Landeskunde Baden-Württemberg

 

Landwirtschaft

Gerstenfeld: Foto: Hans, pixabay, CC0 Public Domain

Stand: Mai 2017

Die Struktur der Landwirtschaft in Baden-Württemberg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Gemessen an der Wirtschaftleistung des Landes hat der Agrarsektor stetig an Bedeutung verloren. So machte der Bereich der Land- und Forstwirtschaft, sowie der Fischerei im Jahr 2000 etwa ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von Baden-Württemberg aus - 2015 waren es nur noch 0,4 Prozent. Damit leistet der Agrarsektor im Bundesland verglichen mit dem anderer Regionen der EU einen der geringsten Beiträge zum BIP. Der dahinterliegende Trend ist jedoch in vielen Regionen zu beobachten: Die Zahl der Betriebe im Agrarsektor wird zunehmend niedriger, ebenso verschiebt sich die Nutzung von Betrieben zum Zweck des Haupterwerbs immer mehr in Richtung zum Nebenerwerb unterhaltener Betriebe. Dabei wird die Fläche pro produzierendem Betrieb gleichzeitig immer größer.

Die öffentlich-gesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft ist allerdings nach wie vor gegeben. Zum einen, weil sie sowohl für die Pflege der Kulturlandschaft, als auch für den Ressourcen- und Klimaschutz eine zentrale Rolle spielt. Auch zählt der Anbau nachwachsender Rohstoffe, sowie der Erhalt der Artenvielfalt im deutschen Südwesten zu ihren Aufgaben. Zum anderen ist die Landwirtschaft eng mit vielen Wirtschaftsbereichen verbunden. Dazu zählen insbesondere Bereiche im Agribusiness, wie etwa bei der Herstellung von Futter-, Dünge-, oder Pflanzenschutzbau. Gleichzeitig sind die Unternehmen aus Land- und Forstwirtschaft, sowie der Fischerei wichtige Partner für das Ernährungs- und Gastgewerbe oder auch für den Maschinenbau.


Artenvielfalt in Baden-Württemberg

Weinbau

Ökologische Landwirtschaft

Nutztierhaltung

Zukunft der Landwirtschaft


Artenvielfalt in Baden-Württemberg

Das Flächenland Baden-Württemberg kennzeichnet eine variantenreiche Topographie. Neben Bergregionen gibt es auch vom Wind geschützte Beckenräume, was zu großen klimatischen Unterschieden auf kleiner Fläche führt. Insbesondere diese Tal- und Beckenräume liefern die Bedingung, neben Ackerbau auch viele Sonderkulturen, wie etwa Obst- und Weinanbau sowie Spargel und Tabak pflegen zu können. Beispiele hierfür sind das Oberrhein-Tiefland, das Neckartal und das Bodenseegebiet. Für den Getreideanbau eignen sich eher mittlere Höhen und die Bergregionen werden meist für Viehhaltung und den Anbau anspruchsloser Futterpflanzen genutzt.


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Produkte aus der Region verkaufen sich nicht nur wegen Aspekten der Qualität, Frische und Nachhaltigkeit gut. Auch, dass die Produktionsweise nachverfolgt werden kann, überzeugt eine wachsende Anzahl an Verbrauchern. So gibt es etwa das "Bio-Zeichen Baden-Württemberg" und das „Qualitätszeichen Baden-Württemberg“, die eine Orientierung bieten. Zudem überzeugen viele Produkte auch durch ihre Tradition, wie etwa Allgäuer Emmentaler, Linsen von der Alb, Schwarzwälder Kirschwasser oder Bodensee-Obst.

Die Verkaufserlöse aus der baden-württembergischen Landwirtschaft betragen jährlich rund 3,6 Milliarden Euro. Dabei kommt beim baden-württembergischen Verkaufserlös insgesamt rund die Hälfte aus dem Verkauf tierischer Produkte, die andere Hälfte wird auf Grundlage pflanzlicher Produkte erwirtschaftet. Im Vergleich zum Durchschnitt Deutschlands haben tierische Produkte eine etwas geringere Bedeutung, wobei auch hier die Milch als mit Abstand wichtigstes Verkaufsgut gilt. Bei den pflanzlichen Produkten sind insbesondere Obst und Wein als landestypische Güter hervorzuheben. Spitzenreiter in der Produktion pflanzlicher Produkte, insbesondere Getreide, war 2014 der Regierungsbezirk Stuttgart, den größten Erlös durch tierische Produkte erzielte der Bezirk Tübingen.

 

Weinland Baden-Württemberg

 

Baden-Württemberg ist das zweitgrößte Weinland in der Bundesrepublik. Mit etwa 27.000 Hektar stellt es rund ein Viertel der gesamtdeutschen Rebfläche, rund 10.000 Weinbaubetriebe bewirtschaften diese Kulturlandschaft im Südwesten. Dabei überzeugt der baden-württembergische Weinbau insbesondere durch Vielfalt, Qualität und regionale Besonderheiten. Denn in der langen Vegetationszeit und in unterschiedlichen Klima- und Bodenverhältnisse können sich geschmackliche Feinheiten gut ausbilden.

Es wird zwischen den Anbaugebieten Baden und Württemberg unterschieden. Im Anbaugebiet Baden dominiert der Weißwein und der Anbau der Burgunderrebsorten: Gehaltvolle Grauburgunder oder Ruländer, belebende Spätburgunder sowie elegante Weißburgunder. Ergänzt wird das Sortiment durch spritzige Gutedel, feinblumige Rieslinge (die in der Ortenau Klingelberger heißen), saftige Müller-Thurgau-Weine und herzhaften Weißherbst. In Württemberg liegt der Schwerpunkt dagegen auf Rotweinen: Fruchtige Trollinger, kräftige Lemberger, Schwarzriesling, Portugieser und Samtrot. Fruchtige Rieslinge, Silvaner, Grauburgunder und Gewürztraminer ergänzen das württembergische Rebsortiment im Weißweinbereich. Dabei hat Weinbau im Bundesland eine lange Tradition. So wurde in Württemberg die Kernerrebe geschaffen, eine Neuzüchtung aus Trollinger und Riesling, benannt nach Justinus Kerner, dem Dichter der schwäbischen Romantik.

Durch die Traubenerzeugung werden jährlich rund 350 Millionen Euro umgesetzt. Das sind etwa 15 Prozent des Produktionswerts der gesamten pflanzlichen Erzeugung in Baden-Württemberg. Zusätzlich gibt es Erlöse, die etwa im Tourismusbereich entstehen.

 
 
 
 

Ökologische Landwirtschaft

Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe wächst stetig. Im Jahr 2015 waren das rund 7.130 Betriebe. Somit wird über 9 Prozent der Fläche in Baden-Württemberg ökologisch bewirtschaftet. Das bedeutet zunächst einmal, dass es hier im Vergleich zu konventionellen Betreiben einen größeren Anteil an Grünland gibt und weniger der Gesamtfläche als Ackerland genutzt wird. Obwohl das im Sinne der Bodennutzung effektiv ist, liegen die erwirtschafteten Erträge von Ökolandwirten oft hinter denen konventioneller Landwirte.

Um den Ökolandbau weiter zu fördern, hat die Landesregierung den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ aufgelegt. Dieser soll die Bedingungen für Ökolandwirte verbessern und damit auch den Neueinstieg für interessierte Landwirte erleichtern. Auch bietet etwa das Förderprogramm für Agraraumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) finanzielle Anreize, sich trotz niedrigeren Ernteerträgen für Ökologische Landwirtschaft zu entscheiden. Eine Förderung durch FAKT setzt voraus, dass eine Reihe von Auflagen eingehalten werden. Zu diesen gehören etwa:

    der Verzicht auf chemisch-synthetische Produktionsmittel

    eine vielfältige Fruchtfolge

     die Einhaltung besonderer Vorschriften für die Fütterung und Haltung von Nutztieren

Die Ausgleichsleistung durch FAKT beträgt seit 2015 jeweils 230 Euro je Hektar Acker- und Grünfläche, die ökologisch bewirtschaftet wird.

Nutztierhaltung

Tierische Produkte tragen zu rund 50 Prozent zu den landwirtschafltichen Erträgen in Baden-Württemberg bei. Dabei geht die Zahl der im Bundesland gehaltenen Nutztieren seit einigen Jahren zurück. So wurden 2016 in der Landwirtschaft etwa 1 Million Rinder (davon rund 350 000 Milchkühe) 3,7 Millionen Hühner und 1,8 Millionen Schweine gehalten – so wenige, wie seit 1960 nicht mehr. Im Gegensatz dazu nimmt die Zahl der Gänse, Enten und Truthühner seit 1999 stetig zu.

Dieser Rückgang insbesondere des Schweine- und Rinderbestands in der baden-württembergischen Nutztierhaltung lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Zum einen wurden die Bestimmungen des Tierschutzes seit 2006 zunehmend strenger. So wurden z.B. 2013 die Anforderungen an die Haltung von Zuchtsauen in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erweitert. Zum anderen dürfte auch der Kostendruck durch schwankende Futtermittelpreise ausschlaggebend gewesen sein. Um Landwirten einen Anreiz zur artgerechten Tierhaltung zu geben, gibt es das Agrarinvestitionsförderungsprogramm. Dieses unterstützt Investitionen, die das Ziel einer artgerechten Tierhaltung verfolgen

Zur Förderung von artgerechter Tierhaltung sollen in Zukunft auch Labels beitragen, die allerdings noch im Aufbau sind. So soll insbesondere auf die artspezifischen Bedürfnisse der Tiere und auf die Möglichkeit zur Ausübung entsprechender Verhaltensweisen besser geachtet werden.

Zukunft der Landwirtschaft

Die Anforderungen an Landwirte sind gewachsen: So sollen diese nachhaltig und ressourcenschonend, aber auch effizient und im Sinne des Umwelt- und Tierschutzes wirtschaften. Die Frage danach, auf welche Art und Weise Lebensmittel produziert werden, wird immer wichtiger.

Insbesondere kleine und mittlere Betriebe spielen für diesen Spagat eine wichtige Rolle. Diese zu modernisieren und wettbewerbsfähig zu halten ist genauso wichtig, wie sie in einer umweltgerechten Bewirtschaftung zu fördern. Die dafür notwendigen Maßnahmen und Förderprogramme sind im Maßnahmen- und Entwicklungsplan des Landes für den Ländlichen Raum (MEPL III) zusammengefasst.

 

Maßnahmen- und Entwicklungsplan des Landes für den Ländlichen Raum (MEPL III)

 

Für die Landwirtschaft in Baden-Württemberg haben Fördermittel von der EU große Bedeutung. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) fördert Landwirte und die Marktregulierung einzelner Landwirtschaftlicher Erzeugnisse zum einen durch Direktzahlungen. Zum anderen richtet sie sich auf die Entwicklung des Ländlichen Raums. Diese beiden Schwerpunkte werden auch die zwei "Säulen der GAP" genannt.

In Baden-Württemberg hat insbesondere die zweite Säule, also die Entwicklung des Ländlichen Raums, große Bedeutung. Um diese zu stärken, wurden 2014 insgesamt 16 Förderprogramme neu aufgelegt. Diese legen ihren Fokus auf eine Stärkung des Ökolandbaus, des Tierschutzes, der Nachhaltigkeit, der Innovation, der Wissensvermittlung und von lokalen Entwicklungsstrategien. Einzelheiten zu allen Programmen sind im Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014 bis 2020 (MEPL III) zusammengefasst, der von der EU-Kommission genehmigt wurde.

Für die Förderperiode 2014 bis 2020 stehen dem MEPL III insgesamt 1,87 Milliarden Euro zur Verfügung. Dabei kommen etwa 709 Millionen Euro von der Europäischen Union, der Rest wird von Bund und Land ko-finanziert.

 
 
 
 

Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft müssen in Baden-Württemberg die ökologische Landwirtschaft weiter ausgebaut werden und der Erhalt von Unternehmen in schwierig zu bewirtschaftenden Regionen gefördert werden. Zudem ist eine deutliche Mehrheit der baden-württembergischen Bevölkerung gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen. Deshalb ist Baden-Württemberg seit Oktober 2012 im "Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen" vertreten und spricht sich damit auch deutlich gegen den Einsatz genmanipulierter Lebens- und Futtermittel aus. Im Sinne des Klimaschutzes gilt für das Bundesland auch weiterhin das Ziel, naturnahes Grünland zu erhalten.

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Bienen zählen zu den wichtigsten Nutztieren im Bundesland. Sie tragen zur Nahrungmittelproduktion bei und befördern die Artenvielfalt.

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