Landeskunde Baden-Württemberg

 

Tiefländer und Mittelgebirge

Foto: LMZ Baden-Württemberg
Die naturräumlichen Haupteinheiten Baden-Württembergs
Die naturräumlichen Haupteinheiten Baden-Württembergs

Prof. Dr. Hans Gebhardt 

Die naturräumliche Gliederung Baden-Württembergs ist recht differenziert und kann hier nur vereinfacht behandelt werden. Es können grob die Tief- und Flachländer von den Berg- und Mittelgebirgslandschaften unterschieden werden. Einen gewissen Sonderfall bildet das glazial überprägte Oberschwaben. 


Flusslandsschaften und Gäuflächen

Mittelgebirgsräume

Oberschwaben


Flusslandschaften und Gäuflächen

Rhein

Der Hochrhein mündet bei Stein am Rhein aus dem Bodensee aus und führt bis zum Rheinknie bei Basel, biegt dann als Oberrhein in süd-nördliche Richtung um und verlässt bei Mannheim das Gebiet Baden-Württembergs. Er wird sowohl auf deutscher wie französischer Seite von einem unterschiedlich breiten Tiefland begleitet, das im Zuge des Oberrheingrabenbruchs seit dem Tertiär entstanden ist und eine klimatische wie agrargeografische Gunstlandschaft ersten Ranges darstellt. Das Rheintal bildet auch einen wichtigen verkehrsgeografischen Durchgangsraum, Teil der europäischen Rheinschiene, und es handelt sich – allerdings mit zunehmender Durchlässigkeit – um einen Grenzraum zur Schweiz und zu Frankreich.

Donau

Die Donau durchbricht den südlichsten Teil der Schwäbischen Alb teilweise in einem imposanten Durchbruchstal, dem Naturpark Oberes Donautal, und bildet ab Sigmaringen in etwa die südliche Begrenzung der Schwäbischen Alb und damit die nördliche Grenze des "Oberlandes". Der Donaulauf markiert keinen Grabenbruch; er ist vielmehr im Glazial und Postglazial in manchen Laufabschnitten verlegt worden. Entsprechend fehlt eine breite Talschaft und auch eine entsprechende verkehrsgeografische Leitlinienfunktion: keine Autobahn oder ICE-Strecke begleitet das Donautal.

Neckar

Der Neckar schließlich entspringt bei Schwenningen als unspektakuläres Rinnsal und fließt zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb in nordöstlicher Richtung, schlängelt sich durch Bad Cannstatt an Stuttgart vorbei und durchschneidet in seinem Unterlauf als romantisches Engtal den südlichen Odenwald. Auf seinem Lauf durchquert der Fluss einen erheblichen Teil der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft. Sie erstreckt sich zwischen Schwarzwald und Alb über ein Gebiet, das im Süden schmal, im Norden breiter ist. Man hat es deswegen auch gerne mit einem "Fächer" verglichen, wobei der Fächergriff im Bereich der Baar liegt. Relativ ebene, weitgespannte Reliefpartien werden von oft über hundert Meter hohen Stufen begrenzt, oberhalb derer erneut flaches Gelände einsetzt.

Gäuflächen

Die flachen Geländepartien sind überwiegend nach Osten geneigt. Sie werden als Gäue bezeichnet. Zu ihnen gehören von Süden nach Norden das Stroh- und Heckengäu, das Obere Gäu, Korngäu, Kraichgau. Diese Landschaften sind durch den oberen Muschelkalk mit einem auflagernden Substrat (Lettenkohle, Löss) geprägt, die sie sehr ackergünstig machen und zu ihrer frühen Besiedlung mit beigetragen haben.

Mittelgebirgsräume

Den Flusstälern und Flächen stehen, gleichsam kontrastierend, die wichtigsten Mittelgebirge des Landes gegenüber. Der Schwarzwald steigt im Westen in einer sehr deutlichen Bruchstufe aus dem Oberrheintal auf und findet im Osten sehr viel weniger deutlich dort seine Begrenzung, wo die überwiegende Waldbedeckung in offene Ackerfluren übergeht.

Der Schwarzwald ist insgesamt waldbedeckt, geologisch aber keineswegs homogen. Im Süden dominiert das Grundgebirge (Granit, Gneis) mit wasserreichen Tälern und Seen, Einzelhöfen, kleinen Weilern und wichtigen Fremdenverkehrsorten, während der Norden durch Buntsandstein, geringere Gewässerdichten und einige siedlungsgeografische Spezifika wie Waldhufendörfer geprägt ist.

Beide Teile sind durch eine deutliche Tiefenzone, das Kinzigtal, voneinander getrennt. Der Odenwald bildet in gewisser Weise die nördliche Fortsetzung des Schwarzwalds. In seinem südlichen, baden-württembergischen Teil ist er ausschließlich durch den roten Buntsandstein bestimmt, der auch Siedlungen und Kleinstädte als Baustein prägt.

Die Schwäbische Alb erstreckt sich von der Schweizerischen Grenze bis zum Nördlinger Ries. Markant ist hier vor allem die nach Nordwesten blickende Steilstufe des Albtraufs, die sich bis zu 400 Meter über ihr Vorland erhebt. Aufgebaut ist sie aus Kalken des Weißen Juras (Malm), die jeweils von leicht abtragbaren Mergeln unterlagert sind.

Die Keuperbergländer erstrecken sich zwischen Albvorland (Liasflächen) und Gäuen. Sie werden von relativ harten Sandsteinschichten aufgebaut und heben sich vor allem durch ihre Waldbedeckung (circa 43 Prozent der Gesamtfläche) von ihrer Umgebung ab. Durch die Nebenflüsse des Neckars werden sie in zahlreiche kleinere Berggruppen gegliedert. Sie dienen, vor allem in ihren östlich und südlich von Stuttgart gelegenen Teilen, als wichtiges Naherholungsgebiet der Großstadtbevölkerung (z. B. Schönbuch).

Oberschwaben

Die Gemeinsamkeit der Gebiete südlich der Donau besteht in ihrer Überprägung durch die Eiszeiten. Zwei wesentliche Grenzen gliedern das Gebiet: die würmeiszeitliche Endmoräne mit ihren bewaldeten Hügelketten trennt das nördliche Altmoränenland vom südlichen, stärker reliefierten und durch Moore und Seen geprägten Jungmoränengebiet.

Die weiter im Nordosten gelegenen Gebiete hingegen waren nicht vom Eis überdeckt, sondern sind durch die glazialen Schmelzwässer und die mitgeführten und abgelagerten Schotter geprägt. Vor allem die jungglazialen Gebiete in der Nähe des Bodensees sind attraktive Fremdenverkehrsräume geworden. Historisch ist Oberschwaben eine Landschaft, die stark von geistlichen Herrschaften geprägt war, was sich heute noch in den zahlreichen Klosterkirchen niederschlägt. Gleichermaßen prägend sind bis heute die Adelsherrschaften und Reichsstädte.  

 

Europäischer Großraum "Blaue Banane"

 

Bei Wikipedia finden Sie weitere Informationen zur Entstehung und Bedeutung der "Blauen Banane".

 
 
 
 
 

Geographie Baden-Württembergs

 

Geographie Baden-Württembergs. Raum, Entwicklung, Regionen, 2008. (Hrsg.: Hans Gebhardt)