Landeskunde Baden-Württemberg

 
Der Rotenberg und das gleichnamige Dörfchen, das heute ein Ortsteil Stuttgarts ist. Der Blick lässt immer noch wenigstens etwas von der Schönheit erahnen, die diese Landschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts auszeichnete. Foto: Sven Grenzemann, LMZ Baden-Württemberg

Die Grabkapelle auf dem Rotenberg

Vom Wirtenberg zu Württemberg – ein Erinnerungsort des Königreichs

Bernhard Mann

Im Herzen Württembergs, dort, wo bis 1819 die Stammburg der Wirtemberger stand, erinnert eine klassizistische Grabkapelle an Katharina von Württemberg (1788–1819). Sie hat das Land in ihren nur etwas mehr als zwei Jahren als Königin bis heute nachwirkend mitgeprägt. Ein großes Krankenhaus und ein Gymnasium der Hauptstadt sind nach ihr benannt. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), der Landeswohlfahrtsverband und die Universität Hohenheim gehen auf ihre Gründungen zurück.

Wollte König Wilhelm I. (1781–1864) mit dem Abbruch der Burg seiner Vorfahren und dem Bau dieser Kapelle nur die Liebe zu seiner jung verstorbenen Frau demonstrieren? Die Politik, die er als König zusammen mit ihr und nach ihrem Tod 45 Jahre lang allein verfolgte, legt die Vermutung nahe, dass die Grabkapelle auch zum Zusammenwachsen seines noch jungen Staates beitragen sollte. Im Ensemble mit weiteren Bauten in ihrer Umgebung konnte sie sichtbar machen, dass das Königreich Württemberg mehr und anderes war, als einst das Herzogtum Wirtemberg gewesen war.

Dank Wilhelms Vater zur doppelten Größe aufgewachsen, schien Württemberg groß genug, in Deutschland und selbst in Europa eine größere Rolle zu spielen. Doch dafür mussten aus Untertanen der größeren und kleineren Territorien, aus denen das Königreich zusammengefügt worden war, württembergische Staatsbürger werden, die sich mit diesem Staat identifizieren konnten.