Landeskunde Baden-Württemberg

 

Fremdenverkehrsgebiete

Federseesteg in Bad Buchau. Foto: Anna Vogel

Stand: Februar 2017

Das Genießerland Baden-Württemberg besuchten im Jahr 2016 erstmals rund 21 Millionen Menschen. Auch die Zahl der Übernachtungen erreichte mit 52 Millionen einen neuen Höchstwert. Damit beherbergt das Bundesland nach Bayern und Nordrhein-Westphalen bundesweit die meisten Gäste. Der Tourismus ist wirtschaftlich gesehen ein wichtiges Standbein für Baden-Württemberg, da durch ihn ein Jahresumsatz von rund 20.300 Millionen Euro in die Kassen gespült wird. Dazu tragen aber nicht nur die Übernachtungen bei, sondern zu einem großen Teil auch Tagesreisen und Besuche bei Verwandten. Diese bringen vor allem im Gastgewerbe, im Einzelhandel und bei der Nachfrage nach Dienstleistungen Umsatz. Direkt vom Tourismus abhängig sind derzeit etwa 360.000 Arbeitsplätze im Südwesten.

In Baden-Württemberg ist 2016 der jahrelange Trend zurückgegangen, dass immer mehr ausländische Besucher kommen. So lag deren Anteil an Übernachtungen im Jahr 2015 bei 21 Prozent, 2016 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent aber nur geringfügig höher - verglichen mit dem gesamten Wachstum in der Tourismusbranche. Dabei sind die meisten ausländischen Gäste aus den Nachbarländern Baden-Württembergs, wobei die Schweizer mit Abstand am häufigsten im Ländle übernachten und damit vor den Niederländern und Franzosen liegen. Zurückgegangen sind Zahlen der Übernachtungsgäste aus dem Ausland zuletzt 2009, was damals auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen war. 

Das Ländle ist somit sowohl für Inländer als auch für Ausländer einer der führenden Tourismusstandorte in der Bundesrepublik Deutschland. Dies bedeutet auch, dass sich der Fremdenverkehr zu einem dominanten Erwerbszweig entwickelt hat.

Das Reiseverhalten ändert sich

Der Tourismus gilt als Branche mit großem Wachstumspotenzial. Doch hat sich in der Struktur des Tourismus im Lauf der vergangenen Jahre viel verändert. Während die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen zwar zunimmt, wird die Dauer des Aufenthalts generell immer kürzer.

Von dieser Entwicklung profitieren vor allem Betriebe rund um die Hotellerie, also Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen. Die Nachfrage bei Übernachtungen in Reha- und Vorsorge-Kliniken stagniert dagegen eher.


mehr zum Weinland Baden-Württemberg


Bei den ankommenden Touristen haben sich die Motive zur Reise inzwischen verändert. So nehmen Sport und Fitness, aber auch Abenteuererlebnisse einen größer werdenden Stellenwert ein. Das wird an den Angeboten deutlich, wie etwa der verstärkten Werbung für die Trendsportart Snow-Boarden oder den Freizeiterlebnispark Europark Rust. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung zur „Informations- und Freizeitgesellschaft“ kann sich dieser Trend wohl auch in Zukunft fortsetzen.

Der Ländliche Raum

Rund die Hälfte aller Übernachtungen entfallen auf den Ländlichen Raum. Dieser gilt als wichtiger Kern für den Gesundheits- und Erholungstourismus, auch wenn dieser Bereich gegenüber den Reisen in die Städte an Attraktivität verliert. Doch profitiert längst nicht der gesamte Ländliche Raum von Übernachtungsgästen. Einzelnen Zentren, wie Kur- und Bäderorten etwa im Schwarzwald oder am Bodensee stehen viele Gemeinden gegenüber, die überhaupt keine Verbindung zum Tourismus haben.


mehr Informationen zu Tourismus in Baden-Württemberg


Tourismus in den Städten

Neben Urlaubsfremdenverkehr und Naherholungsverkehr nimmt in Baden-Württemberg vor allem der Städtetourismus sehr rasch zu. Zu den beruflich dominierten Formen gehören Geschäfts- und Dienstreiseverkehr, Kongress- und Tagungsverkehr sowie Messe- und Ausstellungsverkehr, während zu den privat motivierten Formen neben dem Veranstaltungsreiseverkehr – tagsüber und abends – auch der Besichtigungsreiseverkehr zu rechnen ist.

Beim Geschäftsreisetourismus dominiert die Landeshauptstadt Stuttgart. Besichtigungen haben dagegen eher touristische Highlights zum Ziel, unter ihnen den einzigen baden-württembergische Vertreter der "Magic Ten" der "Historic Highlights of Germany", Heidelberg, mit rund 1,4 Millionen Übernachtungen pro Jahr.

Schwarzwald

Das größte Erholungsgebiet und zugleich das beliebteste Urlaubsziel unter allen deutschen Mittelgebirgen ist der Schwarzwald. 2016 entfielen auf ihn etwa 40 Prozent der Übernachtungen in Baden-Württemberg. Fast die Hälfte der ausländischen Gäste wählten den Schwarzwald als Aufenthaltsort. Der Schwarzwaldtourismus erlebte vor allem in den 1960er- und 70er-Jahren gegenüber anderen Erholungsräumen in Süddeutschland ein überdurchschnittliches Wachstum. Seit der Jahrtausendwende gehen die Übernachtungen in der Region allerdings zurück. Diese Entwicklung ist auf den Rückgang der Kurbetriebe zurückzuführen, die ein starkes Standbein des Tourismus in der Region waren. Unter den Haupturlaubsreisenden in den Schwarzwald ist rund ein Drittel älter als sechzig Jahre, 57 Prozent sind älter als fünfzig Jahre. Hieraus resultiert das Fehlen von attraktiven "Fun"- und Sportangeboten für jüngere Reisende. Zudem trägt ein "Imageproblem" zur negativen Entwicklung der Übernachtungszahlen bei. Für den Schwarzwald wird bei Reiseveranstaltern, in Reisebüros usw. wenig geworben. Nicht verkannt werden darf auch das Preisproblem: Eine Woche Schwarzwald im Hotel kommt teurer als eine Woche Tunesien am Strand.

Bodenseeregion

An zweiter Stelle unter den Ferienlandschaften Baden-Württembergs steht der Bodensee mit Oberschwaben. Auf diesen Erholungsraum entfallen zusammen etwa 16 Prozent aller Fremdenübernachtungen (Stand: 2016), wobei die Erholungszone am Bodensee in ihrer Ausdehnung naturgemäß relativ eng begrenzt ist und sich fast ausschließlich auf den unmittelbaren Uferbereich konzentriert. Folglich kommt es am Bodenseeufer immer wieder zu Nutzungskonflikten und innerhalb des Freizeitverkehrs zur problematischen Überlagerung von Urlaubs-, Wochenend- und Tagesausflugsverkehr. In jüngerer Zeit hat aber auch das Hinterland mit seinen vielen barocken Kirchen, Klöstern und Schlössern an Boden gewonnen.

Die Schwäbische Alb

Das Erholungspotenzial der Schwäbischen Alb wurde bisher noch kaum in Wert gesetzt. Ihr Anteil von nur etwas mehr als acht Prozent an den Übernachtungen des Landes ist bescheiden. Das Schwergewicht liegt hier eindeutig auf der Nah- und Wochenenderholung für Bewohner aus dem Land selbst, bevorzugt aus dem Mittleren Neckarraum. Daneben haben sich hier als Sonderform einige Feriendörfer für kinderreiche Familien wie Erpfingen oder Tieringen entwickelt. Neue Golfplätze fehlen ebenfalls nicht. Übernachtungszahlen und Form der Erholung in den Keuperwaldbergen sind denen auf der Schwäbischen Alb vergleichbar. Auch hier handelt es sich um Erholungsgebiete, die ganz auf Wandern, Hobby und Familie eingestellt sind.

Heil- und Thermalbäder

Baden-Württemberg lockt auch mit seinen Seen und Mooren für den Wochenenderholungsverkehr. Dazu kommen die vier oberschwäbischen Heilbäder: Bad Buchau, Bad Schussenried, Bad Waldsee und Bad Wurzach. Seit den 80er-Jahren ist zudem auf der Basis neu erbohrter Thermalquellen eine Reihe von Bädern entstanden. Als erstes Thermalbad in Oberschwaben wurde 1984 Saulgau eröffnet, inzwischen bestehen auch in Aulendorf und Biberach Thermen. Andere Kurorte und Heilbäder sind an die tektonische Schwächezone des Oberrheingrabens gebunden. Den alten, schon römerzeitlich bekannten Heilbädern wie Badenweiler oder Baden-Baden stehen jüngere Erschließungen wie Bad Krozingen oder das erst in der Nachkriegszeit entwickelte Bad Bellingen gegenüber.

 

Tourismusverband BW

 

Der Tourismusverband Baden-Württemberg bietet mit seinem Internetangebot vielfältige Informationen zu Regionen und Städten, sowie zu Reisethemen. Zudem kann dort online eine Unterkunft gebucht werden.

 
 
 
 
 

Landesamt für Statistik

 

Tourismuszahlen 2016

Die Tourismusbranche in Baden-Württemberg erreichte 2016 neue Spitzenwerte. Dabei ist die Zahl der inländischen Besucher im Vergleich zu der ausländischer Gäste deutlich gestiegen.

zu den Ergebnissen

 

 

 
 
 
 
 

Europäischer Großraum "Blaue Banane"

 

Bei Wikipedia finden Sie weitere Informationen zur Entstehung und Bedeutung der "Blauen Banane".

 
 
 
 
 

Geographie Baden-Württembergs

 

Geographie Baden-Württembergs. Raum, Entwicklung, Regionen, 2008. (Hrsg.: Hans Gebhardt)