Landeskunde Baden-Württemberg

 
Freiburg im Breisgau: Seit dem Westfälischen Frieden von 1648 trotz seiner geografischen Randlage der Mittelpunkt Vorderösterreichs. Luftbild von Freiburg aufgenommmen bei einer Ballonfahrt über der Messe Freiburg. Foto: Norbert Blau. Lizenz: GNU Free Documentation License, Version 1.2 or any later

Freiburg - das Herz Vorderösterreichs

Von Habsburg zu Baden

Franz Quarthal

 

Das Große Landeswappen Baden-Württembergs zeigt im Schildhaupt die Wappen der sechs wichtigsten südwestdeutschen Vorgängerterritorien. Heraldisch ganz links steht der rot-weiß-rote Bindenschild, der daran erinnert, dass große Teile des heutigen Bundeslandes einmal zum Hause Habsburg gehört haben.

In der historisch polyzentrischen Landschaft Südwestdeutschlands gibt es vielfältige Identitäten, die ihre Bestätigung in der jeweils eigenen Geschichte finden. Vorderösterreich mit seiner Geschichte ist ein Erinnerungsort für den Breisgau, den südlichen Schwarzwald, für große Teile Oberschwabens und für die Landschaften am oberen Neckar und an der oberen Donau. In Oberschwaben war Vorderösterreich ein Erinnerungsort, der im 19. Jahrhundert in kämpferischer Weise das Gefühl einer Kolonialisierung durch das evangelische Altwürttemberg abzuwehren half. Im Breisgau und im Schwarzwald stärkte er das Bewusstsein des eigenen Wertes und der Verwurzelung in katholischer Tradition.

Wichtigster Platz für sichtbare Zeugnisse dieses Erinnerungsortes ist die Stadt Freiburg. Von dort ging auch die Renaissance der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Vorderösterreich aus, die intensiv in eine Öffentlichkeit hineinwirkte und die in die politische Auseinandersetzung in den Südweststaat einbezogen wurde. Sie hat wesentlich zur historischen Selbstvergewisserung Baden-Württembergs beigetragen. Freiburg war von seiner Geschichte, seinen Baudenkmälern, der Breitenwirkung und der Intensität der historischen Forschung das Herz des Erinnerungsortes Vorderösterreich.