Landeskunde Baden-Württemberg

 

Auf dem Weg zum Namen:

Plakat Südweststaat
Das neue Bundesland als eine harmonische Familie aus „Mutter Baden“, „Vater Württemberg“ und dem „Kind Hohenzollern“. Plakat der Südweststaatbefürworter zum Volksentscheid 1951. Foto: Staatsarchiv Sigmaringen

Ängste, Vorbehalte, Ressentiments

Wer nun glaubte, durch die geglückte Vereinigung der drei Länder sei der vorhergehende Streit um die Neugliederung aus der Welt, vergessen, bewältigt, überwunden, der wurde rasch enttäuscht. Noch einmal traten in den Parlamentsdebatten und in der öffentlichen Meinung all die alten, in der Vergangenheit wurzelnden Ängste, Vorbehalte und Ressentiments lautstark und vielfältig zu Tage. In der Auseinandersetzung spielten Befürchtungen und Irrationales eine große Rolle. Wieder wurde vor allem historisch argumentiert. So beschworen selbst jene, die sich durchaus rational und konstruktiv mit der Vereinigungsfrage auseinandersetzten, als Zeugen ihrer Argumente die Vergangenheit, die Geschichte der beiden Länder Baden und Württemberg und konstatierten – je nach Lager –unterschiedliche oder gemeinsame Herkunft, Kultur, Wirtschaft oder Sprache.

Klar war allen Parlamentariern, dass das neue Land einen Namen und ein Wappen benötigte. Bei den diesbezüglichen Debatten zeigte sich im Landtag mehrheitlich der parlamentarische Wille, die Gegensätze zu überbrücken und eine integrative, von einer breiten Mehrheit getragene Lösung zu finden. Dies bestätigte sich auch bei der langen und hartnäckig geführten Diskussion um den Namen, die sich schließlich auf die Frage zuspitzte, ob das neue „Schwaben“ zu nennen oder ob ein „Bindestrichname“ zu wählen sei.

Für die Entscheidung spielten, wie man den Reden der Parlamentarier entnehmen kann, vor allem zwei Überlegungen eine wichtige Rolle: So war man sich zum einen einig, dass der neue Name „für Jahrzehnte, unter Umständen für Jahrhunderte die politische Bezeichnung des Raumes im Südwesten“ der Bundesrepublik festlegte. Zum andern wollte man bei der Namengebung – nach der Verbitterung und der Frustration über die Art und Weise des Volksentscheids – das „Empfinden einer Annexion durch Württemberg“ vermeiden. Und so entschieden sich schließlich am 4. November 1953 in dritter Lesung bei namentlicher Abstimmung zunächst 70 der 109 Abgeordneten gegen den Namen Schwaben; 39 waren dafür. Danach stellte sich nur noch die Frage, ob das Land nun Baden-Württemberg oder Württemberg-Baden heißen solle. Das Ergebnis war eindeutig: 85 Abgeordnete stimmten für Baden-Württemberg.

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