Regierung und Verwaltung ruhig, die Revolution blieb auf das Nachbarland beschränkt. Als diese überzugreifen drohte, als badische Revolutionäre nach Württemberg marschierten, wurden diese von der Armee vernichtend geschlagen.

König Wilhelm überließ unter dem Eindruck der Ereignisse die notwendigen Reformen, die in den folgenden Jahren nötig gewesen wären, seinem Nachfolger. Auch in Baden war nach dem Ende der 1848er Revolution Ruhe eingekehrt, wenn auch eine bleierne. Die konservative Reaktion hatte die Schaltstellen der Macht zurückerobert, mittlerweile waren neue gesellschaftliche Herausforderungen heraufgezogen: Die Debatte um die Bildung eines einheitlichen Nationalstaates, der Kulturkampf und die Bedeutung des Großherzogtums innerhalb Deutschlands waren Fragen, die sich je länger je mehr stellten. 

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Karl von Rotteck

 

Karl von Rotteck (1775 - 1840)

Badischer Liberaler, der für Pressefreiheit eintrat und einigen Einfluss auf die badische Verfassung von 1818 hatte.

 

 
 
 
 
 

Badische Verfassung

 

Titelblatt einer Jubiläumsausgabe zum 25-jährigen Bestehen der badischen Verfassung 1843.

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Literaturhinweis

 

Hans-Peter Becht: Badischer Parlamentarismus 1819 bis 1870. Ein deutsches Parlament zwischen Reform und Revolution. Droste Verlag, Düsseldorf 2009. 934 Seiten. ISBN 978-3-7700-5297-4. EUR 98.-

Weitere Literatur finden Sie hier.