Landeskunde Baden-Württemberg

 

Württemberg/ Baden: 1918-33

LMZ Baden-Württemberg
Blick auf eine Menschenmenge im Hof der Rotebühlkaserne in Stuttgart: Revolution von 1918. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Dr. Daniel Kirn

Das Ende des Krieges, Revolution und der Friede von Versailles
Der Erste Weltkrieg endete abrupt: Mit der Verkündung des Waffenstillstands am 11. November 1918 hörte der Krieg über Nacht auf. Die Alliierten akzeptierten die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Neben den fehlenden Chancen auf einen Sieg oder zumindest erfolgversprechenden Verhandlungen, der Ermüdung und Erschöpfung von Truppen und der Zivilbevölkerung führte vor allem die Meuterei der Marinesoldaten in Kiel und Wilhelmshaven zum Zusammenbruch der deutschen Armee.

Mit der Kapitulation hatte auch das Kaiserreich aufgehört zu existieren. Der Kaiser und die übrigen Regenten wurden innerhalb weniger Tage gezwungen zurückzutreten und eine demokratisch legitimierte parlamentarische Republik zu akzeptieren. In Württemberg versuchte König Wilhelm II. noch durch eine Kabinettsumbildung und Zusicherung einer Parlamentarisierung das Unabwendbare aufzuhalten. Auch der badische Großherzog versuchte in ähnlicher Weise die Monarchie zu retten. Helfen konnten diese Versuche allerdings nicht mehr. Sowohl der württembergische König als auch der badische Großherzog mussten zurücktreten. König Wilhelm II. zog sich in sein Jagdschloss nach Bebenhausen zurück, wo er als hochgeachtete Persönlichkeit Württembergs 1921 starb. Der badische Großherzog dankte ebenfalls im November 1918 ab. Zunächst wohnte er auf Schloss Langenstein bei seinem Verwandten Graf Douglas, siedelte später aber nach Freiburg über. Kurbesuche in Baden-Baden brachten den nunmehrigen Markgrafen immer wieder auch nach Nordbaden. Bestattet wurde er in Karlsruhe.

Neue Verfassungen für Baden und Württemberg

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Erste badische Volksregierung 1918 (Im Hintergrund: Ludwig Marum, 3.v.l.) Foto: LMZ Baden-Württemberg

Mit der Abdankung der Regenten waren auch die bisherigen Verwaltungs- und Organisationsstrukturen zusammengebrochen. Spontan bildeten sich sogenannte Arbeiter- und Soldatenräte, die die Kontrolle über die öffentliche Verwaltung übernahmen und für Ruhe und Ordnung sorgten. An der Spitze der bisherigen Ministerien bildete sich in Württemberg die neue Provisorische Regierung unter dem Sozialdemokraten Wilhelm Blos. Revolutionäre Tendenzen zeigten sich in Württemberg kaum, weil zum einen die grundlegende Forderungen der Sozialdemokratie nach Gründung einer Republik bereits erfüllt war, zum anderen weil die württembergischen Sozialdemokraten ohnehin recht konservativ eingestellt und eher bürgerliche Linke als klassenkämpferische Radikale waren. Der Sozialdemokrat Wilhelm Blos verkörperte diesen Kurs und führte die Regierung ähnlich wie in Zeiten des Kaiserreichs.

In Baden bildete sich die vorläufige Landesregierung unter Anton Geiß. Beiden Regierungen war zu eigen, dass sie schnell den Kompromiss zwischen den Parteien suchten. Beide Regierungschefs integrierten innerhalb weniger Tage sogar bürgerliche Minister in ihr Kabinett. Sofort widmeten sich die Regierungen ihrer Hauptaufgabe, der Legitimation der Regierung durch Wahlen und der Ausarbeitung einer neuen Landesverfassung. Bereits im Januar 1919 fanden noch vor den Wahlen auf Reichsebene die Wahlen in Baden und Württemberg statt, die die bisherigen Regierungen bestätigten. Auch die neuen Landesverfassungen wurden rasch in Kraft gesetzt. In Baden wurde dazu nach der Verabschiedung im Parlament eine Volksabstimmung abgehalten, die Verfassung also vom Volk legitimiert. In Württemberg stand die übergroße Mehrheit der Parteien, die Konservativen eingeschlossen, hinter der Gründung des Freien Volksstaats Württemberg.

Gefahren für die junge Republik

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Nach dem Kapp-Putsch 1920: Friedrich Ebert in Stuttgart vor einem Kunstgebäude. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Die Anfangszeit der Republik wurde durch die zahlreichen Probleme überschattet, die sich mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs verbanden: der Aufrechterhaltung der Nahrungsmittelversorgung, dem Aufbau leistungsfähiger demokratischer Strukturen, vor allem aber der Integration der zurückkehrenden Soldaten, die – noch immer ausgerüstet mit ihren Waffen – eine Bedrohung für die neu entstandenen Republiken waren. Die Einheiten mussten demobilisiert und die Soldaten für die Demokratie gewonnen werden. Insbesondere die Offiziere standen der neuen Staatsform ablehnend gegenüber. So versuchten sie in den gescheiterten Putschen (Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920, Hitler-Putsch 1923) eine politische Ordnung unter Berufung auf das Kaiserreich nach ihren Vorstellungen einzurichten. Andererseits schlugen irreguläre Truppen auch in Baden und Württemberg die im Januar und April 1920 ausbrechenden Unruhen nieder. Anhänger radikaler Parteien, des Spartakusbundes und der USPD, beides Abspaltungen der gemäßigten SPD, versuchten die neu gegründete Republik zu stürzen. Mit Hilfe von Freikorps, bestehend aus den demobilisierten Einheiten der kaiserlichen Armee, die sich mit ihren Waffen in den Dienst der Republik stellten, wurden diese Unruhen niedergeschlagen. Die Regierungen wurden bestätigt, die Kabinettsmitglieder der USPD entlassen und so die „Weimarer Koalition“ aus SPD, Zentrum und Linksliberalen gestärkt.

Die württembergische Bevölkerung war politisch einerseits zwischen Zentrum, Konservativen und Liberalen gespalten, andererseits bewahrte man sich freiheitliche Traditionen. Als die Verfassungsgebende Nationalversammlung und die Reichsregierung aufgrund der ständigen Unruhen von Berlin ins verhältnismäßig ruhige Weimar umgezogen war, begann sich infolge des Kapp-Lüttwitz-Putsches auch in der Provinz die Stimmung so zu radikalisieren, dass die Reichsregierung nach Stuttgart floh. Hier garantierte das Armeekorps im Gegensatz zu Weimar die Sicherheit der Reichsregierung. Nach dem Scheitern des Putsches kehrte die Regierung nach Weimar zurück. Württemberg hatte seine liberalen, demokratischen Traditionen einmal mehr unter Beweis gestellt.

Versailles und die Folgen

Quelle: LMZ Baden-Württemberg
Gebietsverlust des Deutschen Reichs nach dem Versailler Vertrag. Quelle: LMZ Baden-Württemberg

Die Freikorps spielten eine kaum zu überschätzende Rolle – sie konnten den Staat stützen oder entmachten. Erst Ende 1920 war die Gefahr eines Bürgerkrieges gebannt, die Freikorpskommandanten arrangierten sich oder gingen auf Distanz zu den neu gegründeten Staaten.

Der Waffenstillstand von Compiègne wurde drei Mal verlängert, während zur selben Zeit die Verhandlungen um einen abschließenden Friedensvertrag begannen. Von großer symbolischer Bedeutung war der Ort der Verhandlungen, der Spiegelsaal von Versailles, in dem 1871 das Deutsche Reich proklamiert worden war. Die Alliierten hatten klare Vorstellungen von der künftigen politischen Ordnung Europas. Insbesondere Frankreich verlangte umfangreiche Garantien, dass Deutschland in Zukunft keinen Krieg mehr gegen Frankreich führen könne. Die von deutscher Seite entsandten Mitglieder konnten kaum gegen die Wünsche der Alliierten ankommen und mussten sich ihren Anordnungen beugen. Grundlegend war die Anerkennung des „Kriegsschuldparagraphen“, der festhielt dass Deutschland die Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trüge, sowie umfangreiche Gebietsabtretungen (so z.B. ganz Ostpreußen, das Elsass und den de-facto-Verlust des Ruhrgebietes) und Leistung finanzieller Wiedergutmachung (Reparationen). Nachdem der Vertrag am 28. Juni 1919 unterzeichnet war, wurde er im Januar 1920 ratifiziert, also anerkannt. Diese Anerkennung des Versailler Vertrages war notwendig, um den Ersten Weltkrieg auch rechtlich zu beenden, langfristig konnte Deutschland hoffen, auf die internationale Bühne zurückzukehren, doch kurzfristig mussten die harten Bedingungen akzeptiert werden.

Die militärische Führung, die durch ihre unnachgiebige Politik 1916/17 eine Verständigung der Kriegsparteien verhindert hatte, setzte nun effizient das Gerücht in Umlauf, die Niederlage sei durch das Zusammenbrechen der Heimatfront, durch Nahrungsmittelknappheit und mangelndes Durchhaltevermögen erst ermöglicht worden. Dem „im Felde unbesiegten Heer“ sei durch die Heimat wie mit einem (hinterhältigen) Dolchstoß in den Rücken die Siegchance genommen worden. Der Versailler Vertrag schmähe das ganze Volk und werde der „Wahrheit“ nicht gerecht. Diese Legende wurde von den konservativen Militärs entwickelt und verbreitet, sehr schnell aber von rechtskonservativen und rechtsradikalen Kreisen aufgenommen. So sollte Hitler später seine Politik zwischen 1933 und 1938 auf die Revision des Versailler Vertrags konzentrieren.

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Friedrich Ebert

 

Bild: Bundesarchiv

Der erste Reichspräsident der Weimarer Republik Friedrich Ebert (1871-1925) galt den einen als "Vertreter der kleinen Leute", den anderen als "Novemberverbrecher".

Zur Biografie

 
 
 
 
 

Literaturhinweis

 

Michael Braun: Der Badische Landtag 1918–1933. Droste Verlag, Düsseldorf 2010. 646 Seiten. ISBN 978-3-7700-5294-3. EUR 78.-

Weitere Literatur finden sie hier.

 
 
 
 
 

Dokument

 

Abdankungs-Erklärung von König Wilhelm II von Württemberg 30. November 1918.

Quelle: LMZ Baden-Württemberg

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Wilhelm Blos

 

Bild: LMZ

Wilhelm Blos (1849-1927) wurde 1877 in den Reichstag gewählt. Durch seinen zurückhaltenden Reformkurs wurde er zur politischen Integrationsfigur und wurde letztlich zum württembergischen Landespräsidenten gewählt.

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Dokument

 

Die erste Seite der Verfassung Württembergs von 1919.

Quelle: LMZ Baden-Württemberg

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