Landeskunde Baden-Württemberg

 

Historische Persönlichkeiten - Politik

Die Ministerpräsidenten des Landes und weitere wichtige politische Persönlichkeiten stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor.

Prinz Max von Baden

Max von Baden (1867-1929) war Thronfolger des Hauses Baden und 1918 letzter Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs. Durch die von ihm eigenmächtig verkündete Abdankung Kaiser Wilhelms II. und seine Pläne zur Parlamentarisierung des politischen Systems 1918 hatte er maßgeblichen Anteil am Ende des Hohenzollernreiches.


Anna Blos

Anna Blos (1866-1933) war zu ihrer Zeit die einzige Abgeordnete der württembergischen SPD in der Weimerer Nationalversammlung. Neben ihrem politischen Amt verfolgte sie auch journalitische und Vereinstätigkeiten sowie ihren Beruf als Lehrerin. Trotz ihrer bürgerlichen Herkunft war ihre politische Gesinnung stets sozialistisch geprägt.

Wilhelm Blos

Zunächst viele Jahre als Journalist tätig, schlug Wilhelm Blos (1849-1927) schließlich den Weg der Politik ein und wurde 1877 in den Reichstag gewählt. Durch seinen zurückhaltenden Reformkurs wurde er zur politischen Integrationsfigur und wurde letztlich zum württembergischen Landespräsidenten gewählt. Wie seine Frau Anna engagierte sich auch Wilhelm Blos für die Frauenrechte.

Eugen Bolz

Der in Rottenburg am Neckar geborene Eugen Bolz (1881-1945) war ein bedeutender Kritiker des NS-Regimes. 1928 bis 1933 war Bolz Staatspräsident Württembergs. In Folge seiner offenen Kritik am Nationalsozialismus wurde er mehrere Wochen inhaftiert und 1945 schließlich im Zuchthaus hingerichtet.


Friedrich Ebert

Der erste Reichspräsident der Weimarer Republik Friedrich Ebert (1871-1925) galt den einen als "Vertreter der kleinen Leute", den anderen als "Novemberverbrecher". Als Parteivorsitzender der SPD bemühte er sich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, den Parlamentarismus voranzubringen.

Matthias Erzberger

Der württembergische Abgeordnete der Zentrumspartei Matthias Erzberger (1875-1921) unterzeichnete den Waffenstillstand von 1918 und wurde auch aus diesem Grund als vermeintlicher "Novemberverbrecher" zum Feindbild der Rechtsextremen in der Weimarer Republik. Er fiel 1921 einem politsichen Mord zum Opfer.


Eugen Gerstenmaier

Bereits als Student setzte sich Eugen Gerstenmaier (1906-1986) aktiv gegen staatliche Übergriffe des Nationalsozialismus in den Raum der Kirche ein. In der jungen Bundesrepublik war er lange Jahre Bundesvorsitzender der CDU und Bundestagspräsident. In diesen Funktionen beteiligte er sich auch am Wiederaufbau Deutschlands nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Anna Haag

Die Namenspatin des Anna Haag - Hauses in Bad Canstatt setzte sich in der Nachkriegszeit für Frauenrechte, Frieden und Humanität ein. Anna Haag (1888-1982) war auch die Urheberin der parlamentarischen Initiative für das bis heute im Grundgesetz verankerte Recht auf Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe.


Theodor Heuss

Theodor Heuss (1884-1963) war der erste deutsche Bundespräsident und prägte sein Amt vor allem durch Würde und Persönlichkeit. In seiner Amtszeit von 1949 bis 1959 trug er maßgeblich zur Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer Geschichte und zum Abbau von Vorurteilen gegen die Deutschen in der Weltöffentlichkeit bei.


Elly Heuss-Knapp

Bereits bevor sie ihren Mann Theodor Heuss kennenlernte, war Elly Heuss-Knapp (1881-1952) unter anderem in der Bildungspflege tätig. Später warb sie für die Nutzung des neu gewonnenen Frauenwahlrechts. Während des NS-Regimes wurde das Haus Heuss zu einem Anlauf- und Treffpunkt für Verfolgte und Gegner des Regimes.

Oskar Kalbfell

Der langjährige Reutlinger Oberbürgermeister Oskar Kalbfell (1897-1979) war seit Ende des Ersten Weltkrieges Mitglied der SPD und tätig im Reutlinger Gemeinderat. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er als Oberbürgermeister der Stadt Reutlingen am Wiederaufbau beteiligt. Später war er außerhalb der Stadtpolitik auch Mitglied des ersten Bundestages.

Wilhelm Keil

Wilhelm Keil (1870-1968) war langjähriges SPD-Mitglied, Abgeordneter im Reichstag und Mitglied der württembergischen Landesregierung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Keil Mitglied der Arbeitsgemeinschaft "Der Bürger im Staat", die einen Vorläufer der heutigen Landeszentrale für politische Bildung darstellt.

Kurt Georg Kiesinger

Als "wandelnder Vermittlungsausschuss" wurde er bezeichnet, und als "Häuptling Silberzunge" - Kurt Georg Kiesinger (1904-1988) zeichnete sich vor allem durch sein Vermittlungstalent und seine Eloquenz aus. 1958-1966 war er Ministerpräsident in Baden-Württemberg, 1966-1969 deutscher Bundeskanzler.


Arnulf Klett

Von 1945 bis 1974 war Arnulf Klett (1905-1974) Oberbürgermeister von Stuttgart. Als Kritiker des NS-Regimes wurde er 1933 für einige Wochen im Konzentrationslager inhaftiert, bevor er nach dem Zweiten Weltkrieg als Oberbürgermeister eingesetzt wurde. Er zeichnete sich vor allem durch sein aktives Engagement in der Stadtpolitik aus.

Heinrich Köhler

Heinrich Köhler (1878-1949) war sowohl Staatspräsident Badens und Reichsfinanzminister der Weimarer Republik, als auch stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister Württemberg-Badens. Er engagierte sich tatkräftig für den politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau nach 1945.



Walter Krause

Als langjähriger SPD-Politiker prägte Walter Krause (1912-2000) maßgeblich die Baden-Württembergische Politik. Zu seinen Errungenschaften zählen unter anderem eine Schulreform, die die konfessionelle Trennung aufhob und seine maßgebliche Beeinflussung der inneren, verfassungsrechtlichen Strukturen Baden-Württembergs.


Marie Kurz

Ursprünglich einer Ulmer Adelsfamilie entstammend, setzte sich Marie Kurz (1826-1911) Zeit ihres Lebens für demokratische Gleichheit und Gerechtigkeit, für Freiheit und Menschenrechte ein. Mit ihrem politischen Engagement war sie eine der wenigen weiblichen Figuren in der Politik des 19. Jahrhunderts.

Reinhold Maier

Als erster Minsiterpräsident Baden-Württembergs galt Reinhold Maier (1889-1971) als einer der großen Liberalen des deutschen Südwestens. Er war einer der starken Befürworter des Südweststaats. Maier war Mitbegründer der Württemberger FDP und später Bundesvorsitzender der FDP. Er starb 1971 in Stuttgart.

Ludwig Marum

Der jüdischstämmige Rechtsanwalt und Parlamentarier Ludwig Marum (1882-1934) setzte sich Zeit seines Lebens für Demokratie und Rechtstaatlichkeit ein. Er war Justizminister der provisorischen Landesregierung nach der Novemberrevolution. Aufgrund seiner auch öffentlich geäußerten Kritik am nationalsozialistischen Regime wurde er im Konzentrationslager interniert und letztlich ermordet.

Gebhard Müller

Gebhard Müller (1900-1990) war Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern, Ministerpräsident Baden-Württembergs und Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Neben Kurt Georg Kiesinger und Reinhold Maier zählt er zu den Wegbereitern des vereinten Südweststaates. Müller starb 1990 in Stuttgart.


Hermann Müller

Der zweimalige Reichskanzler der Weimarer Republik, Hermann Müller (1876-1931), war Politiker in einer Zeit politischer Komplikationen und Umbrüche. Die Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg auferlegten Friedensbedingungen, der Kapp-Lüttwitz-Putsch als auch die Reparationsfrage prägten seine Regierungszeit. Dabei begleitete Müller stets sein Glauben an die Demokratie.

Friedrich Payer

Friedrich Payer (1847-1931) engagiete sich lange Jahre als Abgeordneter im Reichstag sowie im württembergischen Landtag und schließlich als Vizekanzler des deutschen Reiches. Er hatte sich bereits für die Demokratisierung der Reichsverfassung eingesetzt und arbeitete schließlich auch an der Ausarbeitung der Weimarer Verfassung mit.

Mathilde Planck

Die Ulmerin Mathilde Planck (1861-1955) ist eine der bedeutendsten deutschen Frauenrechtlerinnen. Fünfzehn Jahre lang war sie Lehrerin und später Direktorin des ersten württembergischen Mädchengymnasiums. Nach der Durchsetzung des Frauenwahlrechts gehörte sie als Abgeordnete der DDP dem württembergischen Landtag an.

Karl von Rotteck

Der Historiker und Staatswissenschaftler Karl von Rotteck (1775-1840) war beteiligt an der Ausarbeitung der liberalien badischen Verfassung von 1818 und ab 1831 tätig im badischen Parlament. Seine liberalen Forderungen brachten ihm viel Kritik ein. Auf das Amt des Freiburger Bürgermeisters musste er nach Drohungen der Regierung verzichten.

Carlo Schmid

Carlo Schmid (1896-1979) spielte eine zentrale Rolle für den Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Er setzte sich engagiert für die Festigung der Demokratie ein und war ein aktiver Befürworter und Förderer der deutsch-französischen Beziehungen.


Sophie Scholl

Zunächst vom nationalsozialistischen Gemeinschaftsideal angetan, entwickelte Sophie Scholl (1921-1943) bald Abneigung gegen die Propaganda des Hitler-Regimes. Gemeinsam mit ihrem Bruder Hans schloss sie sich der Widerstandsgruppe Weiße Rose an, woraufhin sie von der Gestapo verhaftet und zum Tode verurteilt wurde. Sophie Scholl wurde nur 21 Jahre alt.

Kurt Schumacher

Als SPD-Politiker wurde Kurt Schumacher (1895-1952) zu einer der prägenden Figuren in der frühen Bundesrepublik. Bereits 1918 trat der in die SPD bei. Als Kritiker des NS-Regimes wurde er verfolgt und in mehreren Konzentrationslagern interniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg trug er maßgeblich zur Neuorganisation der SPD bei.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer

Der politische Journalist Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1798-1845) war zunächst Landeskommissar der Rheinpfalz. Aufgrund seiner oppositionellen journalistischen Tätigkeit wurde er von Staatsdienst suspendiert. Nachdem er zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, floh er ins Exil in die Schweiz.

Leo Wohleb

Der Name Leo Wohleb (1888-1955) verbindet sich seit jeher mit dem Land Baden. Als badischer Staatspräsident von 1947 bis 1952 förderte Leo Wohleb aktiv die badische Tradition und Kultur. Er war ein entschiedener Gegner der Gründung eines vereinten Südweststaates und musste mit deren Beschluss seine wohl größte politische Niederlage und Enttäuschung hinnehmen.



 

Politische Köpfe aus Südwestdeutschland

 

Landeskundliche Reihe Bd 33
"Politische Köpfe aus Südwestdeutschland"
Stuttgart 2005 , 336 Seiten
Preis: EUR 6,50 incl. MwST.
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Momente: Land&Leute

 

„Momente“ ist die populärwissenschaftliche historische Zeitschrift in Baden-Württemberg. Hier finden Sie Informationen über Menschen, die die Politik und das Leben des deutschen Südwestens maßgeblich beeinflussten.

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