
- Foto: LMZ Baden-Württemberg
Besatzungspolitik der Alliierten
Dr. Reinhold Weber
Den ersten Impuls zur Länderneugliederung setzten die alliierten Westmächte. Die Beteiligung Frankreichs als vierter Siegermacht kurz vor Kriegsende zwang zu territorialen Improvisationen. Nun wurden Baden und Württemberg in je einen nördlichen und einen südlichen Teil getrennt. Aus logistischen Gründen fixierte die US-Besatzungsmacht die Südgrenze ihrer Zone so, dass die Autobahn Karlsruhe-Stuttgart-Ulm in ihrer Hand blieb.
Die stärker industrialisierten und dichter besiedelten nördlichen Gebiete der beiden alten Länder gehörten fortan zur US-Zone, die landwirtschaftlich geprägten südlichen Landesteile mit Hohenzollern zur französischen Zone. So entstanden drei willkürliche Verwaltungskonstrukte: Die Amerikaner bastelten aus ihren Teilen das Land Württemberg-Baden (Hauptstadt Stuttgart).
Die Franzosen zimmerten zwei Länder: südlich der künstlichen inner- württembergischen Grenze, die als „Frontière de Dettenhausen“ bei Tübingen verlief, das Land Württemberg-Hohenzollern (Tübingen), westlich davon das Land (Süd-)Baden (Freiburg). Alle drei „Besatzungskinder“ waren von der Bevölkerung nicht gewollt.
Die Frage der Länderneugliederung
Mit dem Frankfurter Dokument Nr. 2 erteilten die Militärgouverneure der Westzonen am 1. Juli 1948 den Regierungschefs der Länder den Auftrag, Vorschläge für eine Länderneugliederung zu erarbeiten. Doch die bestehenden Länder und ihr Personal hatten sich längst etabliert, dementsprechend wollten die Regierungschefs definitive Beschlüsse verzögern.
Da man die drei südwestdeutschen Regierungschefs bereits auf dem Weg zu einer Einigung wähnte, wurde lediglich die Vereinigung der drei Länder ins Auge gefasst – gegen das Votum der (süd-)badischen Regierung. Die Frage der Neugliederung des deutschen Südwestens war damit von der generellen Länderneugliederung in Westdeutschland abgekoppelt.
Im „Kampf um den Südweststaat“ bestimmten drei Protagonisten die Szenerie: Der (süd-)badische Regierungschef Leo Wohleb (CDU) verfolgte weiterhin den Anspruch, das alte Land Baden wiederherzustellen. Reinhold Maier (FDP/DVP), Ministerpräsident von Württemberg-Baden, dachte nicht daran, Nordwürttemberg abzutrennen. Dem Chef der Landesregierung von Württemberg-Hohenzollern, Gebhard Müller (CDU), kam so eine Vermittlerrolle zu.
Als Katholik und Württemberger nahm er eine Scharnierfunktion zwischen dem katholischen Südbaden und dem mehrheitlich protestantischen Württemberg ein. Er wurde zum „gerechten Makler“ zwischen den widerstrebenden Interessen von Leo Wohleb und Reinhold Maier – und zu einem der Väter des neuen Südweststaates.
Erfolglose südwestdeutsche Gipfeldiplomatie
Als es am 2. August 1948 zu einem ersten „Gipfeltreffen“ der drei Ländervertreter auf der Burg Hohenneuffen kam, traten die gegensätzlichen Positionen klar zutage. Überraschend verständigte man sich aber schon am 24. August 1948 auf den „Karlsruher Vertrag“, der den Zusammenschluss der drei Länder mit den vier Landesbezirken Nordbaden, Nordwürttemberg, Südbaden und Südwürttemberg vorsah.
Schon wenige Tage später vollzog Leo Wohleb jedoch eine Kehrtwende und erklärte die Vereinbarung für nicht verbindlich. Im Mittelpunkt der Kontroverse standen nun die Modalitäten der vorgesehenen Volksabstimmung. Wohleb bestand darauf, die Stimmen nach den alten Ländern durchzuzählen.
Der Südweststaat sollte nur verwirklicht werden, wenn in beiden Abstimmungsbezirken – Württemberg mit Hohenzollern einerseits und Baden andererseits – eine Mehrheit zustande gekommen war. Maier wiederum bestand auf einer Abstimmung in den vier Bezirken, wobei der Südweststaat dann gegründet sein sollte, wenn in dreien dieser vier Bezirke jeweils eine Mehrheit zustande gekommen war. Weil in Nordwürttemberg, Südwürttemberg-Hohenzollern und auch in Nordbaden eine Zustimmung gesichert schien, wurde damit das Votum der Wähler Südbadens als viertem Bezirk bedeutungslos. Dieser Vier-Bezirke-Modus war für die Südbadener unannehmbar.
Protagonisten bei der Entstehung des Landes

Leo Wohleb
Von 1947-1952 Staats- präsident des Landes Baden.

Reinhold Maier
Ministerpräsident von Württemberg-Baden (1945-1952) und 1952/53 an der Spitze einer Koalition aus FDP/DVP, SPD und BHE erster Ministerpräsidenet des Landes Baden-Württemberg.

Gebhard Müller
Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern (1948-1952), danach von 1953-1958 Ministerpräsident des Landes an der Spitze einer Allparteienregierung aus CDU, SPD, FDP/DVP und BHE.
