Landeskunde Baden-Württemberg

 
Ein mystischer Berg oberhalb der Stadt Asperg bei Ludwigsburg: Das Festungsgefängnis auf dem Hohenasperg ist Spiegelbild der deutschen Geschichte der letzten 200 Jahre, ihrer Kontinuitäten und Brüche, der Unterdrückungen der deutschen Freiheitsbewegungen im 19. Jahrhundert und wohl auch ein Symbol für die Macht der Herrschenden. Foto: Arnim Weischer, LMZ Baden-Württemberg

Der Hohenasperg

„Schwäbische Bastille“ und „Demokratenbuckel“ – ein politisches Gefängnis

Reinhold Weber

Der Volksmund in Württemberg wusste es: Der Hohenasperg sei der höchste Berg des Landes. Hinauf komme man schnell, aber oft dauere es Jahre, bis man wieder herunter komme. Die Warze sei er, die das schöne Antlitz Württembergs entstelle, so ein anderes Bonmot. Die Liste der Metaphern ist lang: schwäbische Bastille, Höllenpforte, Demokratenbuckel, Tränenberg oder Hausberg der schwäbischen Intelligenz. Ihren Ursprung haben sie in der Tatsache, dass der Hohenasperg ein politisches Gefängnis ist. Dabei gibt die Frage, wer aus welchen Gründen eingesperrt wird, genauso viel Auskunft über die Ausübung staatlicher Macht wie die Frage, wem und warum Orden verliehen werden.

Im Lauf seiner Geschichte war der Hohenasperg keltischer Fürstensitz, Landesfestung, Militärstrafanstalt, Irrenhaus, TBC-Station, Gefängnis für den zivilen Strafvollzug, sozialtherapeutische Modellanstalt und Zentralkrankenhaus für den baden-württembergischen Strafvollzug.

Seine Bedeutung als Erinnerungsort bezieht er aber aus der Tatsache, dass er untrennbar mit der staatlichen Unterdrückung des Kampfes um politische Rechte, Freiheit und Demokratie verbunden ist. Hier lässt sich die Entwicklung von Herrschaftspraxis genauso ablesen wie die schrittweise Zivilisierung von Recht und Justiz seit dem Zeitalter des Absolutismus. Hier lässt sich Machtausübung gegen politische oder gesellschaftliche Bewegungen aufzeigen.

Und hier begegnen sich staatliche Macht und Individuum im Spannungsfeld von Herrschaftssicherung und staatlicher Fürsorgepflicht. Von daher rührt wohl auch die Bezeichnung „Schicksalsberg“. Darüber hinaus zeigen sich am Beispiel des Hohenasperg auch die Zivilisationsbrüche der deutschen Geschichte im Zeitalter des „Zweiten Dreißigjährigen Krieges“ zwischen 1914 und 1945, das die Wiederkehr staatlichen Terrors gegen politisch oder weltanschaulich Andersdenkende und ethnische Minderheiten brachte.