Landeskunde Baden-Württemberg

 

Besetzungspolitik der Alliierten

Reinhold Maier mit Mitgliedern der US-Besatzung. Foto: LMZ Baden-Württemberg

Dr. Reinhold Weber

Den ersten Impuls zur Länderneugliederung setzten die alliierten Westmächte. Die Beteiligung Frankreichs als vierter Siegermacht kurz vor Kriegsende zwang zu territorialen Improvisationen. Nun wurden Baden und Württemberg in je einen nördlichen und einen südlichen Teil getrennt. Aus logistischen Gründen fixierte die US-Besatzungsmacht die Südgrenze ihrer Zone so, dass die Autobahn Karlsruhe-Stuttgart-Ulm in ihrer Hand blieb.

Ansprache von Colonel William Dawson 1946 Foto: LMZ Baden-Württemberg

Die geplanten Grenzen zwischen der amerikanischen und der französischen Besatzungszone liefen von Karlsruhe nach Ulm entlang der Autobahnlinie. Alles südlich dieser Linie liegende Gebiet war französisch okkupiert, das nördlich davon liegende gehörte zur amerikanischen Besatzungszone.

Während die amerikanischen Kämpfe um Heilbronn und Crailsheim andauerten, hatten die Franzosen, wie vorher bereits erwähnt, die Zeit genutzt, um etliche Gebiete in ihren Besitz zu nehmen.

Erst als die Amerikaner am 8. Juli 1945 in Stuttgart einmarschiert waren, hatten sich die Franzosen aus der Stadt zurückgezogen, und nur nachdem die Amerikaner den Franzosen damit drohten, die französische Versorgungslinie abzuschneiden.

Ohne Rücksicht auf historische oder institutionelle Faktoren

Die Zonengrenze war von den Amerikanern ohne Rücksicht auf die institutionellen und historischen Gebiete und Staaten bestimmt worden. Sie ging folglich durch Nordbaden und Nordwürttemberg. Auf diese Weise zerschnitt sie die beiden Staaten einfach in einer Linie von Westen nach Osten und teilte sie in ein nördliches und ein südliches Gebiet.

Ziel der amerikanischen Raumplanung war es oftmals nur, die Versorgungslinie der Armee aufrechtzuerhalten und nicht um irgendwelche historischen oder kulturellen Grenzen zu berücksichtigen.

8. Juli 1945: Besetzung Stuttgarts

Am 8. Juli sendete Radio Stuttgart, eine Radiostation, die schon seit April 1945 im Besitz der Amerikaner war, eine Erklärung der Militärregierung unter dem Landeskommandanten Colonel William Dawson. Dieser sagte am ersten Tag der amerikanischen Besatzung Stuttgarts:

"Die Ziele der Militärregierung sind die völlige Ausmerzung der nationalsozialistischen Partei und aller ihrer Gliederungen. Es soll aber auch der Bevölkerung des gesamten Gebietes ein bescheidenes und geordnetes Leben ermöglicht werden."

Dawson: 7-Punkte-Plan

Ein paar Wochen später - wiederum über Radio Stuttgart - erläuterte Dawson in sieben Punkten die Ziele der US-Militärregierung:

Zuoberst stand das Ziel, nach dem sich "das besetzte Deutschland dem Willen der Alliierten zu beugen" hatte.

Das zweite Ziel: "Betreuung, Kontrolle und Rückführung von Angehörigen der Vereinigten Nationen, die nach Deutschland gebracht wurden und eine Notwendigkeit, sich um feindliche (das heißt deutsche) Flüchtlinge, bzw. verlagerte Personen zu kümmern, so weit dies zu deren Kontrolle unumgänglich nötig ist."

Das bedeutete, daß Menschen, die beispielsweise während des Krieges als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden waren in der Betreuung Vorrang gegenüber verschleppten Deutschen hatten.

Das dritte Ziel bestand in der "Verhaftung von Kriegsverbrechern."

Ausrottung des Nazismus

Viertes Ziel war es, die "Ausrottung des Nazismus, Faschismus, des deutschen Militarismus, der Nazi-Bonzokratie und ihrer Mitarbeiter" voranzutreiben.

Als fünftes Ziel sah man die: "Wiederherstellung und Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung" an.

Sechstes Ziel war der "Schutz des Eigentums der Vereinten Nationen, Kontrolle über gewisse Besitzrechte und Erhaltung des deutschen Devisenguthabens."

Errichtung einer Zivilverwaltung

Das siebte und letzte Ziel bestand in der "Aufrichtung und Erhaltung einer geeinten Zivilverwaltung."2

Nicht ein befreites, sondern ein besiegtes Deutschland

Zusammenfassend sagte Dawson:

"Die wirtschaftliche Rehabilitierung Deutschlands muß den lebenswichtigen Bedürfnissen entsprechen. Die Deutschen haben keine Hilfe von außen zu erwarten, die über das Mindestmaß hinaus geht, welches der Verhütung von Seuchen und einer Unordnung dient, die die Absichten der Militärregierung zunichte machen könnte".3 Kein aktiver oder fanatischer Nationalsozialist dürfe in seiner Stellung bleiben. Deutschland sollte immerzu als besiegtes und nicht als befreites Land behandelt werden.

Ein nicht direkt in den zwei Mitteilungen zu findendes, aber trotzdem ausgesprochenes Ziel der Planungen, sowohl in den USA, als auch in Großbritannien, war die Demokratisierung Deutschlands.

Demokratie oder Militär?

Hieraus ergab sich ein grundsätzliches Dilemma: Wenn eine Demokratie auf dem Prinzip der Volkssouveränität und damit auf der Selbstregierung des Volkes basiert, inwiefern ist es dann überhaupt möglich, eine neue demokratische Ordnung mit Hilfe einer Militärregierung aufzubauen?

Demokratie nicht als Zwangsmaßnahme

Ziel der Besatzung war es jedoch nicht, den Deutschen die Demokratie aufzuzwingen. Nach der Auffassung der Alliierten genügte es, Schranken gegen diejenigen Bevölkerungselemente zu errichten, die die Einführung einer Demokratie verhindern würden.

Die Einschränkung der Macht jener Kräfte, auch mit Gewalt durchgesetzt, sollte eine Hilfe für diejenigen Deutschen sein, die am Aufbau einer konstitutionellen Demokratie interessiert waren.

Regierung für Nordwürttemberg-Nordbaden

Am 7. August 1945 besuchte eine Offiziersdelegation der US-Militärregierung Dr. Reinhold Maier in Schwäbisch Gmünd und bot ihm im Auftrag von Colonel Dawson den Posten des Ministerpräsidenten im noch zu bildenden Land Nordwürttemberg-Nordbaden an.

Dr. Reinhold Maier

Innerhalb einer Woche legte Dr. Maier seine Ministerliste Colonel Dawson vor. Sie bestand lediglich aus Württembergern. Der Hintergedanke Maiers in dieser Sache richtete sich gegen die geplante, endgültige Teilung von Nord- und Südwürttemberg.

Maier hatte seine rein württembergische Ministerliste mit der Absicht zusammengestellt, daß sie eines Tages tatsächlich auch für ganz Württemberg gelten würde.

Am 14. September 1945 wurde die neue Regierung durch General Eisenhower bestätigt.

2. Proklamation Eisenhowers / September 1945: Bildung von Verwaltungsgebieten

Bereits am 19. September 1945 gab General Eisenhower die Proklamation Nr. 2 bekannt: "An das deutsche Volk in der amerikanischen Zone: Ich, General Dwight D. Eisenhower, Oberster Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Europa, erlasse hiermit folgende Proklamation:

Artikel 1:

"Innerhalb der amerikanischen Besatzungszone werden hiermit Verwaltungsgebiete gebildet, die von jetzt ab als Staaten bezeichnet werden. Jeder Staat wird eine Staatsregierung haben, die folgenden Staaten werden gebildet: Großhessen, Württemberg-Baden und Bayern. Württemberg-Baden umfaßt die Kreise Aalen, Backnang. Böblingen, Crailsheim, Esslingen, Gmünd, Göppingen, Hall, Heidenheim, Heilbronn, Künzelsau, Leonberg, Ludwigsburg, Mergentheim, Nürtingen - nördlich der Autobahn, Öhringen, Stuttgart, Ulm, Vaihingen. Waiblingen (...) Landesbezirk Mannheim und die Kreise Bruchsal, Karlsruhe Stadt und Land und Pforzheim Stadt und Land. "4

Die ehemals künstliche Grenze, die Nord und Süd trennte, wurde anhand der Proklamation Nr. 2 als Grenze eines Staates gefestigt. Am 24. September 1945 wurde die Maier-Regierung vereidigt, sowie am 17. Oktober 1945 der Länderrat, der aus den Ministerpräsidenten von Bayern, Württemberg-Baden, Großhessen und Bremen bestand.

Erste Annäherung an Baden

Am 29. Oktober 1945 trafen Dawson und Dr. Maier mit dem Präsidenten des Landesbezirks Mannheim, Dr. Heinrich Köhler, zusammen. Während des Gesprächs wurde dieser als stellvertretender Ministerpräsident der Regierung vorgeschlagen, außerdem sollten die neu zu besetzenden Stellen der Regierung durch badische Politiker besetzt werden, um so nach und nach einen Ausgleich zwischen Württembergern und Badenern in der Landespolitik zu erreichen.  

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Die stärker industrialisierten und dichter besiedelten nördlichen Gebiete der beiden alten Länder gehörten fortan zur US-Zone, die landwirtschaftlich geprägten südlichen Landesteile mit Hohenzollern zur französischen Zone. So entstanden drei willkürliche Verwaltungskonstrukte: Die Amerikaner bastelten aus ihren Teilen das Land Württemberg-Baden (Hauptstadt Stuttgart).

US-Militärparade zum Unabhängigkeitstag 1950 Foto: LMZ Baden-Württemberg

John L. Harris

Schon im Januar 1945 war es nach einer Meldung des Hauptquartiers "SHAEF" - Supreme Headquarters American Expeditionary Forces - eindeutig, daß "das es das einzige Ziel des Feindes nur sein kann, seine bevorstehende Niederlage zu verzögern".

Bereits nach der Ardennen-Offensive vom Dezember 1944 bis Januar 1945 war der Kriegsausgang determiniert. Es war letztendlich alles nur noch eine Frage der Zeit.

7. März 1945: erste Rheinüberquerung der US-Armee

Hatten die Amerikaner am 7. März 1945 erstmals den Rhein bei Remagen überquert, so betraten sie schon am 22. und 23. März über den Rheinübergang bei Oppenheim und den Brückenkopf bei Darmstadt deutsches Gebiet.

Zu dieser Zeit, als die Amerikaner gerade in Deutschland einmarschiert waren, herrschte auf beiden Seiten eine große Unsicherheit.

Auf der deutschen Seite wußte man nicht, wie sich die Amerikaner verhalten würden. Würden sie diese Greueltaten begehen, die man von der Propaganda der Nazis gehört hatte?

Verunsicherung

Auf der amerikanischen Seite wußte man zwar schon, daß dieser Krieg nicht ausgehen würde wie der 1. Weltkrieg, sondern daß Deutschland Kilometer für Kilometer erobert werden mußte, bevor der Krieg tatsächlich zu Ende war. Die Frage war aber, ob es zu einem Guerilla-Krieg kommen würde. Wie würden sich die Deutschen gegenüber den Amerikanern verhalten? Man wußte also nicht genau, was auf der anderen Rheinseite auf die US-Armee zukommen würde.

Kämpfe um Heilbronn und Crailsheim

Die Marschroute der US-Armee lag in Südwestdeutschland von Mannheim in Richtung Südwesten. Zunächst gab es einige heftige Kämpfe, die in Heilbronn beispielsweise Tage andauerten. In Crailsheim waren die Amerikaner bereits in der Stadt eingezogen, als sie von den Deutschen wieder zurückgedrängt wurden. Innerhalb der nächsten Woche mußte die Stadt so erneut eingenommen werden.

Französischer Alleingang

Die französische Armee unterstand zwar dem Oberkommando der Amerikaner, während diese aber in Heilbronn und Crailsheim kämpften, gab Charles de Gaulle den Befehl, so weit nach Deutschland einzudringen und so viel Gebiet einzunehmen wie irgend möglich - alles ohne jegliche Einhaltung auf die zuvor vereinbarte Zonengrenze. Aus diesem Alleingang Frankreichs, der in keinster Weise mit den befehlshabenden Amerikanern abgestimmt war, entwickelten sich etliche Probleme, auf die später eingegangen werden soll.

Die erste Proklamation, nachdem die amerikanischen Truppen in Deutschland einmarschiert waren, kam von General Eisenhower:

Militärregierung als höchste Gewalt

"An das deutsche Volk: Ich, General Dwight D. Eisenhower, Oberster Befehlshaber der Alliierten Streitkräfte gebe hiermit folgendes bekannt: Die Alliierten Streitkräfte, die unter meinem Oberbefehl stehen, haben jetzt deutschen Boden betreten. Wir kommen als ein siegreiches Heer, jedoch nicht als Unterdrücker." ... "Die höchste gesetzgebende,

rechtsprechende und vollziehende Machtbefugnis und Gewalt in dem besetzten Gebiet ist in meiner Person als Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte und als Militärgouverneur vereinigt. Die Militärregierung ist eingesetzt, um diese Gewalten unter meinem Befehl auszuüben. Alle Personen in dem besetzten Gebiet haben unverzüglich und widerspruchslos alle Befehle und Veröffentlichungen der Militärregierung zu befolgen. Gerichte der Militärregierung werden eingesetzt, um Rechtsbrecher zu verurteilen. Widerstand gegen die Alliierten Streitkräfte wird unnachsichtig gebrochen. Andere schwere strafbare Handlungen werden schärfstens geahndet."1

Wie man anhand dieses Zitats sehen kann, war es als erstes an der Tagesordnung, den Deutschen deutlich zu machen, daß die Regierungsmacht von jetzt an in den Händen der amerikanischen Armee, bzw. in denen General Eisenhowers als Oberbefehlshaber lag.

Die amerikanische Armee jedoch war denkbar schlecht darauf vorbereitet, die Regierung zu übernehmen, schon deshalb, weil Armeen allgemein dazu geschaffen sind, Kriege zu führen und nicht ein Land zu regieren.

"Hunt-Report"

Im Laufe des Krieges wurden einige Dokumente hervorgebracht, die die US-Army und der amerikanischen Deutschlandpolitik bezüglich des Regierens Deutschlands eine Richtlinie vorgeben sollte. Bereits im Juli 1940, vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten, wurde ein Handbuch geschrieben, das die Struktur einer Militärregierung erläuterte. Dieses Handbuch, bekannt als FM 27-5, basierte auf einem Bericht, der nach dem 1. Weltkrieg geschrieben wurde.

Aus der amerikanischen Besetzung Triers nach dem 1. Weltkrieg hatte die amerikanische Armee ihre Erfahrungen und die daraus resultierenden Konsequenzen in einer Veröffentlichung zusammengefaßt. Im sogenannten "Hunt-Report" hetßt es zunächst, daß eine strenge, aber faire Behandlung des eroberten Volkes der Militärregierung die Verwaltung und die Ausführung der höchsten Gewalt erleichtern würde.

Allein auf dieses Dokument stützten amerikanische Armee und Militärregierung ihre Planung während des 1. Weltkrieges.

Entstehung des Morgenthau-Plans

Nachdem dieses Handbuch dem Treasury Secretary Henry J. Morgenthau während der Roosevelt-Regierung bekannt wurde, entwickelte er hieraus den Gedanken, daß es an erster Stelle wichtig war, den Deutschen ihre begangenen Verbrechen gegen die Menschheit bewußt zu machen. In der Hoffnung, eine bedeutende Rolle für sich in der amerikanischen Planung für Nachkriegsdeutschland zu festigen, wies Morgenthau die Richtlinien des Handbuchs zurück und legte sein eigenes Konzept vor, das die Deindustriealisierung Deutschlands vorsah.

So entstand letztendlich der berüchtigte Morgenthau-Plan. Weniger bekannt, als der Plan selbst, ist jedoch die Tatsache, daß der Morgenthau-Plan als Richtlinie der Politik lediglich etwa einen Monat Bestand hatte. Bereits im September 1944 nämlich hatten Churchill und Roosevelt in Quebec vereinbart, der Plan gehe in dieser Form zu weit und solle deshalb in dieser Form nicht angewandt werden.

Diese Tatsache wiederum wurde von Goebbels in einer Art propagandistisch ausgenutzt, die den Morgenthau-Plan bis in die 50er Jahre immer wieder in das Bewußtsein der Deutschen rief.

J.C.S. 1067

Wenn auch der Plan selbst in dieser Form nicht umgesetzt werden sollte, J.C.S. 1067 so gingen zumindest seine Gedanken in die J.C.S. 1067 - (Joint Chiefs of Staff document 1067) - ein, die auf der Basis des Morgenthau-Plans entwickelt wurde.

Diese Direktive sah vor, die deutsche Wirtschaft auf einem Niveau zu halten, welches es für Deutschland unmöglich machen sollte, erneut einen Krieg zu führen.

Die Autoren der J.C.S. 1067 hatten allerdings kaum eine Vorstellung davon, in welchem Maße Deutschland durch die Luftangriffe zerstört worden war.

Spätestens zu dem Zeitpunkt als General Clay und Robert Murphy in Deutschland gelandet waren und die Trümmerlandschaften der deutschen Großstädten gesehen hatten, war die Direktive mehr oder weniger außer Kraft gesetzt.


mehr zur "Speech of Hope - der Rede von James F. Byrnes


Die Franzosen zimmerten zwei Länder: südlich der künstlichen inner- württembergischen Grenze, die als „Frontière de Dettenhausen“ bei Tübingen verlief, das Land Württemberg-Hohenzollern (Tübingen), westlich davon das Land (Süd-)Baden (Freiburg). Alle drei „Besatzungskinder“ waren von der Bevölkerung nicht gewollt.

Die Frage der Länderneugliederung

Mit dem Frankfurter Dokument Nr. 2 erteilten die Militärgouverneure der Westzonen am 1. Juli 1948 den Regierungschefs der Länder den Auftrag, Vorschläge für eine Länderneugliederung zu erarbeiten. Doch die bestehenden Länder und ihr Personal hatten sich längst etabliert, dementsprechend wollten die Regierungschefs definitive Beschlüsse verzögern.

Da man die drei südwestdeutschen Regierungschefs bereits auf dem Weg zu einer Einigung wähnte, wurde lediglich die Vereinigung der drei Länder ins Auge gefasst – gegen das Votum der (süd-)badischen Regierung. Die Frage der Neugliederung des deutschen Südwestens war damit von der generellen Länderneugliederung in Westdeutschland abgekoppelt.

Im „Kampf um den Südweststaat“ bestimmten drei Protagonisten die Szenerie: Der (süd-)badische Regierungschef Leo Wohleb (CDU) verfolgte weiterhin den Anspruch, das alte Land Baden wiederherzustellen. Reinhold Maier (FDP/DVP), Ministerpräsident von  Württemberg-Baden, dachte nicht daran, Nordwürttemberg abzutrennen. Dem Chef der Landesregierung von Württemberg-Hohenzollern, Gebhard Müller (CDU), kam so eine Vermittlerrolle zu.

Als Katholik und Württemberger nahm er eine Scharnierfunktion zwischen dem katholischen Südbaden und dem mehrheitlich protestantischen Württemberg ein. Er wurde zum „gerechten Makler“ zwischen den widerstrebenden Interessen von Leo Wohleb und Reinhold Maier – und zu einem der Väter des neuen Südweststaates.

Erfolglose südwestdeutsche Gipfeldiplomatie

Als es am 2. August 1948 zu einem ersten „Gipfeltreffen“ der drei Ländervertreter auf der Burg Hohenneuffen kam, traten die gegensätzlichen Positionen klar zutage. Überraschend verständigte man sich aber schon am 24. August 1948 auf den „Karlsruher Vertrag“, der den Zusammenschluss der drei Länder mit den vier Landesbezirken Nordbaden, Nordwürttemberg, Südbaden und Südwürttemberg vorsah.

Schon wenige Tage später vollzog Leo Wohleb jedoch eine Kehrtwende und erklärte die Vereinbarung für nicht verbindlich. Im Mittelpunkt der Kontroverse standen nun die Modalitäten der vorgesehenen Volksabstimmung. Wohleb bestand darauf, die Stimmen nach den alten Ländern durchzuzählen.

Der Südweststaat sollte nur verwirklicht werden, wenn in beiden Abstimmungsbezirken – Württemberg mit Hohenzollern einerseits und Baden andererseits – eine Mehrheit zustande gekommen war. Maier wiederum bestand auf einer Abstimmung in den vier Bezirken, wobei der Südweststaat dann gegründet sein sollte, wenn in dreien dieser vier Bezirke jeweils eine Mehrheit zustande gekommen war. Weil in Nordwürttemberg, Südwürttemberg-Hohenzollern und auch in Nordbaden eine Zustimmung gesichert schien, wurde damit das Votum der Wähler Südbadens als viertem Bezirk bedeutungslos. Dieser Vier-Bezirke-Modus war für die Südbadener unannehmbar.

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James F. Byrnes: Speech of Hope

 

Bild: United States Library of Congress

Am 6. September 1946 hielt der damalige amerikanische Außenminister James F. Byrnes in Stuttgart eine Aufsehen erregende Rede: 

"Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen Volk die Regierung Deutschlands zurückzugeben. Das amerikanische Volk will dem deutschen Volk helfen, seinen Weg zurückzufinden zu einem ehrenvollen Platz
unter den freien und friedliebenden Nationen der Welt."

http://www.byrnes-rede.de

 

 
 
 
 
 

Protagonisten bei der Entstehung des Landes

 

Leo Wohleb

Bild: LMZ

Von 1947-1952 Staats- präsident des Landes Baden.

 
 
 
 
 

 

Reinhold Maier
Bild: LMZ


Ministerpräsident von Württemberg-Baden (1945-1952) und 1952/53 an der Spitze einer Koalition aus FDP/DVP, SPD und BHE erster Ministerpräsidenet des Landes Baden-Württemberg.

 
 
 
 
 

 

Gebhard Müller

Bild: LMZ

Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern (1948-1952), danach von 1953-1958 Ministerpräsident des Landes an der Spitze einer Allparteienregierung aus CDU, SPD, FDP/DVP und BHE.

 
 
 
 
 

Gründung des Landes Baden-Württemberg

 

Hören Sie hier das Tondokument vom 25. April 1952, in dem Reinhold Maier (FDP) die Gründung des Landes Baden-Württemberg verkündet.

 
 
 
 
 

 

Die Stationen auf dem Weg zum Südweststaat schildert Theodor Eschenburg anschaulich aus der Kenntnis dessen, der an zentraler Stelle mitbeteiligt war.

Die Entstehung Baden-Württembergs

Das Bild zeigt Theodor Eschenburg und Ministerpräsident Gebhard Müller 1956 in Stuttgart.