Landeskunde Baden-Württemberg

 

Hohenzollern: Fürstentümer und preußische Exklave

Nach dem territorialstaatlichen Konzentrationsprozess der Napoleonischen Ära wirkte es fast wie ein Anachronismus, dass sich die beiden Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen ihre Eigenständigkeit bewahren konnten. Mit dem Rheinbundvertrag von 1806 waren sie verfassungsrechtlich souveräne Staaten, im Besitz sogar noch vergrößert und im Dienste Napoleons, dem sie erst Ende 1813 den Rücken kehrten. Zwei Jahre später unterzeichneten Bevollmächtigte der Fürstentümer die Bundesakte. Die beiden Zwergstaaten waren damit Mitglieder des Deutschen Bundes.

Hohenzollerische Identität

Im Verhältnis der hohenzollerischen Fürstenfamilien zu Württemberg hatte die jahrhundertelange Angst vor der Begehrlichkeit des Nachbarn nachgewirkt. Vor allem die katholische Konfession, auf der ganz wesentlich die hohenzollerische Identität fußte, hatte den Willen gestärkt, sich gegen Einverleibungsgelüste der protestantisch-pietistischen Württemberger zu wehren.

Zwar wies manches in den Bereichen Wirtschaft und Recht nach Württemberg – so die erste Zollgemeinschaft zwischen zwei deutschen Staaten, ein einheitliches Münzwesen, vereinheitlichte Maße und Gewichte sowie ein gemeinsames Postwesen. Bei der Neueinteilung der katholischen Diözesen im Jahr 1821 aber legten die beiden hohenzollerischen Fürstentümer großen Wert darauf, dem Erzbistum Freiburg zugeteilt zu werden, auch wenn das württembergische Rottenburg geographisch deutlich näher lag.

Übergang an Preußen

Erst als die hohenzollerischen Untertanen ihren Fürsten in der 1848/49er- Revolution das Fürchten lehrten, war es um die Eigenständigkeit geschehen. Der Staatsapparat war zerrüttet und der Fürst von Hechingen hatte das Land bereits verlassen, als preußische Truppen im August 1849 die Fürstentümer besetzten. Schon zuvor hatten die hohenzollerischen Fürsten ihren entfernten protestantischen preußischen Verwandten ihre Herrschaft angedient, die im März 1850 Besitz ergriffen. Mit dem Übergang an Preußen endete die Geschichte der selbstständigen Territorien der schwäbischen Hohenzollern, die nun preußische Hohenzollerische Lande hießen.

Auch wenn es Anpassungsschwierigkeiten zwischen den preußischen und meist protestantischen Beamten einerseits und den katholischen Hohenzollern andererseits gab, so stellte – entgegen des in Württemberg gern gezeichneten preußischen Jochs – die hohenzollerische Bevölkerung die Zugehörigkeit zu Preußen nicht in Frage. Man war eher stolz darauf, mit der mächtigen deutschen Vormacht Preußen eng verbunden zu sein. Mit dem Neubau der Zollerburg in den Jahren 1850 bis 1867 gab man dieser Verbundenheit symbolischen Ausdruck. Die Devise „Vom Fels zum Meer“ verbalisierte den preußischen Herrschaftsanspruch, der weit in den Süden Deutschlands reichte.


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Das Alte Reich um 1786

 

Karte: LMZ Baden-Württemberg

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