Landeskunde Baden-Württemberg

 

Kunst und Kultur

Schwetzingen Schlosstheater. Foto: LMZ

Stand: Mai 2017

Baden-Württemberg bietet ein breites kulturelles Spektrum, das von klassischen Sparten wie etwa Theatern, Orchestern, Museen, Bibliotheken, Schlössern und Gedenkstätten bis hin zu Film und Medien, Kreativwirtschaft und Tourismus reicht. Dabei haben Kunst und Kultur eine hohe gesellschaftliche Relevanz und spielen deshalb in vielen Poltikfeldern eine Rolle. Die Förderung des kulturellen Lebens ist primär Verantwortung des Landes und der Kommunen. Sie ist als Staatsziel sogar in der Landesverfassung verankert (Art.3 c Abs.1 LV).


Kulturelle Bildung

Kulturelles Erbe

Kulturausgaben des Landes

Kulturförderung


Vier Leitlinien

Die Kulturpolitik von Baden-Württemberg beruht auf vier Leitlinien, die das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst 2010 erarbeitet hat. Diese sind:

  1. Liberalität: Die Freiheit der Kunst wird gewährleistet und der Staat darf keinen Einfluss auf künstlerische Inhalte nehmen.

  2. Pluralität: Ziel ist eine Vielfalt von Kunst. Es ist deshalb Aufgabe der Kunstpolitik, für ein breites Spektrum und Angebot an künstlerischen Ausdrucksformen zu sorgen.

  3. Subsidiarität: Kunstförderung soll einen ergänzenden Charakter haben und nicht zu einer staatlichen Dominanz führen. Eine Vielzahl von Trägern ist deshalb wünschenswert. Die Aufgabe des Landes beschränkt sich auf die Hilfe zur Selbsthilfe.

  4. Dezentralität: Kunst und Kultur soll für alle da sein - nicht nur in Ballungsräumen. Angebote in ländlichen Gebieten sollen deshalb weiter gefördert werden.

Kulturelle Bildung

"Kulturelle Bildung steht für einen komplexen Bildungszusammenhang, in dem Faktenwissen und ästhetische Bildung sich mit Kulturtechniken, kreativen und kommunikativen Angeboten, Haltungen und Wertesystemen wechselseitig ergänzen."

(MWK/KM: "Empfehlungen zur kulturellen Bildung")

Kern der kulturellen Bildung ist es, allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Als Teil der Allgemeinbildung sind Kunst und Kultur deshalb elementare Bestandteile der Schul- und Erwachsenenbildung. Dabei sollen einerseits Aspekte traditioneller Kultur als auch neuere Entwicklungen vermittelt werden. Zur Kulturlandschaft Baden-Württembergs zählt eine Vielzahl kultureller Werte und Weltsichten, weshalb auch die interkulturelle Bildung ein zentrales Ziel ist. Um diese zu erreichen, sollen Kultureinrichtung besser vernetzt und interkulturell geöffnet werden. Diesbezüglich wurden etwa im Förderprogramm "Kunst und Integration", das Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes ist, pädagogische und künstlerische Modellprojekte entwickelt.

Zitate aus dem grün-schwarzen Koalitionsvertrag (2016):

"Baden-Württemberg verfügt über eine herausragende Kulturlandschaft, die durch eine Mischung aus Spitzenkunst, vielfältigen Kultureinrichtungen im ganzen Land und einem breiten ehrenamtlich getragenen Engagement im Amateurbereich geprägt ist." (S.43)

Als Ziele werden benannt:

  • eine verlässliche, transparente und differenzierte Förderung:

    • enge Kooperation zwischen Land und Kommunen
    • verstärkte Finanzierung durch EU-Mittel
    • Weiterentwicklung des Innovationsfonds
    • gesicherte Finanzierung der Kunsthochschulen

  • Kultur für alle in Stadt und Land

    • neue Zielgruppen erreichen: interkulturelle Öffnung
    • Inklusion und Barrierefreiheit verbessern
    • Nachhaltige Strukturen etablieren

  • Kulturelles Erbe pflegen, bewahren und erforschen

  • Digitalisierung

    • Unterstützung der Kunsteinrichtungen bei der Digitalisierung
    • Erarbeitung eines modernen, praktikablen Urheberrechts
    • Unterstützung der Kreativwirtschaft als Zukunftsbranche

Kulturelles Erbe

Kennenzeichnend für das Kulturland Baden-Württemberg ist seine Vielfalt und Intensität. So gibt es in den beiden ehemaligen Haupt- und Residenzstädten Stuttgart und Karlsruhe heute noch viele bedeutende Einrichtungen im Doppelpack. Beide Städte locken mit Staatstheater, Staatsgalerie bzw. Staatlicher Kunsthalle, Landesmuseum und Landesbibliothek.

Zudem haben die kulturellen Zentren der alten Kurpfalz, Mannheim und Heidelberg, das ehemals vorderösterreichische Freiburt oder Städte wie Ulm und Heilbronn eine überregionale Ausstrahlung. Eine Fülle von Altstädten ziehen mit ihrem mittelalterlichem Kern, mit weltberühmten Sakralbauten, sowie mit Burgen und Schlössern aus allen kunstgeschichtlichen Epochen viele Besucher an. Mehr als 3,7 Millionen Menschen besuchten 2016 allein die „Staatlichen Schlösser und Gärten“, darunter die Stuttgarter Wilhelma als eines der Highlights – eine einzigartige Verbindung von historischer Gartenanlage und Tierpark.

UNESCO-Welterebestätten

Haus Scharoun in der Weißenhofsiedlung. Foto: LMZ

 

In Baden-Württemberg befinden sich zudem fünf UNESCO-Welterbestätten: das Kloster Maulbronn (seit 1993) als die am besten erhaltene Klosteranlage nördlich der Alpen, die Klosterinsel Reichenau (seit 2000) als herausragendes Zeugnis der frühmittelalterlichen Architektur und Literatur in Mitteleuropa sowie der obergermanisch-rätische Limes (seit 2005). Das mit 548 km Länge größte antike Baudenkmal Europas verläuft zu einem guten Teil durch Baden-Württemberg. Weiterhin zählen die Pfahlbautensiedlungen am Bodensee und in Oberschwaben (seit 2011), sowie die Weissenhofsiedlung und das Weissenhofmuseum in Stuttgart (seit 2016) zu den UNESCO-Welterbestätten in Baden-Württemberg.

Die Stadt Heidelberg ist seit 2014 die erste deutsche UNESCO-Literaturstadt, Mannheim ist neben Hannover zur deutschen UNESCO-Musikstadt ernannt worden.

Kulturausgaben des Landes

Die Nettoausgaben des Landes für Kultur sind in den vergangenen 20 Jahren deutlich gestiegen - ihr Anteil an den Gesamtausgaben Baden-Württembergs gleichzeitig aber gesunken. So wurden 2014 rund ein Prozent der Gesamtausgaben für Kultur aufgewendet - etwa 410 Millionen Euro, also 38 Euro je Einwohner. Der größte Teil davon ist an die Theater im Land geflossen (126 Mio. Euro) und wurde zur Förderung von Museen und Ausstellung (82 Mio. Euro), sowie von Kunsthochschulen verwendet (62 Mio. Euro).

Kulturförderung

Kunsteinrichtungen und Kulturschaffende werden auf verschiedene Arten vom Land unterstützt. Zum Förderspektrum gehören Stipendien, Preise, sowie seit 2012 auch der Innovationsfond Kunst. Dieser ist inzwischen fest etabliert und umfasst Projekte mit einer Bandbreite von Musik, Theater, Tanz über Bildende Kunst, Literatur bis hin zu Film, Internet und Neuen Medien. Besonders dem künstlerischen Nachwuchs widmet sich die Kunststiftung Baden-Württemberg, die 2017 ihr 40-jähriges Bestehen feiert.

Kulturförderung ist öffentliche und private Aufgabe. Sie lebt zu weiten Teilen auch vom ehrenamtlichen Engagement der Bürger. Das beweisen nicht zuletzt die zahlreichen soziokulturellen Zentren im Land, die eine wichtige Rolle im breiten und spartenübergreifenden Kulturangebot spielen. Fast die Hälfte der mehr als fünfzig Einrichtungen im Land, die Mitglieder im Dachverband der „Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und Soziokulturellen Zentren in Baden-Württemberg“ sind, kommen aus Orten mit weniger als 50.000 Einwohnern. Auch hier ist die Dezentralität eine der Säulen der Kulturpolitik. Damit wird auch der unverzichtbare Beitrag der soziokulturellen Einrichtungen für die flächendeckende Grundversorgung im ländlichen Raum deutlich.

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Ministerium

 
 
 
 
 
 

Publikation

 

Kultur 2020 - Kunstpolitik für Ba-Wü

Die Broschüre wurde vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst 2010 veröffentlicht. Die Gesamtschau der Kunst- und Kulturpolitik in Baden-Württemberg zeigt Handlungsperspektiven auf – für die jeweiligen Sparten und Bereiche, aber auch für Querschnittsthemen wie die kulturelle Bildung.

Zum Download

 
 
 
 
 

Kulturportal des Landes

 

Informationen zum vielfältigen Kulturangebot in Baden-Württemberg 

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Informationen zu Kunstpolitik

 

Grundlegende Informationen zu Kunstpolitik, Kunstförderung und Kultureinrichtungen im Land finden Sie auf der Website des Kunstministeriums

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