Landeskunde Baden-Württemberg

 
In ganz Baden kam es im Mai 1849 zu „Verbrüderungsfesten“ mit den Revolutionären, so auch in Mannheim, wo der Maler Franz Ataria (1798–1869) den Fahnenträger einer Freischärlergruppe malte – typisch gekleidet mit weiter Bluse, Hut mit Kokarde und Federn und einen großen Schleppsäbel an der Seite. Foto: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

Offenburg und Rastatt 1847–1849

„Freiheit, aber auch Ordnung und Einheit des Vaterlandes“

Sonja-Maria Bauer

„Offenburg will Freiheit, aber auch Ordnung und Einheit des Vaterlandes!“ Diese Erklärung der Stadt Offenburg vom 19. April 1848 steht exemplarisch für die Haltung der Offenburger Bevölkerung während der Jahre 1847 bis 1849. Freiheit und Ordnung – zwischen diesen Polen bewegte sich der politische Protest in Baden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Immer wieder wird das Bemühen eines großen Teils der Opposition in Baden im Vormärz und 1848/49 deutlich, sich innerhalb der Grenzen der gesetzlichen Ordnung zu bewegen. Vielleicht war es gerade dieses Bemühen, das dazu führte, dass die politische Opposition in Baden 1847 bis 1849 auch heute noch im Bewusstsein der Bevölkerung präsent ist und auch das widerständige Auftreten badischer Bürger und Bürgerinnen gegenüber öffentlichen Einrichtungen ganz selbstverständlich zu stärken scheint.

Wo sonst, außer in Baden, kommt es heute noch vor, dass sich Bürger, um ihren Protest gegen Entscheidungen öffentlicher Institutionen zu bekräftigen, auf die revolutionäre Bewegung des 19. Jahrhunderts berufen, wie dies 2010 Manfred Wahl, der Chef der Bürgerinitiative „Bahntrasse Offenburg“ tat? Die Badische Zeitung berichtete am 30. Oktober 2010: Wahl „erinnerte an die Badische Revolution, die 1847 in Offenburg ihren Ausgang nahm, und an den Baustopp für das umstrittene Kernkraftwerk in Wyhl, der 1976 in Offenburg unterzeichnet wurde“.