Landeskunde Baden-Württemberg

 
Foto: LMZ Baden-Württemberg

Gender Mainstreaming

Dr. Iris Häuser

In nahezu allen Bereichen sind Frauen auf den verantwortlichen Führungs- ebenen nach wie vor unterrepräsentiert. Das gilt für die Führungsetagen in der Wirtschaft ebenso wie für Wissenschaft und Forschung, für die Verwaltung oder die Politik. Zwar liegt der Anteil von Frauen bei den Erwerbstätigen bei fast 49 Prozent, nur 18 Prozent der Führungspositionen sind aber von Frauen besetzt. Noch immer verdienen Frauen bei vergleichbaren beruflichen Tätigkeiten weniger als Männer. Traditionelle Rollenvorstellungen prägen weiterhin die gesellschaftliche Arbeitsverteilung, und die Anforderungen, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, betreffen in erster Linie Frauen.

Im Grundgesetz ist das Verfassungsgebot der Gleichberechtigung für Frauen und Männer verankert (Art. 3, 2). 1994 wurde es dadurch ergänzt, dass der Staat bei der tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung eine aktive Rolle zu übernehmen und Nachteile zu beseitigen hat.

Die Karrierechancen und die Präsenz von Frauen in den gesellschaftlichen Verantwortungsbereichen mögen sich in der Folge von Maßnahmen zur Frauenförderung verbessert haben. Trotzdem lassen sich in der gesellschaftlichen Praxis noch deutliche Defizite erkennen. Über den Verfassungsauftrag hinaus können es sich zudem moderne Gesellschaften unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr leisten, auf die Erfahrungen und beruflichen Potenziale von Frauen zu verzichten.

Konzept Gender Mainstreaming

Mit dem Konzept des Gender Mainstreaming wird der Aspekt der Geschlechter- gerechtigkeit in politische und administrative Prozesse integriert. Es basiert auf einem Paradigmenwechsel, der politisches und Verwaltungshandeln in der Wirkung auf beide Geschlechter in den Blick nimmt. Ziel ist es, der Benachteiligung von Frauen entgegen zu wirken und die Chancengleichheit nachhaltig zu verwirklichen. Die Ausrichtung an vermeintlich neutralen Normen und Bedürfnissen soll überwunden werden und durch eine geschlechterdifferenzierte Perspektive ersetzt werden.

Die Qualität politischen Handelns, beispielsweise in der Landes- und Stadtentwicklungsplanung, bei Konzepten für die Bewältigung des demografischen Wandels, bei der Gestaltung familienpolitischer Maßnahmen oder bei der Einbeziehung bürgerschaftlichen Engagements, wird zusehends daran gemessen werden, ob es sich aktiv dem Auftrag der Geschlechtergerechtigkeit stellen kann.

Das Instrument Gender Mainstreaming setzt an den konkreten Lebenssituationen der Bürgerinnen und Bürger an. Seine Vorteile bestehen u. a. in einer erfolgreichen, weil bedarfsgerechteren Infrastrukturplanung und in Standortvorteilen im Wettbewerb um Arbeitskräfte und junge Familien.

Im Juli 2002 hat die Landesregierung beschlossen, Gender Mainstreaming in der Landesverwaltung umzusetzen. Dementsprechend treten seit 2005 an die Stelle des früheren Frauenförderungsgesetzes ein Chancengleichheitsgesetz und an die Stelle der Landesfrauenbeauftragten eine Chancengleichheits-beauftragte des Landes. Entscheidend für die erfolgreiche Chancengleichheit von Frauen und Männern wird sein, inwiefern es gelingt, Gender Mainstreaming und Frauenförderung als gleichrangige Strategien bei der Planung politischer Maßnahmen anzuwenden.

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Ministerium für Soziales und Integration

 
 
 
 
 
 

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Statistik

 

 

Wirtschafts- und Sozialentwicklung in Baden-Württemberg 2016/ 2017

In dieser Broschüre hat das Landesamt für Statistik aktuelle Entwicklungen aus Wirtschaft und Gesellschaft Baden-Württembergs dargestellt und analysiert. Grundlage dafür sind amtliche Statistiken.

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