Landeskunde Baden-Württemberg

 

Freie Demokratische Partei/Demokratische Volkspartei (FDP/DVP)

300Im aktuellen 16. Landtag ist die FDP/DVP mit 12 Abgeordenten von insgesamt 143 vertreten. Das sind fünf Abgeordente mehr als in der vergangenen Legislaturperiode (2011-2016). Der Stimmenanteil der liberalen Partei war 2011 um 5,4 Prozent im Vergleich zur Wahl 2006 eingebrochen. Davor war die FDP von 1996-2011 an der Seite der CDU Regierungspartei im Landtag von Baden-Württemberg.


Geschichte der FDP

Einfluss der FDP

Organisationsstruktur der FDP/DVP


Geschichte der FDP/DVP

Liberale Traditionen prägten die Geschichte Badens und Württembergs seit dem 19. Jahrhundert. Der Beitrag zur Ausbildung der liberalen und demokratischen Konzepte in Deutschland war beträchtlich. Das Wort vom „liberalen Südwesten“ findet hier seinen Ursprung. Nach 1945 konnte sich der Liberalismus im Südwesten neu formieren und an die große Tradition des Liberalismus und der Demokratie im Südwesten anknüpfen.

Gründungsgeschichte

Der politische Liberalismus wurde nach Kriegsende im Vergleich zu den anderen Parteien erst relativ spät aktiv. Die politische und verwaltungsrechtliche Trennung der alten Länder und die Lizenzierungspolitik der Besatzungsmächte hemmten die Wiederbegründung einer liberalen Partei, die zudem auch traditionell ein lockeres Organisationsgefüge hatte.

Am 18. September 1945 wurde im Haus der Stuttgarter Demokratenfamilie Haussmann die „Demokratische Volkspartei“ Stuttgart gegründet. Mit dem Parteinamen knüpften die Gründer an die Tradition der „Demokratischen Volkspartei“ in Württemberg an, die 1864 von Julius Haußmann, Carl Mayer und Ludwig Pfau gegründet worden war. Damit war die Traditionslinie zur liberalen Bewegung der Revolution von 1848/49 hergestellt. Erst am 14. Dezember 1945 genehmigte die Besatzungsmacht die Gründung des  Landesverbandes Württemberg-Baden der DVP.

In der französischen Besatzungszone stieß die Gründung einer liberalen Partei auf den offenen Widerstand des Militärgouverneurs, der ein Dreiparteiensystem favorisierte, in dem er für die Liberalen keinen Platz sah. In (Süd-)Baden waren die treibenden Kräfte Wilhelm Stahl und Paul Waeldin. Sie reichten am 20. Januar 1946 das Gesuch auf Zulassung einer „Demokratischen Partei“ ein, das von den Franzosen aber erst Ende Mai 1946 genehmigt wurde. Noch hinhaltender operierten die Franzosen in Württemberg-Hohenzollern. Die DVP konstituierte sich hier erst am 17. August 1946.

Die Partei sprach drei unterschiedliche, sozial aber eng verbundene Schichten an: Sie war fast ausschließlich in den evangelischen Landesteilen vertreten; sie hatte weiterhin Erfolge in den industriell entwickelten Regionen, und sie war dort am erfolgreichsten, wo der Anteil an Selbstständigen, mittleren Gewerbetreibenden und Beschäftigten des öffentlichen Dienstes hoch war.

Für den Südweststaat

Durch die Politik von Reinhold Maier war die Partei von Anfang an auf die Vereinigung der drei Länder zum Südweststaat festgelegt worden. Die FDP/DVP stellte dann auch 1952 mit Reinhold Maier den ersten Ministerpräsidenten des neuen Landes Baden-Württemberg. Im Dezember 1948 wurde in Heppenheim die „Freie Demokratische Partei“ (FDP) der drei Westzonen und Berlins gegründet. In Württemberg-Baden und dann in Baden-Württemberg führt die Partei seitdem den Doppelnamen FDP/DVP.

Einfluss der FDP/DVP

Bei der ersten Landtagswahl 1952 hatte die FDP/DVP rund 18 Prozent der Stimmen erhalten. 1972 rutschte sie unter die Zehnprozentmarke (8,9 %) und wurde zahlenmäßig schwächste Kraft im Landtag. 1988 und 1992 schaffte sie mit jeweils 5,9 Prozent der Stimmen immer nur knapp den Sprung ins Parlament.

Nach einem leichten Aufwärtstrend gegenüber 1996 wurde die FDP bei der Landtagswahl 2001 mit 8,1 Prozent knapp die drittstärkste Kraft im Land. Diesen „dritten Platz“ im Parlament musste sie trotz des sehr guten Ergebnisses von 10,7 Prozent bei den Landtagswahlen 2006 wieder an Bündnis 90/Die Grünen abgegeben. Zusammen mit der CDU trug die FDP bis 2011 die Regierungsverantwortung.

2011 musste die FDP in ihrem Stammland kräftig Stimmen abgeben und schaffte mit 5,3 Prozent der Stimmen nur knapp den Einzug in den Landtag. Dieses Ergebnis baute die Partei bei der Landtagswahl 2016 wieder aus und konnte mit 8,3 Prozent Stimmenanteil nun 12 Abgeordnete in den 16. Landtag von Baden-Württemberg entsenden.

Organisationsstruktur

Der Landesverband der FDP/DVP gliedert sich in neun Bezirke, 42 Kreisverbände und 252 Ortsverbände. Weitere Organe des Landesverbands sind die Landesvertreterversammlung, der Landeshauptausschuss und der Landesvorstand.

Von der Partei rechtlich unabhängige Vereinigungen sind die

  • Jungen Liberalen mit über 1.000 Mitgliedern. Die Mitglieder sind zwischen 14 und 35 Jahren alt und um Mitglied zu werden muss man kein FDP-Mitglied sein.

    Die Jungen Liberalen sind in Landesverbände, Bezirksverbände, Kreisverbände und zum Teil Orts- bzw. Stadtverbände untergliedert.

Ende 2014 waren rund 7.000 Mitglieder in der Partei organisiert. Der Frauenanteil lag bei knapp über 23 Prozent. Das Durchschnittsalter der Parteimitglieder betrug 51,2 Jahre. Knapp vierzig Prozent der Mitglieder waren jünger als 45 Jahre alt.

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Personen

 

Landesvorstand

Hier geht es zum Landesvorstand der FDP Baden-Württembergs.

Seit 2013 ist Michael Theurer (*12. Januar 1967) der Vorsitzende der FDP/DVP Baden-Württemberg. Zudem ist der studierte Diplom-Volkswirt Beisitzer des Präsidiums der FDP Bundespartei. Seit 2009 sitzt Theurer im Europäischen Parlament als Mitglied der ALDE-Fraktion. Seine Position als Oberbürgermeister der Stadt Horb legte er aus diesem Grund nieder.

Zur Seite von Michael Theurer

 
 
 
 
 

Personen

 

Fraktionsvorsitzender

Seit Juni 2009 ist Hans-Ulrich Rülke (*3. Oktober 1961) Vorsitzender der FDP/DVP-Landtagsfraktion von Baden-Württemberg.

Zur Kurzbiografie von Dr. Hans-Ulrich Rülke

 
 
 
 
 

Publikation

 

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Publikation

 

Politische Kultur, Parteiensystem und Wählertraditionen im deutschen Südwesten

In diesem Beitrag schreibt Dr. Reinhold Weber über die Entstehung der Parteien im 19. Jahrhundert zu den derzeit im Landtag vertretenen politischen Kräften.
Schriften zur politischen Landeskunde, Band 34: Baden-Württemberg - Gesellschaft, Geschichte, Politik. 2006

Beitrag

 
 
 
 
 

Publikation

 

Parteien und Parteiensystem in Baden-Württemberg

Funktionen – Genese – Wettbewerb
Beitrag aus dem "Handbuch Landespolitik", 2010
Autor: Dr. Reinhold Weber
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